Kreisliga: Bald kleinere Staffeln und Play-offs?

Manche Fußballkreise erwägen Einführung eines neuen Spielsystems

Zum zweiten Mal ist nun Corona-bedingt eine Fußballsaison nicht zu Ende gespielt worden. Beide Male nach ausgiebigen Diskussionen um das Für und Wider, aber auch darum, wie und nach welchem Modus die Spielzeit vielleicht doch noch hätte gerettet werden können. Eine Variante, die immer wieder als Möglichkeit eingebracht wurde: Die Play-off-Runde. Wäre es nicht an der Zeit, den Meisterschaftsmodus zu verändern? Und wenn ja, wie? Überlegungen, die in manchen Fußballkreisen gerade angestellt werden. Zuletzt sprach zum Beispiel Peter Löcher, Vorsitzender des Fußballkreises Koblenz, davon, die dortigen Staffeln zu halbieren. Seine Argumente: „Mehr geografische Nähe wäre aus Sicht der Vereine wünschenswert. Durch die Verkürzungen der Staffeln wäre auch mehr Flexibilität vorhanden.“
Doch wenn sich denn etwas verändert, müsste das auch in Absprache mit dem Fußballverband Rheinland (FVR) geschehen und mit dem Verbandsspielausschuss abgestimmt werden. Zumal der FVR derzeit ohnehin über eine Verbandsreform nachdenkt, die eine Reduzierung der Kreise mit sich bringen könnte. Die letzte größere Veränderung liegt nunmehr schon 17 Jahre zurück: die Einführung der Rheinlandliga als höchster Klasse des Verbandes in der Saison 2003/2004, in der die damalige Verbands- mit der Landesliga quasi zusammengefasst und so eine Klasse eingespart wurde.

Ideen aus dem Rhein/Ahr-Gebiet

Nun also ein Play-off-System auf Kreisebene. Damit hat man sich beispielsweise im Fußballkreis Rhein/Ahr, der mit einer A- und je zwei B-, C- und D-Klassen hinsichtlich der Ligenstruktur in der abgebrochenen Saison genauso aufgestellt war wie der Westerwald/Sieg-Kreis, bereits intensiver auseinandergesetzt. Somit wäre der Vorschlag, den der Rhein/Ahr-Vorsitzende Dieter Sesterheim kürzlich präsentierte, auch hierzulande zumindest denkbar.
Im Detail sähe das so aus: In der A-Klasse könnte es statt einer 15er-Staffel zunächst drei nach regionalen Gesichtspunkten gebildete Fünfer-Staffeln geben. Die würden zunächst eine einfache Runde spielen, jeder hätte zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele. Danach käme es für die Play-offs zur Bildung einer Meisterschafts-und einer Abstiegsgruppe. Die besten zwei Teams jeder Staffel sowie die beiden besten Drittplatzierten kämen in die eine, der Rest in die andere Gruppe, wobei die bis dahin erreichten Punkte übernommen werden. Es schließt sich eine Play-off-Runde mit Hin-und Rückspiel an, wobei noch zu überlegen wäre, ob Mannschaften, die sich schon in der ersten Runde begegnet sind, erneut gegeneinander spielen sollen oder nicht. Wenn ja, stünden in der Meisterrunde 14 und in der Abstiegsrunde zwölf Spiele auf dem Programm.
Die Vorteile dieses Modus’ benennt der Rhein/Ahr-Vorsitzende Sesterheim so: „Damit hätten wir am Ende weniger Spieltage. Zudem gäbe es dann viele interessante Lokalduelle.“ Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: Wochenspieltage würden entfallen, und Kreispokalspiele könnten an Wochenenden ausgetragen werden.
Was die Spielklassen unterhalb der A-Klasse angeht, gestaltet sich die Einteilung bei teilweise doppelt so vielen Mannschaften kniffliger. Grundsätzlich könnte man aber auch dort jeweils innerhalb der beiden bisherigen regionalen Bereiche als Norm Fünfer-Staffeln anstreben, in denen sich die Spreu vom Weizen trennt, ehe es in Aufund Abstiegsrunden ans Eingemachte geht.

Ein Vorschlag mit Schwächen

„Gedankenspiele, zunächst in kleineren Staffeln mit einfacher Runde zu spielen, hat es auch bei uns schon gegeben“, lässt Björn Birk durchblicken, dass sich auch der Vorstand des Fußballkreises Westerwald/Sieg damit befasst, wie man den unterklassigen Spielbetrieb optimieren könnte. Im von Dieter Sesterheim genannten Vorschlag sieht der Kreissachbearbeiter aber zumindest ein Problem, das ein erneuter Abbruch einer Saison nach nur wenigen Spieltagen mit sich bringen würde. Denn falls es dazu käme, hätte man bei einer Dreiteilung in der A-Klasse keine eindeutige Rangliste, um etwa einen Aufsteiger in die Bezirksliga bestimmen zu können. „Prinzipiell ist das ein Thema, das der FVR regeln muss“, findet Birk. Denn der Verband wird allein schon aufgrund der von Birk angesprochenen potenziellen Aufstiegsproblematik aus der A-Klasse in die Bezirksliga ein Interesse daran haben, dass in seinen Kreisen möglichst einheitliche Ligenstrukturen vorherrschen – und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht.
Möglicherweise aber wird der Verband schon in der kommenden Woche eine Richtung in dieser Angelegenheit vorgeben. Denn wir Björn Birk verriet, habe der FVR die jeweiligen Ansprechpartner in den Kreisen eingeladen, dann an zwei Videokonferenzen teilzunehmen, in denen der Spielbetrieb thematisiert werden soll. „Vielleicht werden uns dann von Verbandsseite aus Vorschläge präsentiert, die wir an die Vereine herantragen können um zu schauen, wie sie darüber denken“, spekuliert Birk.

Was bleibt nach Corona übrig?

Für den Ww/Sieg-Sachbearbeiter stehen jedoch andere Fragen im Vordergrund, die Stand jetzt wohl noch niemand beantworten kann: Wie sieht es mit den Mannschaftsmeldungen aus? Wie viele Teams werden nächste Saison noch antreten? „Es gibt Vereine, von denen wir schon ein halbes Jahr nichts mehr gehört haben“, äußert Birk, der stets einen engen Kontakt zu „seinen“ Vereinen pflegt, große Bedenken, dass die ohnehin seit Jahren rückläufigen Meldezahlen durch Corona noch mal schlagartig abnehmen könnten. Er vermutet, dass viele Vereine derzeit selbst noch gar nicht wissen, inwiefern sie in einigen Monaten noch in der Lage sein werden, Mannschaften zu stellen ...

Quelle: Rhein-Zeitung vom 08. Mai 2021

Der Letzte im Topf spielt gegen Rot-Weiß

Los entscheidet am Montag, wer gegen die Koblenzer antritt – Der Regionalligist will im Erfolgsfall ein Drittel seiner Prämie abgeben

War am Ende doch alles nur ein großes Missverständnis? Aus Sicht des Fußballverbands Rheinland (FVR) dürfte der Zwist um den Pokalwettbewerb allzu gerne als solches verbucht werden – Happy End inklusive. Es sei schließlich nur ein Vorschlag gewesen, die TuS Rot-Weiß Koblenz als einzigen Regionalligisten und Eintracht Trier als bestplatzierten Oberligisten am 29. Mai, dem bundesweiten „Finaltag der Amateure“, gegeneinander antreten zu lassen und auf den Rest der Spiele des noch vor Abschluss der zweiten Runde unterbrochenen Wettbewerbs zu verzichten. Ein Vorschlag (wenngleich ein bis in die Details vorbereiteter), aber eben keine Entscheidung. Doch was ist schiefgelaufen in der Kommunikation, wenn das alles so klar war? Warum haben die Vereine einfach nicht verstanden, was ihr Verband eigentlich wollte?
Um dies zu erläutern, hat der FVR am Tag nach der eigenen Kehrtwende zur digitalen Pressekonferenz gebeten. Dabei wurde noch einmal dargelegt, was das Präsidium am Dienstagabend nach mehr als vier Stunden entschieden hat. Dass Rot-Weiß am 29. Mai spielen wird, dass es dabei aber nicht um den Pokal geht, sondern um die Entscheidung, wer in den DFB-Pokal einzieht. Dass der Gegner ausgelost wird und nur derjenige in den Topf kommt, der dazu bereit ist und keine Spielgemeinschaft bildet. Zudem ist der eigentliche Pokalwettbewerb nicht auf ein Finale reduziert, sondern soll später nachgeholt werden – so die Pandemie dies zulässt.
Die verkündeten Fakten lesen sich annähernd wie das, was den Verband bis Sonntagabend zigfach per Mail erreicht hat. Es ist die ungefähre Umsetzung dessen, was 24 der insgesamt 37 noch beteiligten Vereine erarbeitet hatten, nachdem zuvor der Versuch des FVR gescheitert war, seinen besagten „Vorschlag“ in der zweiten Videokonferenz zum Thema als solchen kenntlich zu machen und nicht als Entscheidung wirken zu lassen. Von einer „etwas unangenehmen ersten Sitzung“ sprach Präsident Desch rückblickend, einer Sitzung, in der die „Fetzen geflogen“ sind. Die Intention vor der zweiten Sitzung sei dann gewesen, den Vorschlag im Zuge einer Informationsveranstaltung zu präsentieren. Im Vorfeld sei schon über die Möglichkeit des Losens gesprochen worden. „Aber wir haben die sportliche Lösung als die bessere erachtet“, erklärte Desch, der auf Nachfrage berichtete, dass ihn das, was folgte „sehr belastet“ habe. „Das waren aggressive Methoden“, meinte er mit Blick auf das Vorgehen einiger Vereine. „Der Verband wurde runtergemacht.“ In 30 Jahren im Präsidium und 20 Jahren als Präsident habe er das noch nicht erlebt. Die Angriffe hätten sich in Sozialen Netzwerken fortgesetzt, „nicht meine Welt“, so Desch.
Fast schon Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die schärfsten Kritiker des FVR-Präsidenten die Kehrtwende des Verbandes sogleich via Facebook begrüßten. „Hut ab, meine Herren!“, schrieb Martin Hahn, der Vorsitzende des FV Engers, bei Christian Krey, dem Vorsitzenden der TuS Koblenz, hieß es: „Chapeau, dass der FVR so entschieden hat.“ Man bedanke sich ausdrücklich beim Präsidium für die Kurskorrektur. So dürften sich am Ende wohl alle auf ihre Art als Sieger fühlen in einer Angelegenheit, in der es zwischenzeitlich nur Verlierer zu geben drohte.
Der wirkliche Gewinner in der Geschichte ist aber Rot-Weiß Koblenz. Für die meisten Teilnehmer geht es in Ordnung, dass der einzige Regionalligist für das Entscheidungsspiel gesetzt ist und als klarer Favorit nun einen seit sechs Monaten trainingsfreien Gegner zugelost bekommt. Auf ein Drittel der 90 000 Euro, die der Sieger des Entscheidungsspiels um den Einzug in den DFB-Pokal erhält, will der Verein im Erfolgsfall verzichten. Aus freien Stücken. Der in dieser Partie unterlegene Verein wird keine Prämie erhalten, darf aber wie der Sieger weiter im Rheinlandpokal spielen, in dem es jedoch nur den normalen Tarif gibt und nicht die zuvor angedachte „Ausfallentschädigung“ von etwas mehr als 1400 Euro.
Wer der Gegner der Rot-Weißen sein wird, entscheidet am Montag das Los. Dabei geht der Verband in doppelter Hinsicht auf Nummer sicher. Damit erst gar kein Misstrauen entsteht, ist im Livestream zu sehen, wie rückwärts gelost wird. Der letzte Verein wird dann der Erste sein – und darf am 29. Mai in Koblenz gegen Koblenz spielen. Und wenn Corona-bedingt doch etwas dazwischen kommt und ein Kandidat ausfällt, rückt eben der als vorletzte gezogene Verein nach oder der drittletzte und so weiter. Zumindest hier sollten Missverständnisse ausgeschlossen sein.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 06. Mai 2021

FV Rheinland lenkt im Pokalstreit ein

Nur RW Koblenz ist gesetzt – Gegner per Losverfahren

Die Entscheidung des Fußballverbandes Rheinland (FVR), am „Finaltag der Amateure“ nicht das Endspiel um den Rheinlandpokal auszutragen, sondern stattdessen ein Entscheidungsspiel um die Teilnahme am DFB-Pokal, hat ein Stückweit Klarheit gebracht – aber auch für enttäuschte Gesichter gesorgt. Aus dem Westerwald hätten nur wenige der verbliebenden Teams die Möglichkeit, in der für Samstag, 29. Mai, geplanten Partie als Gegner des gesetzten Regionalligisten TuS Rot-Weiß Koblenz ausgelost zu werden. Die meisten heimischen Klubs sind Spielgemeinschaften – und damit von Verbandsseite vom Losverfahren ausgeschlossen, weil sie nicht im DFB-Pokal antreten dürften. Die Reaktionen der Vereine:

VfB Wissen: Thomas Nauroth hält es für ein „richtiges und wichtiges Zeichen“, dass der FVR die Meinung seiner Vereine nun doch berücksichtigt. Was die Chance auf ein Entscheidungsspiel um die Teilnahme am DFB-Pokal angeht, sei sich der VfB-Vorsitzende gemeinsam mit Trainer Thomas Kahler und dem Sportlichen Leiter Wolfgang Leidig einig, an der Auslosung teilzunehmen. „Natürlich birgt es körperliche Risiken, wenn unsere Spieler sich innerhalb weniger Wochen auf ein solches Spiel vorbereiten müssten. Aber so einfach bekommt man eine derartige Chance wohl nie wieder.“ Die Tendenz geht. Weil bis gestern Abend aber noch nicht alle Vorstandsmitglieder gleichermaßen begeistert davon waren, wie Nauroth anmerkte, steht eine endgültige Entscheidung bei den Siegstädtern noch aus.

SG Weitefeld-Langenbach/Friedewald: Die SG ist als Spielgemeinschaft nicht zur Teilnahme am Entscheidungsspiel berechtigt. „Ich habe zu denjenigen gehört, die auch die Lösung mitgetragen hätten, dass Rot-Weiß Koblenz gegen Eintracht Trier spielt“, sagt Trainer Jörg Mockenhaupt, der gleichzeitig anfügt: „Aber ich kann auch die Nöte der anderen Vereine verstehen.“ In den vorangegangenen Videokonferenzen, an denen er teilgenommen hatte, war für Mockenhaupt der Eindruck entstanden, dass die vorgeschlagenen Alternativlösungen der Klubs vonseiten des Verbandes zunächst „niedergeschmettert wurden“. Umso positiver bewertet es der Coach, dass nun ein Umdenken beim FVR stattgefunden hat. „Gott sei dank sieht man, dass die Vereine in einer Solidargemeinschaft etwas erreichen können. Dass der Verband darauf reagiert hat, ist top. Ich freue mich für die Klubs, die nun im Lostopf sind“, so Mockenhaupt.

VfL Hamm: „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten nur Oberligisten in den Topf gehört“, sagt VfL-Coach Stefan Hoffmann. Nun sei es aber eine neue Situation. „Plötzlich können Mannschaften in ein Endspiel gelangen, das sie niemals sportlich erreicht hätten. Deshalb ist meine persönliche Meinung, dass es uns und jenen eigentlich nicht zusteht“, findet Hoffmann, der jedoch „keine einsame Entscheidung“ fällen möchte. Ob sich der A-Ligist nun der Auslosung für ein Entscheidungsspiel um die Teilnahme am DFB-Pokal stellt, und ob der VfL „unter den gegebenen Bedingungen“ bei einer Fortsetzung des Rheinlandpokal-Wettbewerbs mitmacht, darüber müsse man sich erst noch intern beratschlagen, bekräftigt Hoffmann, für den allerdings ein Sache sicher scheint, nämlich „dass der FV Rheinland an der jetzigen Situation kein Interesse“ habe. „Plötzlich hält er sich aus einer solidarischen Verteilung der Preisgelder vollständig raus und beruft sich auf den ursprünglichen Schlüssel. Als eher kleiner Verein kann man da nur noch mit dem Kopf schütteln.“

SG Niederroßbach/Emmerichenhain: „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Erlebnis, ein Pokalfinale zu spielen, etwas ganz Besonderes ist“, erinnert sich André Saarholz an die Endspielteilnahme seiner Niederroßbacher als damaliger A-Ligist. „Da geht es Nullkommanull um irgendetwas Finanzielles, sondern um ein wahrscheinlich einmaliges Erlebnis.“ Insofern sei die Entscheidung aus Sicht der Spielgemeinschaften „natürlich eine eher bescheidene Alternative“, wie Sarholz es nennt. „Für eigenständige Teams ist das eine vernünftige Lösung, bei der keiner bevorzugt wird, für die SGs leider nicht, was den Satzungen und Ordnungen des DFB geschuldet ist.“ In Summe habe es ein Entgegenkommen des Verbandes gegeben, was sicher als positiv zu bewerten ist. „Aber die Vorgehensweise, dorthin zu gelangen, war sicher nicht das Gelbe vom Ei...“

SG Rennerod/Irmtraut/Seck: Rennerods Vorsitzender Patrik Heene freut sich, dass sich das Präsidium mit der gemeinsamen Stellungnahme der Vereine auseinandergesetzt und den Wünschen entsprochen habe. „Dieses Verfahren zeigt, dass sich die Vereine nur auf Augenhöhe mit dem Verband befinden und sich Gehör verschaffen, wenn sie einig, geschlossen und organisiert auftreten“, betont Heene. „Es ist wichtig, dass wir diese Erfahrung gemacht haben und sollte uns auch für zukünftige Entscheidungen eine Handlungsvorgabe sein.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 06. Mai 2021

„Vorgehen war nicht das Gelbe vom Ei“

So reagieren heimische Klubs auf die Kurskorrektur des FVR – Wissen und Hamm amMontag im Lostopf?

Kehrtwende im Konflikt um den Bitburger Rheinlandpokal: Der Fußballverband Rheinland (FVR) ist von seinem erst vor einer Woche verkündeten Plan abgerückt, am 29. Mai ein von ihm „gesetztes Finale“ zwischen dem Regionalligisten TuS Rot-Weiß Koblenz und dem Oberligisten Eintracht Trier auszutragen.
Diese Ankündigung hatte bei einer Mehrheit der 37 Vereine, die aktuell noch im Wettbewerb vertreten sind, massive Proteste ausgelöst. Auf viele der Forderungen der Klubs, die 24 von ihnen gemeinsam formuliert hatten, ist das Präsidium des FVR um Walter Desch in seiner Sitzung gestern Abend eingegangen und hat die Wünsche in einen neuen Beschluss einfließen lassen.
Ausgehend von der Annahme, dass eine sportliche Beendigung des Rheinlandpokals bis zum 30. Juni nicht erfolgen kann, soll am Samstag, 29. Mai, im Koblenzer Stadion Oberwerth im Rahmen des bundesweiten „Finaltags der Amateure“ nun ein Entscheidungsspiel zur Qualifikation für die erste Runde des DFB-Pokals ausgetragen werden, wie der Verband mitteilt.
Dabei trifft, so die Entscheidung des Präsidiums, Rot-Weiß Koblenz als klassenhöchstes Team auf einen Gegner, der am kommenden Montag unter den noch im Wettbewerb verbliebenen Teilnehmern ausgelost wird. Im Lostopf sind dann alle Vereine, die ihre Bereitschaft erklären, in diesem Entscheidungsspiel antreten zu wollen. Ausgenommen sind Spielgemeinschaften, da diese im DFB-Pokal nicht zugelassen sind. Kann diese Partie Pandemie-bedingt nicht bis zum Stichtag 1. Juli ausgetragen werden, wird Rot-Weiß Koblenz als FVR-Vertreter für die erste Runde des DFB-Pokals gemeldet.
Auch eine weitere Forderung der Vereine setzt der Verband um: Die 37 im Wettbewerb verbliebenen Mannschaften können bis kommenden Sonntag entscheiden, ob sie bei einer möglichen Fortführung des Rheinlandpokals teilnehmen werden. Als Voraussetzungen nennt der FVR, dass der Wettbewerb wieder aufgenommen wird, sobald es die Verfügungslage zulässt. Der Sieg würde dann allerdings nicht zur Qualifikation für den DFB-Pokal berechtigen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 05. Mai 2021

Vereine spielen bei Plänen des FVR nicht mit

Noch im Rheinlandpokal vertrete Klubs äußern massive Kritik am Vorgehen des Verbands und präsentieren eigene Lösung

Die Uhr tickt. Und wie. Bereits am 29. Mai, so der aktuelle Plan, soll der bundesweite „Finaltag der Amateure“ über die Bühne gehen, an dem in allen 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Verbandspokal-Endspiele ausgetragen werden. Dies geschieht seit der Saison 2015/16 und gilt als großer (auch finanzieller) Gewinn für den Amateurfußball, der seither in einer Konferenzschaltung live in der ARD gewürdigt wird. Im ersten Corona-Jahr zeigte sich die öffentlichrechtliche Sendeanstalt mangels konkurrierender Sportereignisse flexibel und verschob im Schulterschluss mit den Verbänden den Finaltag auf das letzte August-Wochenende. Das sei diesmal ausgeschlossen, heißt es jetzt – und damit beginnt das Dilemma.
Weil andere Landesverbände ausreichend Dritt- oder Viertligisten haben, die ohnehin im Trainings-und Spielbetrieb sind, ließen sich dort Lösungen finden, wie sich der Wettbewerb bei entsprechender Entschädigung der Kleinen mit den am höchsten spielenden Mannschaften sportlich beenden lässt. Im Fußballverband Rheinland (FVR) geht das nicht: Hier spielt aktuell einzig TuS Rot-Weiß Koblenz in der Regionalliga und ist trotz Corona voll auf Betriebstemperatur. Alle anderen – sowohl die Oberligisten als auch die Rheinlandliga abwärts aktiven Teams – müssen seit Ende Oktober in Sachen Fußball innehalten.
Wenn das Präsidium des FVR am heutigen Dienstagabend zusammenkommt, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie eine finale Entscheidung im sich zuletzt zuspitzenden Rheinlandpokal-Zoff ausfallen kann.

1 Der Verband bleibt bei seiner Linie: Trotz des großen Widerstands vieler der insgesamt 37 Vereine, die noch im Wettbewerb sind, könnte FVR-Präsident Walter Desch mit seinem Präsidium darauf beharren, dass der ARD und den anderen Sponsoren des Verbandes am 29. Mai ein Finale zwischen dem Regionalligisten Rot-Weiß Koblenz und dem Oberligisten Eintracht Trier angeboten wird. Das würde Einnahmen garantieren, aber zugleich einen Keil zwischen den FVR und seine Basis treiben. Die Kritik der Klubs: Der Verband habe seine Wunschlösung im Hinterzimmer nur mit diesen beiden Vereinen getroffen, die davon zudem finanziell am stärksten profitieren. Nach einer ersten Videokonferenz, die verbal aus dem Ruder gelaufen war und keine Lösung gebracht hatte, verlief die zweite digitale Zusammenkunft zwar etwas gesitteter, doch ging es insbesondere Walter Desch dabei darum, seinen Finalplan zu verkünden. Eine wirkliche Debatte war nicht vorgesehen. Stattdessen wurde den Vereinen lediglich die Möglichkeit eingeräumt, sich noch einmal zum Vorgehen zu äußern.

2 Der Verband lässt losen: Einer der Kritikpunkte vieler Vereine ist, dass neben den in der Regionalliga ohne nennenswerte Unterbrechung aktiven Rot-Weißen aus Koblenz der Oberligist Eintracht Trier das Finale bestreiten soll. FVR-Rechtswart Norbert Weise hält diese Entscheidung rechtlich zwar für sicher, doch sportlich darf darüber gestritten werden, ob eine Tabellenführung nach acht Spielen als Legitimation ausreicht. Eine Alternative, die von den Vereinen selbst ins Spiel gebracht wurde, ist ein Losverfahren. Von den 36 Vereinen, die neben Rot-Weiß noch im Wettbewerb sind, könnte einer per Los ermittelt werden, der dann am 29. Mai sein Glück gegen den Regionalligisten versuchen darf. Einige Vereine haben schon ihren Verzicht erklärt, weil sie es in der aktuellen Situation als völlig unrealistisch erachten, nach über einem halben Jahr Pause in rund drei Wochen fit zu werden für ein solches Finale. Zumal die Frage ist, wer überhaupt trainieren dürfte? Aktuell sind Übungseinheiten für Kinder bis einschließlich 13 Jahren erlaubt – in Fünfergruppen.

3 Der Verband trennt beide Entscheidungen: Der größte Anteil der Summen, um die es in der ganzen Angelegenheit geht, stammt aus der Teilnahme eines Vertreters des FVR an der ersten Runde des DFB-Pokals. Von 120 000 Euro spricht Walter Desch hier, andere machen Rechnungen auf, nach denen es sich hier sogar um 140 000 oder 160 000 Euro drehen könnte. Ganz gleich, welche Zahl am Ende die korrekte ist: Es steht aus Amateursicht ein ganz schöner Batzen Geld auf dem Spiel. Gibt es kein Rheinlandpokal-Endspiel am „Finaltag der Amateure“, würde dem Fußballverband Rheinland eine ordentliche Summe entgehen, die es für die Austragung des Finales und aus Sponsorenverträgen geben würde. 13 500 Euro, so das Angebot, wollte der Verband in den Prämientopf geben, der in jenem Fall unter den übrigen Vereinen aufgeteilt werden soll, wenn Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier das Finale austragen. Diese Summe wäre wohl abzuziehen, wenn der Koblenzer Regionalligist direkt als FVR-Vertreter für den DFB-Pokal gemeldet würde, ohne den Pokal unter Zeitdruck und mit vielen im Raum stehenden Fragenzeichen durchzupeitschen. Damit wäre einerseits ein Großteil der Einnahmen gesichert, andererseits wäre der Weg frei für eine Fortsetzung des Rheinlandpokal-Wettbewerbs zu einem späteren Zeitpunkt.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 04. Mai 2021

Pokal-Zoff: Das sind mögliche Szenarien

Welchen Weg könnte der Fußballverband Rheinland noch gehen? Es gibt nicht nur ein Finale zwischen Koblenz und Trier

An der Basis des Fußballverbandes Rheinland (FVR) rumort es gewaltig. Der Grund: Der FVR hatte in der vergangenen Woche durch seinen Präsidenten Walter Desch in einer kontrovers geführten Videokonferenz die 37 Vereine, die mit ihren Mannschaften noch im Rheinlandpokal vertreten sind, über die Pläne des Verbands für ein Endspiel am „Tag der Amateure“ am 29. Mai zwischen dem Regionalligisten TuS Rot-Weiß Koblenz und dem Oberligisten SV Eintracht Trier informiert. Das Argument des Verbandes: Die Koblenzer als höchst spielender Verein und Trier als zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Erstplatzierter der Nordstaffel – das habe für ein Finale auch juristisch Bestand, glaubt der Verband.
Die Vereine sehen das aber anders, und nun formiert sich Widerstand an der Basis: In einer Videokonferenz am Samstag, zu der alle 37 Vereine eingeladen waren, hat die große Mehrheit teilgenommen, und sie sind sich einig geworden, das Diktat des Verbandes nicht zu akzeptieren.
Unter der Organisation und Führung von Martin Hahn (FV Engers), Christian Krey (TuS Koblenz), Daniel Bernd (FC Karbach) und Christian Rauen (FSV Salmrohr) erarbeiteten die Verantwortlichen eine gemeinsame Stellungnahme, die die Vereine dem Verband einzeln bis zum gestrigen Sonntagabend übermitteln sollten. Darin stellen die Klubs noch einmal klar, dass im Mittelpunkt aller Bemühungen im Sinne des Amateurfußballs eine sportliche Lösung stehen müsse. Sie sehen diese Lösung aber aufgrund der gesetzlichen Auflagen und Regelungen in Bezug auf die Corona-Pandemie aus heutiger Sicht in Bezug auf ein mögliches Endspiel am 29. Mai für nicht vorstellbar.

Fortsetzung in Juni und Juli
Vorstellbar wäre sportlich nur eine Durchführung der Pokalspiele bis zum Finale frühestens in den Monaten Juni und Juli, aber rechtzeitig vor der Teilnahme des Rheinland-Pokalsiegers an der ersten Runde im DFB-Pokal, so die Vorstellungen der Vereine. Und genau dies erwarten sie auch von ihren Verbandsfunktionären. Ein Endspiel zwischen den vom Verband ausgewählten Vereinen Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier wird hingegen nicht akzeptiert. Einigkeit herrschte auch darüber, dass bei einer Nichtaustragung des Endspiels alternativlos und korrekt RW Koblenz als einziger Verein für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals zu benennen ist. Zudem wird – bei einer Entscheidung am grünen Tisch – eine finanziell solidarische Verteilung der dem Erstrundenteilnehmer zufließenden Mittel angestrebt, die wirtschaftlich attraktiver ist als die vom FVR in Aussicht gestellte Summe von rund 1400 Euro pro Verein.
„Vogel friss oder stirb. So dürfen die Funktionäre, die doch für und mit uns Vereinen arbeiten sollten, nicht mit uns umgehen. Es ist momentan undenkbar, dass es am 29. Mai zu einem normalen Endspiel kommen kann. Außer Rot-Weiß Koblenz, die unter Profibedingungen spielen, ist es für keine Mannschaft in der Region des FVR unter den Bedingungen der Corona-Verordnungen überhaupt möglich, den Trainingsbetrieb nach über sechs Monaten Pause aufzunehmen. Deshalb plädieren wir alle für eine sportliche Lösung in der Vorbereitungszeit auf die kommende Saison“, sagt der Engerser Vorsitzende Martin Hahn: „Es ist wirklich schon genug Schaden durch das undiplomatische und egoistische Vorgehen des Verbandspräsidenten entstanden. Ich hoffe nur im Sinne von uns Vereinen, dass eine solch negative Öffentlichkeitsdarstellung durch Desch und die gesamte Verbandsspitze die Sponsoren des Bitburger Rheinlandpokals nicht verschreckt. Wir jedenfalls werden im Sinne der Sache alles tun, eine faire und sportliche Lösung der Problematik zu erreichen. Das geht nur gemeinsam und nicht über die Köpfe der aktiven Sportler, der Ehrenamtlichen und der Vereine hinweg. Der Verband ist nun am Zug.“

Verband macht Schritt zurück
„Es geht nicht um das Geld. Wenn es eine sportlich faire Lösung ohne uns geben würde, würde Karbach auch verzichten. Doch so sollte der Verband nicht mit seinen Vereinen umgehen. Sie hätten uns früher ins Boot holen sollen. Dass Solidarität unter den Vereinen möglich ist, haben Engers, Rot-Weiß Koblenz, Eisbachtal und wir vergangene Saison mit der Aufteilung der Pokalgelder bewiesen. Der Vorschlag des Verbandes war ein deutlicher Schritt zurück“, erklärt Daniel Bernd, Vorsitzender des FC Karbach, und er appelliert an den Verband, die „nicht bösartig formulierte Stellungnahme sorgsam zu prüfen“. Auch Pit Arndt, Vorstandsmitglied von Rot-Weiß Koblenz, das den Klassenverbleib in der Regionalliga Südwest mittlerweise schon geschafft hat, nahm an der Videokonferenz teil.
„Wir fühlen uns geehrt, dass wir als klassenhöchster Verein für das Endspiel und für eine mögliche Teilnahme bei Nichtansetzung des Endspiels einstimmig benannt wurden. Im Pokal kann alles passieren. Deshalb würden wir auch viel lieber den Wettbewerb sportlich austragen und gewinnen. Doch im FVR sind wir momentan der einzige Verein, der unter Profibedingungen trainieren und spielen darf. Das macht die Entscheidung für den Verband für ein mögliches Endspiel nicht einfacher. Positiv empfand ich, dass die Videokonferenz am Samstag so sachlich und ohne große Emotionen verlaufen ist“, sagt Arndt.
Auch der Vorsitzende der TuS Koblenz, Christian Krey, lobt: „Unsere Videokonferenz lief absolut harmonisch ab, wie es eigentlich sein muss. Sie war damit völlig konträr zu der Konferenz mit dem Verband.“ Zu den Ergebnissen sagt Krey: „Für uns ist die gemeinsame Stellungnahme ein Kompromiss, mit dem wir gut leben könnten. Wir tragen ihn voll mit. Sollte er allerdings nicht übernommen werden, werden wir alles andere juristisch überprüfen lassen.“ Auch zu der Nichtteilnahme von Eintracht Trier äußert sich Krey: „Wir hatten zuerst ohne die beiden beteiligten Vereine Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier eine Konferenz geplant. Haben uns dann aber sehr kurzfristig entschieden, doch beide einzuladen. Rot-Weiß hat sofort zugesagt, Trier leider abgesagt.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 03. Mai 2021

„Wie 35 Bittsteller und ein beleidigter Präsident“

Was die Vereine aus dem Westerwald am Vorgehen des FVR stört

Zum Kreis der 37 Klubs, deren Mannschaften aktuell noch im Rheinlandpokal vertreten sind, zählen auch noch rund ein Dutzend aus dem Westerwald. Viele von ihnen haben nicht nur an der Videokonferenz des Fußballverbandes Rheinland am vergangenen Mittwoch teilgenommen, sondern auch an der Runde der Vereine untereinander am Samstag. Wie stehen die Klubs zum Vorgehen des Verbands und welchen Weg hätten sie sich gewünscht?

VfB Wissen: „Ich kann die Interessen des Verbands verstehen, aber auch die von Vereinen wie Engers oder TuS Koblenz, die sich benachteiligt fühlen“, bezieht sich Trainer Thomas Kahler auf das, was in der Konferenz am Mittwoch kommuniziert wurde. Auch VfB-Präsident Thomas Nauroth hält den Vorschlag des Verbands nicht für ideal. Dennoch will es der Vorstand des Rheinlandligisten bei dem, was der Verband am Dienstag beschließen will, belassen, weshalb er sich weder der gemeinsamen Erklärung der Vereine anschloss noch ein eigenes Statement aufsetzte.

SG Ellingen/Bonefeld/Willroth: „Wir hatten uns bereits vor Wochen dazu entschieden, aufgrund der Corona-Pandemie nicht weiter am Wettbewerb teilnehmen zu wollen. An dieser Entscheidung halten wir weiterhin fest“, sagt Clemens Hasni aus dem Vorstand des SV Ellingen, der sich deshalb nicht der gemeinsamen Erklärungen angeschlossen und stattdessen ein eigenes Statement verfasst hat. Daraus geht hervor, dass die Verantwortlichen des Bezirksligisten „die Diskussionen und Vorschläge einerseits des FV Rheinland und der anderer Vereine nicht kommentieren“ wollen, sich aber zumindest „eine sportlich faire und auch solidarische Lösung“ wünschen. Warum sich die Ellinger bedeckt halten, begründet Hasni mit „genug anderen Problemen“, die es derzeit gebe. Allerdings wisse er auch, dass Klubs wie TuS Koblenz oder andere Oberligisten gewisse Etats zu stemmen hätten, weshalb er absolut nachvollziehen könne, dass diese Vereine viel Kraft in diese Angelegenheit stecken.

VfL Hamm: Der A-Ligist schloss sich der gemeinsamen Stellungnahme an, obwohl Stefan Hoffmann bereits vor der Konferenz am Samstag ein eigenes Schreiben aufgesetzt hatte. Weil das aber im Wesentlichen mit den Ausführungen der gemeinsamen Stellungnahme übereinstimmte, zog es der VfL-Trainer im Namen seines Vereins vor, diese zu unterstützen, weil man sich als Teil der Solidargemeinschaft sehe, wie Hoffmann sagt. Anstatt Eintracht Trier als Finalgegner von RW Koblenz zu bestimmen, hält es Hoffmann für sinnvoller, alle Oberligisten in einen Lostopf zu werfen, „da nach über einem halben Jahr Spielpause zumindest alle Oberligisten gleiche Rechte haben sollten“. Wer dann letztlich im Finale steht, solle aber einen Solidarbeitrag leisten, der deutlich über den aktuell angedachten 15 Prozent liege. „Immerhin wird den Finalisten das Endspiel auf dem Präsentierteller gereicht“, begründet Hoffmann.

SG Rennerod/Irmtraut/Seck: „Noch heute bin ich ehrlich gesagt erschrocken über Art, Weise vor allem aber die Leitung dieser Konferenz“, sagt Rennerods Vorsitzender Patrik Heene zur Videokonferenz des FVR mit den Vereinen. „Ich hatte den Eindruck, auf der einen Seite stehen 35 Bitsteller in Form der in der Fortführung des Rheinlandpokals nicht berücksichtigten Vereine, und auf der anderen Seite steht die Obrigkeit in Form des Präsidenten, der erstaunt und beleidigt darüber war, dass sich die Vereine eigene Gedanken machen.“ Der Verband habe „die Vereine offensichtlich für dumm verkaufen und hinters Licht führen“ wollen, sagt Heene.

SG Niederroßbach/Emmerichenhain: „Wir sind enttäuscht über das Vorgehen des Verbands, vor einer Konferenz das eigentliche Wunschszenario schon festzuzurren“, teilt André Sarholz im Namen des SG-Vorstands mit. „Gewünscht hätten wir uns eine offene Kommunikation von Beginn an, dann wäre die Stimmung auch sicher nicht so ,scharf‘ gewesen.“ Bei der SG HWW ist man mit Blick auf die Zeitnot für RW Koblenz als FVR-Vertreter im DFB-Pokal. Gleichzeitig will der Bezirksligist den Wettbewerb aber sportlich zu Ende bringen – vielleicht im Juli und August. In Folge dessen soll es ein „Gentleman Agreement“ geben, „dass die Prämie für die erste DFB-Pokalrunde gleichmäßig ausgeschüttet wird an alle Vereine, die noch im Wettbewerb sind“, so Sarholz. Aus sportlicher Sicht wäre es „eine besondere Würze“ den Pokal in der Vorbereitung zu Ende zu spielen.

SG Westerburg/Gemünden/Willmenrod: „Man ist mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, beklagt SG-Trainer Thomas Schäfer das Vorgehen des FVR. Deswegen werde man sich mit den anderen Vereinen solidarisch zeigen und die gemeinsame Stellungnahme unterzeichnen. Der Verband hätte genügend Zeit gehabt, mehrere Vorschläge zu erarbeiten und nicht nur diesen einen, findet Schäfer. „Wenn es unbedingt zu einem Endspiel kommen muss, dann möchten wir, dass Rot-Weiß Koblenz daran teilnimmt als bester Verein und der andere Teilnehmer gelost wird, auch wenn das Finale so sportlich

Quelle: Rhein-Zeitung vom 03. Mai 2021

Der Rheinlandpokal hat jetzt sein eigenes Gesetz

Fußballverband sieht Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier als Finalisten vor – Für 35 übrige Vereine soll’s Geld geben statt Chance auf Prestige

Walter Desch hätte sich die Sache leicht machen können. Statt zwei Stunden zu debattieren, wo es aus Sicht des Präsidenten des Fußballverbandes Rheinland (FVR) nicht mehr viel zu debattieren gibt, hätte der Funktionär aus Alterkülz Sätze verkünden können wie: „Wegen Corona können wir den Rheinlandpokal nicht regulär beenden.“ Oder: „Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier stehen trotzdem im Finale.“ Oder: „Der 29. Mai ist fix.“ Oder: „Das Fernsehen lässt keinen anderen Termin zu.“ Oder: „Weil es eine Übertragung geben soll, gibt es für alle anderen wenigstens ein bisschen Geld.“ Dann hätte er geschlossen mit: „Vielen Dank, auf Wiedersehen.“ Ende der Durchsage. Basta. Letztlich sind die Sätze so oder so ähnlich tatsächlich gesagt worden in der Videokonferenz des FVR mit den 37 Vereinen, die aktuell mit ihren Mannschaften noch im Rheinlandpokal vertreten sind. Jenem Wettbewerb, der das letzte Überbleibsel der ansonsten längst annullierten Saison 2020/21 ist. An einer Debatte, die sie sich gerne erspart hätten, kamen Desch und Co. trotzdem nicht vorbei. Und das Ende der Videokonferenz bedeutete nicht, dass der Gegenwind abflaut. So teilte Oberligist TuS Koblenz am Morgen danach mit, dass er „diese Entscheidung des Verbands nicht hinnehmen“ werde. Damit ist weiterer Zündstoff garantiert. Martin Hahn, Vorsitzender des Oberligisten und Titelverteidigers FV Engers, nannte die Idee, RW Koblenz am 29. Mai gegen Eintracht Trier spielen zu lassen, gar einen „Schlag ins Gesicht aller Amateurvereine“ angesichts eines „im Hinterzimmer des Verbandspräsidenten ausgekungelten ‚Endspiels‘“.

Keine Abstimmung vorgesehen

Einer der Knackpunkte: Nach Aussage des Verbands sollen alle noch beteiligten Vereine zwar bis Sonntagabend die Möglichkeit haben, eine Rückmeldung zu geben. In erster Linie würden diese Beiträge aber ein Meinungsbild ergeben. Eine Abstimmung war am Ende der Videokonferenz nicht vorgesehen und soll es auch in den kommenden Tagen nicht geben. Somit ist fraglich, ob das, was die direkt Betroffenen anmerken, die für kommenden Dienstag angekündigte Entscheidung des Verbandspräsidiums beeinflusst.
„Das könnte Einfluss haben, aber wir können trotzdem anders entscheiden“, betonte Desch gegenüber den Vereinen und schob hinterher, dass bei einem Wegfall des Endspiels mit besagten Mannschaften aus Koblenz und Trier die Gelder für alle anderen Vereine auch geringer ausfallen könnten.
Insgesamt sieben Punkte hatte der FVR-Präsident auf die Agenda des virtuellen Treffens gesetzt, die er gleich zu Beginn als „reine Infoveranstaltung“ deklarierte. Und das nicht ohne Grund: Gerade mal gut vier Wochen ist es her, dass in selber Runde über den Pokal gesprochen wurde. Diesmal war die Ausrichtung aber eine gänzlich andere. Hieß es seitens des Verbandes damals noch, der Pokal müsse unbedingt zu Ende gespielt werden – der Pandemie mit ihren Einschränkungen und aller Bedenken zum Trotz –, so war jetzt gleich zu Beginn klar: Das, was die Verantwortlichen damals in der Hoffnung propagierten, dass sich viele Mannschaften freiwillig zurückziehen und somit eine Austragung weniger Spiele wahrscheinlicher wird, ist jetzt nicht mehr möglich. In der vorgesehenen Form sei der Wettbewerb, in dem noch fünf komplette Runden ausstehen plus fünf Zweitrundenpartien, „nicht zu Ende zu spielen“, wie Desch gleich in seiner Begrüßung betonte.
So unmissverständlich diese Ansage daherkam, so eindeutig war auch die nächste: Ein Endspiel soll es trotzdem geben – und zwar am 29. Mai, dem bundesweiten „Finaltag der Amateure“, den die ARD (vermutlich nur in ihren dritten Programmen) live überträgt. Von einem „Diktat der ARD“, für die beim Termin „keine Flexibilität gegeben sei“, wollte FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch aber nichts wissen. Der Finaltag, so betonte er, sei „kein ARD-Projekt“, sondern von allen 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gemeinsam aufgesetzt. Und diese Landesverbände müssen jetzt allesamt Lösungen finden, damit es am 29. Mai in ihren Bereichen auch tatsächlich Endspiele geben kann.

Absprachen schon vorab getroffen

Der nächste Schritt war somit, den Weg hin zum Finale in Argumente zu kleiden. Bei FVR-Boss Desch klang das so: Man spiele nicht mit der Gesundheit der Aktiven und es gehe nicht um finanzielle Vorteile, vielmehr wolle man „Werbung machen für den Fußball im Rheinland“. Damit war das Tor geöffnet für Bernd Schneider, den Spielausschussvorsitzenden, der ohne Umschweife auf den Punkt kam: „Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier sind beide bereit.“ Zwischen den Zeilen klang durch: Die nötigen Absprachen haben wir mit diesen (und nur mit diesen) Vereinen längst getroffen.
Die Aussichten, das Spiel am 29. Mai in Koblenz austragen zu können, seien auch gut, ergänzte der Funktionär aus Wissen noch, da Regionalligist Rot-Weiß sich dort ja bereits in einer Corona-freien Blase bewege. Die Frage, wie sich Trier als Nicht-Profiverein in einem Monat auf die Partie vorbereiten soll, blieb unbeantwortet.
Über die Auswahl zweier Mannschaften für ein mögliches Finale wurde in den vergangenen Wochen durchaus spekuliert, insofern war die präsentierte Lösung keine ganz große Überraschung. Rot-Weiß ist der einzige Regionalligist aus dem Bereich des FVR und damit als gesetzter Finalteilnehmer auch unstrittig, zumal die Koblenzer als einzige Mannschaft trotz Corona voll im Trainings- und Spielbetrieb stehen. Aber warum Eintracht Trier?
Für FVR-Rechtswart Norbert Weise war die Begründung klar, geteilt wurde sie aber nicht von allen. Insbesondere andere Oberligisten wie der FSV Salmrohr, die TuS Koblenz und der FV Engers waren nicht einverstanden, einzig der FC Karbach übte sich aus diesem Kreis in Zurückhaltung. Der Justiziar des Verbandes sieht in der Auswahl des zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Erstplatzierten der Nord-Staffel allerdings eine Lösung, „die aus meiner Sicht auch juristisch Bestand haben wird“, wie er ausführte.
Angriffsfläche bietet diese Argumentation zugunsten der Trierer dennoch. Einerseits werden zwei unterschiedliche Wettbewerbe miteinander verglichen. Zudem hat Trier gerade mal acht Spiele ausgetragen – und das in einer Klasse, aus der auch vier andere Vereine noch im Wettbewerb sind. Rechtswart Weise sprach trotzdem davon, die „beiden besten Mannschaften“ ausgewählt zu haben.
Entscheidend sei zunächst die Verfügungslage, die ein normales Weiterspielen untersage, so Weise. „Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Suche nach Ersatzlösungen“, wie er es nannte. Denn wenn der Teilnehmer – in diesem Fall an der ersten Runde des übergeordneten DFB-Pokals – nicht rechtzeitig ermittelt werden könnte, dann habe der Verband die Möglichkeit, einen solchen zu bestimmen. Daraus leitete Weise ab: Dann könne der Verband auch zwei Teilnehmer für ein Finale auswählen. Hierbei RW Koblenz und Eintracht Trier aufgrund der Klassenzugehörigkeit beziehungsweise des Tabellenstands auszuwählen, bezeichnete der Rechtswart im Laufe der Videokonferenz mehrfach als die „sportlichste Lösung“. Zudem sehe er für die Auswahl „kein weiteres objektives Kriterium“. Doch ist Objektivität überhaupt möglich, wenn unter normalen Umständen neben Regionalligist Rot-Weiß Koblenz, der als einziger über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt, 36 andere Mannschaften die gleiche Chance gehabt hätten, ins Finale einzuziehen, den Pokal zu gewinnen und sich – sofern sie keine Spielgemeinschaft sind – für den DFB-Pokal zu qualifizieren?

„Klagen bis zum bitteren Ende“

„Grob fahrlässig“, nannte Christian Krey, der Präsident der TuS Koblenz, das Vorgehen, Trier zum Finalisten zu bestimmen. Zugleich verwies er auf die Teilnahmebestimmungen für den Wettbewerb. „Da wurde keine Vorsorge getroffen“, kritisierte Krey. Für Rechtswart Weise, einen Mann der Ordnungen und Paragrafen, galt dieses Argument nicht. Corona habe eben alles über den Haufen geworfen, argumentierte der Jurist verblüffend nicht-juristisch.
Das lässt erahnen, dass der Fall nach zwei Stunden Videokonferenz nicht abgeschlossen ist. Weder für Weise, noch für den Fußballverband. „Wir müssen klagen bis zum bitteren Ende“, appellierte Christian Rauen vom FSV Salmrohr in die Runde. Das Vorgehen sei „moralisch völlig verwerflich“. Sein Verein könne genauso im Finale spielen wie Trier. „Doch wenn wir es wären, dann wäre es genauso verwerflich.“ So kam dann eine Variante ins Spiel, die zumindest niemanden bevorteilt: Losen.
„Von zwei schlechten Varianten wäre das noch die gerechtere“, fand Nils Lappahn, Vizepräsidenten der TuS Koblenz. Sein Präsident Christian Krey ergänzte, dass es nicht um 1000 oder 2000 Euro gehe. Das sei nichts, wenn man die Chance habe, im DFB-Pokal zu spielen. „Die Einnahmen sind wichtig, aber vor allem geht es um Prestige. Durch diese Auswahl wird allen diese Chance genommen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. April 2021

Rheinlandpokal: Fällt heute Abend die Entscheidung?

Fußballverband und seine Vereine tauschen sich über die weitere Vorgehensweise aus

Wie geht es weiter im Fußball-Rheinlandpokal? In etwas mehr als einem Monat, so der aktuelle Stand, sollen im Rahmen des „Finaltags der Amateure“ die Teilnehmer des DFB-Pokals aus den einzelnen Landesverbänden ausgespielt werden. Ob sich dieses Vorhaben in Anbetracht der Corona-Pandemie und der jüngsten Beschlüsse der Politik – Stichwort Bundes-Notbremse – realisieren lässt, ist nach aktuellem Stand äußerst fraglich. Seit einigen Jahren überträgt die ARD die Spiele in einer Konferenzschaltung und möchte an diesem Konzept offenbar auch weiterhin festhalten. Fakt ist jedenfalls: Abgesagt ist der für 29. Mai terminierte Finaltag noch nicht. Und so stellt sich auch im Rheinland die Frage, wie und in welcher Form der Pokalwettbewerb beendet werden kann.
„Die Verfügungslage ist bekannt, derzeit ist keinerlei Kontaktsport möglich“, betont Bernd Schneider, Spielausschussvorsitzender des Fußballverbandes Rheinland. Im Hintergrund arbeiten die FVR-Verantwortlichen jedoch an einer Lösung, die sich möglicherweise schon an diesem Mittwochabend herauskristallisieren könnte: Der Verband wird sich heute (virtuell) mit den im Wettbewerb vertretenen Vereinen treffen und das weitere Vorgehen besprechen. „Vorher geben wir keine Wasserstandsmeldungen ab, das macht aktuell keinen Sinn“, erklärt Schneider. Nach dieser Sitzung will der FVR über die neuesten Entwicklungen informieren.
Rückblende: Vor gut einem Monat schrieb der Verband die insgesamt 37 noch im Wettbewerb vertretenen Vereine und Spielgemeinschaften per E-Mail an, verbunden mit der Frage, ob sie weiterhin am Rheinlandpokal 2020/21 teilnehmen wollen. Zuvor war zu eben jener Thematik eine Videokonferenz abgehalten worden. Die Hoffnung aus Verbandssicht war, dass sich möglichst viele Klubs zurückziehen würden, stattdessen eine finanzielle Entschädigung (die Rede war von etwas mehr als 500 Euro) erhalten und so den Weg freimachen für eine abgespeckte Weiterführung des Wettbewerbs.
Denkbar wäre zum Beispiel gewesen, das Finale zwischen dem Regionalligisten Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier anzusetzen. Die Moselstädter können wohlwollend als zweitbestes Team im FVR-Gebiet bezeichnet werden, da sie bei Saisonabbruch auf Platz eins der Oberliga-Staffel Nord positioniert waren. „Exakt diesen Vorschlag habe ich in der Videokonferenz gemacht“, hatte FVR-Präsident Walter Desch damals gesagt. Jedoch war das Votum eindeutig: 35 der 37 Klubs sprachen sich dafür aus, weiter am Rheinlandpokal teilnehmen zu wollen. Nur Rheinlandligist TuS Montabaur und Bezirksligist SG Ellingen/Bonefeld/Willroth zogen sich zurück. „Trainer und Vorstand sind sich einig, dass es keinen Sinn macht, den Pokal in so kurzer Zeit durchzupeitschen“, hatte Jörg Nicolaus, Präsident der Montabaurer, seinerzeit erklärt.
Dass die meisten Klubs jedoch davon absahen, sich aus dem Teilnehmerfeld zurückzuziehen, kann auch rund vier Wochen später noch als Trotzreaktion bezeichnet werden. So fühlten sich einige Vereinsvertreter dem Vernehmen nach unter Druck gesetzt, wie beispielsweise Martin Hahn, Vorsitzender des FV Engers, in einem über die sozialen Netzwerke verbreiteten Schreiben erklärte. Generell soll es in besagter Videokonferenz ordentlich geknistert haben. Wenngleich bei den Klubs Skepsis vorherrscht(e), dass der Rheinlandpokal regulär beendet werden kann, so sehr zeigten sie sich auch nur bedingt gewillt, sich aus freien Stücken aus dem Wettbewerb zu verabschieden.
Welche Ergebnisse die für heute angesetzte Sitzung bringt, bleibt abzuwarten. Wird nun Regionalligist TuS Rot-Weiß Koblenz, der klassenhöchste Verein des Verbandes, als FVR-Vertreter für den DFB-Pokal gemeldet, ohne den Pokal überhaupt gewonnen zu haben? Kommt es am 29. Mai überhaupt zu einer Austragung des Endspiels? Oder wird der Wettbewerb vielleicht doch zu einem späteren Zeitpunkt mit allen Vereinen im Rahmen der Saisonvorbereitung fortgesetzt? Denkbar sind viele Varianten. Zweifelsohne dürfte es in Anbetracht der vor einigen Wochen aufgekommenen Unstimmigkeiten eine Herausforderung darstellen, zu einer Lösung zu kommen, mit der sich alle Beteiligten auch wirklich zufrieden geben.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 28. April 2021

FVR setzt Strafen erneut aus

Entscheidungen in Bezug auf Schiedsrichterwesen

Nachdem die Saison 2020/21 Ende März durch den Beirat des Fußballverbandes Rheinland annulliert worden ist, hat das Präsidium des FVR auf Vorschlag des Verbandschiedsrichterausschusses Entscheidungen zur Vorgehensweise in Bezug auf das Schiedsrichterwesen beschlossen.

Der Stichtag 1. April 2021 zur Kontrolle der Schiedsrichtersollzahl wird ausgesetzt: Da aufgrund der Annullierung der Saison auch im April bis Juni kein Spielbetrieb stattfinden wird, werden erneut keine Bußgeldbescheide ausgestellt, der Stichtag wird ausgesetzt.

Die Einhaltung der Mindestanzahl von zwölf Spielaufträgen pro Schiedsrichter für die Saison 2020/21 wird ausgesetzt: Aufgrund der Annullierung der Saison und der Aussetzung der Stichtage 1. Januar 2021 und 1. April 2021 erfolgt das Aussetzen der Mindestanzahl von Spielaufträgen für Schiedsrichter.

Das Spieljahr 2020/21 wird bei den Vereinen im Untersoll auf die Jahresfolge nicht angerechnet: Da in der Saison 2020/21 nur wenige Spieltage ausgetragen werden konnten, wurde auch nur ein Bruchteil der Schiedsrichter benötigt. Deshalb und aufgrund der Aussetzung der Stichtage ist es im Sinn der Regelung naheliegend, dass die Saison 2020/21 auf die Jahresfolge der Untersollvereine nicht angerechnet wird. Bedeutet: Wenn ein Verein im Spieljahr 2020/21 im dritten Jahr in Folge im Untersoll war, wird dies nicht angerechnet. Sofern der Verein im neuen Spieljahr 2021/22 erneut im Untersoll ist, wird er in der Jahresfolge entsprechend wieder im dritten Jahr eingruppiert. Die Jahresfolge wird nur für die Vereine im Untersoll ausgesetzt: Vereinen, die 2020/21 die Schiedsrichter-Sollzahl komplett erfüllt haben, werde dies natürlich auch anerkannt.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 24. April 2021

Rot und Co.: Sperren bleiben vorerst bestehen

Für Rechtswart Weise ist eine Amnestie bei persönlichen Strafen aktuell noch kein Thema

In der Debatte um die Fortsetzung des Fußball-Rheinlandpokals herrscht aktuell Funkstille. Für Mitte April war eine Lösung des Problems in Aussicht gestellt worden, doch die weiter angespannte Pandemielage, die zu erwartenden Verschärfungen im Lockdown – Stichwort Notbremse – und damit verbunden das immer akuter werdende Problem, überhaupt Spiele auszutragen (geschweige denn ein Finale am 29. Mai) machen den Verantwortlichen in den Verbänden das Leben schwer.
Als es Ende März darum ging, welche der 37 noch im Wettbewerb befindlichen Mannschaften überhaupt noch weiter mitmachen wollen, hat Jörg Mockenhaupt eine interessante Frage in den Raum gestellt. Der Trainer des Bezirksligisten SG Weitefeld-Langenbach/Friedewald erkannte einen Vorteil, den die Teilnahme an einer Fortsetzung des Wettbewerbs mit sich bringen könnte, hat er doch zwei Spieler in seinen Reihen, die Rotsperren abzusitzen haben. Derlei Altlasten ließen sich mit einem oder zwei Pflichtspielen abbauen, meinte Mockenhaupt – und kam dabei an den Punkt, dass er infrage stellte, inwiefern die Rotsperren aus einer Saison, die annulliert wurde und auf dem Papier gar nicht stattgefunden haben soll, überhaupt noch Gültigkeit besitzen. „Mit solchen Sachen wird sich der Verband auch noch beschäftigen müssen“, sagte Mockenhaupt in diesem Zusammenhang.
Norbert Weise, der Rechtswart des Fußballverbandes Rheinland (FVR), hat sich mit dieser Frage auch schon beschäftigt, wie er auf Nachfrage bestätigt, wenngleich er direkt sagt, dass es grundsätzlich keine Streichung von Strafen geben werde. Dabei verweist er auf den Zweck der Sperre.
„Das Ausschließen für eine bestimmte Zeit oder Anzahl an Spielen ist eine persönliche Bestrafung des Spielers für sein Vergehen“, erklärt der Jurist. „Dass damit indirekt auch die Mannschaft mitbestraft wird, ist eher ein Reflex, der daraus folgt, nicht aber die Absicht dahinter.“ Trotz der Annullierung bleibe die Strafe des einzelnen Spielers weiter bestehen und gelte somit auch in der – wann auch immer beginnenden – neuen Saison. Allerdings habe sich das Präsidium auch schon mit den Themen „Amnestie“ oder „Teilamnestie“ beschäftigt, so Weise.
Diese sei vorstellbar, wenn noch geringe Strafen oder Reststrafen von „ein, zwei Spielen“ ausstehen, wie der Rechtswart erklärt. Für den Fall, dass die Corona-bedingt spielfreie Zeit noch länger andauert, könne man überlegen, ob man diese „geringen Strafen“ dann erlässt. „Ab einem gewissen Zeitpunkt sollte man die Frage der Verhältnismäßigkeit prüfen“, betont Weise, der diese Angelegenheit „im Hinterkopf“ hat, wie er meint.
Was uns wiederum zu Jörg Mockenhaupt und die SG Weitefeld führt. Den Ausführungen des FVR-Rechtswarts zufolge dürfte Tim-Lennart Schneider, der nur noch für ein Spiel pausieren müsste, in die von Weise beschriebene Kategorie der „Reststrafen“ einzuordnen sein und könnte sich demnach Hoffnungen machen, mit Beginn der neuen Runde sofort wieder spielberechtigt zu sein.
Wesentlich schlechter sieht es da für Markus Nickol aus, der von einer happigen Sechs-Spiele-Sperre erst eine Partie abgebüßt hat. Denn laut Weise würden Langzeitsperren bestehen bleiben – ganz gleich, wann der Ball wieder rollt beziehungsweise wie lange sich die Zwangspause noch hinzieht. „Denn hier geht es um gravierendes Fehlverhalten“, betont der Rechtswart.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 17. April 2021

Pokal-Abschluss kaum möglich

FVR glaubt nicht an eine sportliche Lösung

Als Reaktion auf das klare Votum der Vereine zur Frage, ob sie an einer Fortsetzung des Fußball-Rheinlandpokals interessiert sind, nämlich Ja (35 von 37 stimmten dafür), hat der Fußballverband Rheinland (FVR) nun reagiert. Demnach stünden nun wieder alle Optionen zur Auswahl. „Ein sportlicher Abschluss des Rheinlandpokals ist dadurch aber deutlich unwahrscheinlicher geworden“, heißt es in einer Presseerklärung. Zudem, so der FVR, sei die Annahme falsch, er strebe am 29. Mai ein Pokalendspiel an, „koste es, was es wolle“ und „unter Gefährdung der Gesundheit vieler Fußballer“. Der FVR hatte allen Vereinen, die auf eine weitere Teilnahme verzichtet hätten, eine Beteiligung an den Preisgeldern angeboten, das wären rund 500 Euro pro Verein gewesen. Fast alle Vereine lehnten dies aber ab. Nun wird es unmöglich, den Wettbewerb zu beenden, wie auch der FVR weiß: „Während bei einer deutlich reduzierten Teilnehmerzahl das Ausspielen einer Endspielpaarung, beispielsweise in Turnierform und unter Testung aller Beteiligten, vielleicht noch möglich gewesen wäre, wird dies mit 35 Teams keine Option darstellen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 09. April 2021

FV Rheinland: Abschluss des Pokals ist unwahrscheinlich

Fußballverband reagiert auf das klare Votum der Vereine und hält sich weitere Optionen für die Austragung des Wettbewerbs offen

Wie geht es weiter mit dem Fußball-Rheinlandpokal? Das ist die Frage, die sich der Fußballverband Rheinland (FVR) und die noch 37 in diesem Wettbewerb befindenden Vereine derzeit stellen. Eine Abfrage des FVR lieferte ein deutliches Votum der Klubs, 35 der 37 Teilnehmer würden weiterspielen – was in der derzeitigen Corona-Lage unmöglich erscheint, erst recht unter dem lange vorherrschenden Eindruck, dass der „Finaltag der Amateure“ und damit auch das Endspiel im Rheinlandpokal unbedingt am 29. Mai stattfinden sollen. Um dies zu gewährleisten, müssten innerhalb kürzester Zeit vorher noch fünf (!) Runden gespielt werden.
Doch als Reaktion auf das Votum der Vereine hat der FVR nun reagiert. Demnach stünden nun wieder alle Optionen zur Auswahl. „Ein sportlicher Abschluss des Rheinlandpokals 2020/21 ist dadurch aber deutlich unwahrscheinlicher geworden“, heißt es in einer Presseerklärung. Zudem, so der FVR, sei die Annahme falsch, er strebe am 29. Mai ein Endspiel an, „koste es, was es wolle“.
Deshalb könnte das „Saarlandmodell“ nun ins Spiel kommen. Wie der Saarländische Fußballverband im Bezug auf seinen Saarlandpokal mitgeteilt hat, wird der Sieger zwischen dem 1. FC Saarbrücken, dem FC Homburg und der SV Elversberg ermittelt. Das sei das Ergebnis einer Besprechung mit den 64 im Pokalwettbewerb verbliebenen Vereinen gewesen. 61 Amateurvereine nehmen demnach nicht weiter am Wettbewerb teil, erhalten aber eine finanzielle Entschädigung. Auch der FVR wollte seinen verbliebenen Vereinen im Rheinlandpokal dieses Modell „schmackhaft“ machen bei einer Videokonferenz. Sprich: Es wird ein Endspiel bestimmt (zum Beispiel Regionalligist Rot-Weiß Koblenz gegen den zweitbesten FVR-Vertreter, Oberligist Eintracht Trier), die restlichen 35 Klubs werden finanziell entschädigt.
„Ich will auch, dass die Vereine ihr Geld aus dem Pokal bekommen, aber ich will auch ein Endspiel, weil ich einen Vertrag mit einem Sponsor habe, nach dem ich verpflichtet bin, ein Endspiel durchzuführen“, hatte FVR-Präsident Walter Desch am Montag in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt. Zum „Saarlandmodell“ sagt der Alterkülzer: „Exakt diesen Vorschlag habe ich in der Videokonferenz gemacht. Ich hätte erwartet, dass die Vereine konsequent sagen, wir verzichten.“
Nun trat aber beim Votum das komplette Gegenteil ein, fast alle wollen weiterspielen. Nun muss eine Lösung her. „Wir werden uns beraten und haben noch weitere Modelle im Hinterkopf“, sagt Desch.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 03. April 2021

Klubs widersetzen sich Wunsch des Verbandes

Fußball-Rheinlandpokal: Kaum eine Mannschaft will freiwillig auf weitere Teilnahme verzichten

Der Fußballverband Rheinland (FVR) will den Rheinlandpokal zu Ende spielen und hatte sich die Sache sicher einfacher vorgestellt. „Wenn herauskommt, dass nur drei, vier Mannschaften überhaupt weiter im Pokal spielen wollen, liegen wir gut im Zeitplan“, sagte der FVR-Spielausschussvorsitzende Bernd Schneider aus Wissen noch am Wochenende, und auch Präsident Walter Desch hatte in einer Videokonferenz, in der es um den Pokal ging, den Vereinen nahegelegt, sie müssten ja nicht unbedingt spielen und können auch verzichten. Der Wunsch des Verbandes war, dass so wenige Mannschaften wie möglich übrig bleiben, damit es noch zeitlich möglich ist, das Finale am 29. Mai zu spielen. Dabei geht es um Geld. Für den Verband anscheinend sogar um so viel Geld, dass er trotz des eigentlichen Saisonabbruchs im Rheinland, trotz steigender Corona-Inzidenzzahlen und trotz wahrscheinlich noch schärferen Lockdowns in der Zukunft den Pokalwettbewerb unbedingt durchpeitschen will.
Wohl wissend auch, dass bis auf die Profispieler von TuS Rot-Weiß Koblenz, die in der Regionalliga Südwest spielen, die Fußballmannschaften von der Oberliga abwärts seit mehr als fünf Monaten pausieren. Desch hat am Wochenende in Bezug auf den Pokal noch einmal klargestellt und gesagt: „Zu sagen, der Verband will nur Geld verdienen, deswegen sollen wir Fußball spielen, und die Gesundheit der Spieler wäre egal, ist eine bodenlose Frechheit.“ Doch wie gesund es für Fußballer ist, nach fast einem halben Jahr Pause und in der Folge einer maximal vierwöchigen Vorbereitungszeit im Pokal wieder in die Vollen zu gehen, das hat der Verbandspräsident nicht erklärt.
Fakt ist, der Verband hat per E-Mail die 37 Vereine und Spielgemeinschaften angeschrieben und sie bis zum heutigen Mittwoch, 23.45 Uhr, zu einer Antwort auf die Frage aufgefordert, ob sie ihre Teilnahme an der Weiterführung des Wettbewerbs um den Rheinlandpokal 2020/2021 zusagen.
Der angestrebte Beginn der Pokalfortsetzung soll am 13. Mai sein, denn das Endspiel ist für den 29. Mai in Koblenz am „Finaltag der Amateure“ terminiert, an dem alle Landespokalendspiele ausgetragen werden. Der ausstrahlende Fernsehsender ARD hält an diesem Termin im Gegensatz zum Vorjahr, als der Endspieltag erst Ende August ausgetragen wurde, strikt fest.
Die Rahmenbedingungen für die verbleibenden Teilnehmer auf ihrem Weg ins Finale wären eine verkürzte Vorbereitungszeit, ein Spielort eventuell in einem anderen Kreis (abhängig von der Allgemeinverfügung im Landkreis des Heimvereins) und wahrscheinlich keine Zuschauer. Die Verteilung der Prämien hängt davon ab, ob der FVR einen Teilnehmer zur 1. DFB-Pokal-Hauptrunde (Wochenende 6. bis 8. August) melden kann. Sofern ein DFB-Pokalteilnehmer vom FVR gemeldet wird, beträgt die Prämie für die Vereine, welche ab sofort auf die Teilnahme an der Pokalrunde verzichten, 1,25 Prozent (etwas mehr als 500 Euro) des vom FVR-Pokalsieger abzutretenden Betrages. Ein sofortiger Verzicht auf die weitere Teilnahme am Rheinlandpokal zieht kein sportrechtliches Verfahren nach sich. So schrieb es der Verband den Vereinen.
Doch da hätte der Verband den beteiligten Klubs schon mehr anbieten müssen. Denn von den 37 verbliebenen Teams dürfte sich ein Großteil für den Wettbewerb bis heute Nacht anmelden. Dazu wird dann auch die SG Weitefeld-Langenbach/Friedewald zählen, die sich immerhin als einziger der übrig gebliebenen Vertreter aus dem Kreis Altenkirchen bereits für die dritte Runde qualifiziert hat. Dabei gibt sich Trainer Jörg Mockenhaupt weniger der Illusion eines Finaleinzugs hin, sondern hat einen anderen Vorteil ins Auge gefasst, den die Teilnahme an einer Fortsetzung des Wettbewerbs mit sich bringen könnte. Denn der Bezirksligist hat mit Markus Nickol und Tim Lennard Schneider zwei Spieler in seinen Reihen, die Rotsperren abzusitzen haben. Altlasten, die sich mit einem oder zwei Pflichtspielen abbauen ließen. Bleibt allerdings die Frage, inwiefern die Rotsperren aus einer Saison, die auf dem Papier gar nicht stattgefunden haben soll, überhaupt noch Gültigkeit besitzen. „Mit solchen Sachen wird sich der Verband auch noch beschäftigen müssen“, weiß Mockenhaupt.
Neben der SG Weitefeld gibt es aber auch Teams, deren Zweitrunden-Partien erst noch gespielt werden müssen. Dazu zählt unter anderem der VfB Wissen, der sich im Verbund aus Vorstand, Trainerteam und Mannschaftsrat schließlich darauf verständigt hat antreten zu wollen. Zur Entscheidungsfindung habe laut Trainer Thomas Kahler eine Einstellung zu der Sache beigetragen, die offenbar auch bei Gegner SV Windhagen den Ausschlag gab. Dessen Trainer Uwe van Eckeren glaubt eigenen Aussagen zufolge zwar nicht, dass der Pokal bis zum 29. Mai beendet werden kann, benennt aber das Hintertürchen, das sich nun mal kaum ein Verein voreilig zumachen will: „Eventuell ist im Vorfeld der neuen Saison Zeit, den Pokal zu Ende zu spielen. Wir würden uns deshalb jetzt nur ungern freiwillig rauskatapultieren.“
Während Wissen und Windhagen also auf sportlichem Wege den Einzug in die dritte Runde regeln wollen, könnte der VfL Hamm diese kampflos erreichen, weil die SG Ellingen/Bonefeld/Willroth angekündigt hat, auf eine Teilnahme zu verzichten. Zwar steht für den Bezirksligisten außer Frage, dass es „aus sportlicher Sicht wünschenswert ist, im Pokal anzutreten“, wie es Trainer Christian Weißenfels, ausdrückt. Dennoch habe man sich entschieden, „unter den vom Verband vorgegebenen Bedingungen“ nicht zu spielen. Weißenfels sieht in Pokalspielen außerdem gewissermaßen nur „Bonusspiele“, in denen es auch mal möglich sei, „dass die Jungs über sich hinauswachsen und einen klassenhöheren Gegner besiegen“.
Eine Absprache mit seinem VfL Hamm habe es vonseiten der SG Ellingen bei deren Entscheidungsfindung nicht gegeben, teilt Stefan Hoffmann auf Nachfrage mit. „Demnach wären wir sensationell in der dritten Runde“, lässt der VfL-Coach durchblicken, was er vom Vorhaben des Verbandes hält – nämlich nicht allzu viel. Auch wenn die endgültige Entscheidung beim A-Ligisten gestern noch ausstand, würden sich die Hämmscher tendenziell aber doch „der sportlichen Herausforderung stellen“, sagte Hoffmann am Dienstag, wobei er nicht davon ausgeht, dass es noch vor dem Finaltag Ende Mai dazu kommen wird. Für wie abwegig er die FVR-Pläne vor allem angesichts der Inzidenzen im Landkreis Altenkirchen von über 200 hält, wird spätestens mit folgendem Zitat deutlich: „Wir hoffen, dass der Wettbewerb mit den übrigen Teams in Turnierform auf Mallorca abgeschlossen werden kann.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 31. März 2021

Abbruch: Das sagen die Vereine

Für viele ist die Saison noch gar nicht beendet

Die Fußballsaison im Rheinland ist seit Samstag offiziell abgebrochen und für annulliert erklärt worden – zumindest, was den Spielbetrieb in den einzelnen Ligen angeht. Denn für die Pokalwettbewerbe gilt das (noch) nicht, weshalb es in den nächsten Wochen für viele Mannschaften spannend bleibt, wie es im Fußball weitergeht.
Doch erst mal zurück zum für beendet erklärten Ligabetrieb, für den sich in einer Online-Befragung, die der Fußballverband Rheinland (FVR) kurz vor der endgültigen Entscheidung durchgeführt hatte, rund 86 Prozent der teilnehmenden Vereine ausgesprochen hatten. Zum Rest zählten vor allem Vereine, dessen Teams sich zum Zeitpunkt der Unterbrechung dick im Titelrennen befanden. So wie die SG Mittelhof/Niederhövels, die mit Ambitionen in die Runde gestartet war und diese mit sieben Siegen aus sieben Partien in der Kreisliga B2 Westerwald/Sieg auch eindrucksvoll untermauerte. Nach den Plätzen vier (2019/20) und zwei (2020/21) sollte es diesmal endlich klappen mit dem Aufstieg ins Kreisoberhaus. Stattdessen muss die Mannschaft nun ganz von vorne anfangen. Es liegt auf der Hand, dass SG-Trainer Mathias Stricker es für besser gehalten hätte, wenn die Ergebnisse und Tabellenstände der alten Saison einfach in die wann auch immer beginnende neue Spielzeit übernommen worden wären. Davon entmutigen lassen sie sich bei der SG Mittelhof aber nicht. Nicht nur die Mannschaft bleibe komplett zusammen, auch Stricker selbst hängt ein weiteres Jahr dran, obwohl er eigentlich kürzertreten wollte, wie der Trainer verrät. Aber mit einem Saisonabbruch will schließlich niemand aufhören.
Bei alledem gerät ein wenig außer Acht, dass die Saison für einige Mannschaften de facto noch gar nicht abgebrochen ist. Denn nach wie vor ist geplant, dass sowohl der Rheinlandpokal als auch die entsprechenden Wettbewerbe auf Kreisebene ausgespielt werden. Das gilt zwar nicht mehr für die SG Mittelhof, die im Wettbewerb der A- und B-Ligisten schon in Runde eins die Segel strich, dafür aber zum Beispiel für die eigene Reserve, die im Achtelfinale des C/DWettbewerbs steht. In der Summe sind es im Ww/Sieg-Kreis noch 32 Teams, die weiter warten. Eines davon ist der VfL Hamm, der sogar noch im Rheinlandpokal und damit in gleich zwei Wettbewerben vertreten ist.
Während sich die Ww/Sieg-Verantwortlichen mit der weiteren Planung frühestens nach Ostern befassen werden, wie Vorstandsmitglied Wolfgang Hörter auf Nachfrage mitteilt, drängt in Sachen Rheinlandpokal die Zeit. Hier gibt die ARD mit dem „Finaltag der Amateure“ am 29. Mai einen Rahmen vor, den Stefan Hoffmann, der Trainer des VfL Hamm, für pures Wunschdenken hält. „Dass wir bald mal wieder Fußball spielen können, hoffen wir ja alle. Aber es ändert eben nichts daran, dass vor allem im Kreis Altenkirchen momentan kein Licht am Ende des Tunnels ist“, sagt Hoffmann. Außerdem müsse auch vor Pokalspielen erst mal eine gewisse Zeit trainiert werden. Und da könne man, gerade in Bezug auf den AK-Kreis, den April schon mal abhaken. Blieben noch drei, vier Wochen Vorbereitung – doch dann ist schon der Finaltermin.
Es liegt auf der Hand, dass der FVR bei seiner Abfrage, wer noch am Wettbewerb teilnehmen will, darauf hoffen muss, dass vielleicht eine Handvoll Vereine zusagt. Doch so wird es nicht kommen, weil der Wettbewerb nicht nur für den Verband wirtschaftlich bedeutend, sondern auch für die Vereine finanziell attraktiv ist. Die Geschichte dieser Saison ist trotz ihrer Annullierung noch nicht zu Ende erzählt.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. März 2021

Walter Desch: Lieber wieder ein Ende mit Schrecken

FVR-Präsident spricht im Interview über die Annullierung der Saison und blickt nach vorne

In seiner Beiratssitzung am Samstag hat der Fußballverband Rheinland (FVR) der Spielzeit 2020/21 ein Ende gesetzt. War die Vorsaison noch abgebrochen und gewertet worden, folgte nun – wie erwartet – eine Annullierung. Es gibt keine Aufsteiger und keine Absteiger, alle Ergebnisse sind gestrichen. Wir sprachen mit FVR-Präsident Walter Desch aus Alterkülz über den zweiten Corona-bedingten Abbruch.

Herr Desch, Sie haben bis zum Schluss darum gekämpft, die Saison doch noch irgendwie fortzusetzen. Jetzt ist sie abgebrochen und wird annulliert. Wie enttäuscht sind Sie, dass dieser Kampf aussichtslos war?
Ich bin nicht enttäuscht, weil mir von Anfang an klar war, dass das ein Kampf ist, der nicht darüber entschieden wird, wie ich kämpfe, sondern wie die Rahmenbedingungen sind. Trotzdem meine ich, wir haben es richtig gemacht, auch mit der Terminierung. Wir haben alles offen gelassen, solange noch was offen war. Dass es so ausgehen würde, war jetzt schon seit zwei Wochen mindestens klar durch die Steigerung der Zahlen und die neuen Mutationen.

Warum ist die Entscheidung dann jetzt erst getroffen worden?
Die Tendenz für die Entscheidung ist schon zwei, vielleicht drei Wochen da. Meine ersten Aussagen waren von Anfang Februar. Da wurde so noch nicht von der dritten Welle gesprochen. Als die kam und die Zahlen hochgingen, wurde es deutlicher. Im Februar sah es so aus, als ob man vielleicht Ende April noch einmal anfangen kann. Die Lage hat sich natürlich nicht an einem Tag geändert. Und wenn wir das jetzt am Samstag entschieden haben, dann liegt es auch daran, dass wir unsere internen Abläufe mit dem Beirat so festgelegt hatten. Das haben wir im letzten Jahr auch so gemacht. Dazu haben wir jetzt noch die Befragung der Vereine gemacht.

Die Befragung ist klar ausgefallen.
Ich habe erwartet, dass es so ausgeht. Dass es jetzt 86:14 geworden ist, zeigt, dass von Tag zu Tag diejenigen, die gerne weitergespielt hätten, immer weniger geworden sind. Mir haben Leute anfangs geschrieben, dass sie unbedingt weiterspielen wollen, die nun sagen: Jetzt würde ich das nicht mehr schreiben.

Also hat sich die Meinung der Vereine in dieser Zeit geändert?
Ja, aber wir hatten ja keine Gesamtübersicht. In diesen Konferenzen waren es keine richtigen Abstimmungen. Wir haben sechs Konferenzen gemacht, und da hat sich das schon gedreht, von deutlicher Mehrheit zum Weiterspielen über unentschieden bis jetzt zu einer deutlichen Mehrheit im März für den Abbruch. Die Leute haben immer gehofft, und ich habe die Hoffnung ja auch genährt. Die Vereine waren mehr und mehr der Auffassung, es geht nicht mehr.

Hat es Sie geärgert, dass Ihnen mögliche Starttermine wie der 18. oder 25. April auf die Füße gefallen sind?
Nein, ich bin da nicht beleidigt, ganz und gar nicht. Ich bin genau wie andere Menschen und Organisationen von den politischen Entscheidungen abhängig. Die Zusammenarbeit mit dem Land war da immer gut. Wenn ich was sage, werde ich kritisiert, das ist kein Thema. Die Vereine haben oft nach Terminen gefragt. Diese Termine habe ich als eine Art Schallmauer genannt. Wir wussten: Wenn wir die nicht erreichen, wird's schwierig. Als die Zahlen stiegen, war klar, dass das Ganze nicht laufen kann. Es ist eben eine komplexe Situation. Wir haben immer gesagt: Wir entscheiden dann, wenn die Entscheidung auch inhaltlich tragbar ist, und nicht ins Blaue. Durch die Inzidenzzahlen war klar – und das war ein ganz wichtiger Punkt: Ein geregelter Spielbetrieb ist nicht mehr zu organisieren. Wenn es auch durch die Inzidenzzahlen in den Landkreisen keine einigermaßen gleichen Bedingungen gibt für die Mannschaften, dann kann man einen Wettbewerb so nicht durchziehen.

Gab es eine Alternative zur Annullierung, zum Beispiel wie in Bayern die alte Saison mit in die neue zu nehmen und so etwas wie eine Saison 2020-2022 zu spielen?
Das Thema wurde im Präsidium mal andiskutiert, aber wir haben das aus mehreren Gründen nicht weiterverfolgt. Ich bin ein Mann der Praxis. Viele Vereine sagen mir, damit können wir uns doch nicht mehr identifizieren, wenn man bis Ende Oktober ein paar Spiele gemacht hat und dann irgendwann wieder welche macht, die Saison ist doch rum. Oder auch das Wechselrecht, da müssen wir gar nicht groß drüber reden. Wir haben das Thema jetzt im Beirat überhaupt nicht mehr angesprochen. Ich habe beim letzten Mal gesagt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende – und das sage ich jetzt auch wieder.

Der Rheinlandpokal soll aber noch durchgezogen werden. Darüber gab es, wie man hört, lebhafte Diskussionen am Freitag in einer Online- Konferenz. Sie haben eben von gleichen Bedingungen gesprochen. Sind die für den Pokal überhaupt noch möglich, wenn außer Regionalligist Rot-Weiß Koblenz niemand mehr spielt von den verbliebenen 37 Mannschaften?
Wir schreiben die Vereine jetzt an und fragen, was wir auch am Freitag wollten, ob sie weiterhin am Rheinlandpokal teilnehmen wollen. Unter bestimmten Bedingungen und immer unter der Voraussetzung, dass es zulässig ist. Hintergrund ist, dass ich von Vereinen durch Gespräche gehört hatte, dass sie eigentlich die Saison abgehakt haben und nicht für den Rheinlandpokal noch mal hochfahren wollen, was ich für vernünftig halte. Ich will auch, dass die Vereine ihr Geld aus dem Pokal bekommen, aber ich will auch ein Endspiel, weil ich einen Vertrag mit einem Sponsor habe, nach dem ich verpflichtet bin, ein Endspiel durchzuführen. Zu sagen, der Verband will nur Geld verdienen, deswegen sollen wir Fußball spielen, und die Gesundheit der Spieler wäre egal, ist eine bodenlose Frechheit. Die ARD hat klipp und klar gesagt: Verschieben geht nicht. Der Termin ist der 29. Mai. Wir müssen eine Lösung finden, dass wir ein Endspiel hinkriegen. Wir warten jetzt ab. Ich bin ja hoffnungsloser Optimist und hoffe, dass wir das schaffen. Wir denken intensiv darüber nach.

Blicken wir generell nach vorne: Gibt es schon konkrete Pläne, wann die kommende Saison beginnen könnte?
Auch da werden wir keine Entscheidung treffen. Wir haben bewusst noch keinen klassischen Saisonbeginn mit Spieltag festgelegt, weil wir nicht wissen, was möglich ist. Wir halten uns das offen, das wollen auch die Kreisvorsitzenden so. Es gibt viele Denkmodelle, auch mit zwei Staffeln und Play-off-Spielen wie in der Oberliga, das hat erhebliche Vorteile. Insofern ist da noch gar nichts entschieden. Wir haben Ende März, es wäre Spekulation zu sagen, wir beginnen im August oder September. Wir können keine Termine nennen und auch keine Spielsysteme, weil die von den Vorgaben abhängig sein werden.

Haben Sie Sorge, was die Zukunft des Fußballs betrifft? Ihr Südwest-Kollege Hans-Dieter Drewitz hat gesagt, der Fußball müsse sichtbar bleiben. Wie kann das funktionieren?
Also im Jugendbereich wollen wir auf jeden Fall was tun, wenn die Kinder wieder dürfen. Vielleicht im Vorfeld der EM eine kleine EM auf Kleinfeld vorspielen oder kleinere Turniere anbieten. Bei den Senioren könnten wir vielleicht ähnlich wie im Kreis Hunsrück/Mosel etwas in Form der Stand-by-Liga anbieten, die auf völlig freiwilliger Basis funktioniert und für die sich Vereine anmelden könnten, die sich im Spielbetrieb befinden. Das ist noch nicht zu Ende gedacht, aber so könnte man etwas in Wettkampfform anbieten. Immer vorausgesetzt, es gibt entsprechende Lockerungen. Vielleicht bekommt man auch lokale Turniere hin, wenn das Wetter besser wird. Es hängt auch davon ab, wie die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Kreisen mitmachen. Es gibt welche, die brennen dafür, andere sagen: Ach, wir gucken einfach mal. Dass die Leute mürbe werden, ist die Gefahr. Ich selbst werde weiter hoffen und kämpfen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 29. März 2021

Beirat des FVR hat entschieden: Saison 2020/21 wird annulliert

Der Punktspielbetrieb der Saison 2020/21 wird in allen Spiel- und Altersklassen eingestellt, die bisher ausgetragenen Begegnungen werden annulliert, Auf- und Absteiger wird es nicht geben: Diese Entscheidung hat der Beirat des Fußballverbandes Rheinland auf Antrag des FVR-Präsidiums am heutigen Samstag einstimmig und ohne Enthaltung getroffen. Die Entscheidung des Beirats deckt sich mit dem Meinungsbild, das der FVR kürzlich bei seinen Vereinen eingeholt hatte und im Rahmen dessen rund 86 Prozent der teilnehmenden Vereine für eine Annullierung der Saison votierten. Sie gilt sowohl für die Senioren und Frauen als auch für die Juniorinnen und Junioren.

Der Bitburger Rheinlandpokal, der Rheinlandpokal der Frauen sowie die IKK-Rheinlandpokale der Junioren sollen zu Ende gespielt werden, sofern die Verfügungslage dies erlaubt. Auch die Bitburger Kreispokalwettbewerbe sollen nach Möglichkeit sportlich beendet werden.

Hinsichtlich der Saison 2021/22 wurden sowohl für Senioren, Frauen, Juniorinnen als auch Junioren keine Regelungen festgelegt. Da derzeit völlig offen ist, wann der Spielbetrieb unter Berücksichtigung der jeweils geltenden Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz wieder aufgenommen werden darf, kann bezüglich des Saisonbeginns und damit auch in Bezug auf einen eventuell zu verändernden Spielmodus zum aktuellen Zeitpunkt keine Entscheidung getroffen werden.

Quelle: Fußballverband Rheinland vom 27. März 2021

Nachbarverbände setzen Saison das erwartete Ende

Im Südwesten und im Saarland ist die Spielzeit bereits Geschichte – FVR heute am Zug

Die zeitliche Abfolge ist gut getaktet: Am Donnerstagabend hat der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) die seit Ende Oktober unterbrochene Saison 2020/21 endgültig abgebrochen und annulliert, am Freitagmorgen hat der Saarländische Fußballverband (SFV) es den Nachbarn gleichgetan und damit den Ball weitergespielt an den Fußballverband Rheinland (FVR), dessen Beirat am heutigen Samstag ab 10 Uhr zusammenkommt, um das Bild als dritter Landesverband im Regionalverband Südwest (FVR) zu vervollständigen. Nachdem sich zuletzt auch noch die Vereine mit klarer Mehrheit von rund 86 Prozent für eine Annullierung ausgesprochen hatten, ist kaum eine andere Entscheidung zu erwarten. Den Anfang hat der Südwesten gemacht mit seinem Entschluss, bei Männern, Frauen und Jugend zum zweiten Mal in Folge eine Spielzeit vorzeitig zu beenden. Die Entscheidung hatte sich auch dort in den vergangenen Tagen angedeutet. Aufgrund der Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz und der aktuellen Landesverordnung ist kein uneingeschränkter Trainingsstart Anfang April möglich. Der wäre aber die Voraussetzung dafür gewesen, dass Anfang Mai die Runde fortgesetzt werden kann, wie es im SWFV angedacht war. Somit lassen sich nicht mehr alle ausstehenden Spiele bestreiten. Für diesen Fall sieht die für die Saison 2020/21 angepasste Spielordnung des Verbandes die Annullierung der Runde vor. Auf- und Absteiger gibt es keine. Im Sommer (oder Herbst) 2021 wird die Saison mit der Ligeneinteilung aus dem Sommer 2020 wieder aufgenommen. Mit der Entscheidung wurden im SWFV jetzt wie im Saarland auch Fakten geschaffen, die Sorgen enden damit aber nicht. „Wir müssen sichtbar bleiben“, mahnt Hans-Dieter Drewitz, der Präsident des Südwestdeutschen Fußballverbandes. Jetzt schon zum zweiten Mal eine Runde vorzeitig beenden zu müssen, habe Folgen für den Fußball. Mit Blick Richtung neue Saison sagt Drewitz: „Man darf nicht vergessen, dass aktuell die Infektionszahlen ansteigen und es ungewiss ist, wann das überstanden ist.“ Eine Sonderrolle spielen bei der jüngsten Entscheidung die Pokalwettbewerbe. Sie sollen zu Ende gespielt werden, eventuell über den 30. Juni hinaus. Damit gibt es eine Parallele zum FVR, wo aktuell sogar noch fünf Begegnungen der zweiten Runde im Rheinlandpokal ausstehen. Seit der Unterbrechung Ende Oktober haben die Verantwortlichen stets darauf hingewiesen, dass der Pokal Priorität genieße, doch hier drängt die Zeit. Bereits für 29. Mai ist der bundesweite „Finaltag der Amateure“ terminiert, an dem die ARD seit einigen Jahren in Konferenzschaltungen von den Endspielen aus allen Landesverbänden berichtet. Dass dies in gerade einmal zwei Monaten möglich sein soll, erscheint aufgrund der angespannten Situation in der Corona-Pandemie kaum vorstellbar. Im FVR kommt die Besonderheit hinzu, dass der Regionalligist TuS Rot-Weiß Koblenz, der klassenhöchste Verein des Verbands, noch im Wettbewerb dabei ist – und gegenüber der Konkurrenz einen klaren Vorteil hätte. Denn während alle Mannschaften von der Oberliga abwärts seit nunmehr fünf Monaten komplett pausieren, stehen die Rot-Weißen voll im Trainings- und Wettkampfbetrieb. Wo die Annullierung der Saison als beschlossene Sache gelten darf, müssen die FVR-Funktionäre mit Blick auf den für die Vereine finanziell lukrativen und für den Verband wirtschaftlich wichtigen Rheinlandpokal noch eine Lösung finden.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 27. März 2021

FVR: Fußballer haben Saison abgeschrieben

86 Prozent der teilnehmenden Vereine sprechen sich bei Befragung für Abbruch und Annullierung der Spielzeit 2020/21 aus

Wenn der Beirat des Fußballverbandes Rheinland (FVR) am Samstag zu seiner Frühjahrstagung zusammenkommt, hat er praktisch keinen Handlungsspielraum mehr: In einer Online-Befragung, die der Verband in der vergangenen Woche noch initiiert und bis einschließlich Dienstag dieser Woche durchgeführt hat, sprachen sich rund 86 Prozent der teilnehmenden Vereine gegen eine Fortsetzung der seit Ende Oktober unterbrochenen Saison 2020/21 aus. Die konkrete Fragestellung, der die Vereine zustimmen konnten oder nicht, lautete: „Die bisher ausgetragenen Meisterschaftsspiele in allen Alters- und Spielklassen werden annulliert, Auf- und Absteiger wird es nicht geben. Die Spielklasseneinteilungen der Saison 2020/21 werden für die Spielzeit 2021/22 übernommen.“ Wie der FVR jetzt mitteilt, haben von 1018 angeschriebenen Vereinen insgesamt 533 der aktiv am Spielbetrieb teilnehmenden Vereine an der Befragung teilgenommen, jeder Verein mit jeweils einer Stimme. Von den abgegeben Stimmen entfielen 458 auf eine Zustimmung zur Annullierung der Saison – das entspricht 85,91 Prozent. 75 Vereine, also 14,1 Prozent, sprachen sich gegen die Annullierung aus, wobei in der Befragung kein alternatives Szenario formuliert war. Für FVR-Präsident Walter Desch, der lange Hoffnung hatte, dass die Saison doch noch ein sportliches Ende finden kann, war das Abstimmungsergebnis wenig überraschend. Angesichts der aktuellen Entwicklungen sei ein solches Resultat sicherlich zu erwarten gewesen, erklärt er in einer Pressemitteilung. Es spiegele die traurige Realität wider, die eine baldige Rückkehr aller Fußballerinnen und Fußballer auf den Sportplatz leider nicht in Aussicht stelle. Das Ergebnis der Umfrage werde nun in die Entscheidung des Beirats einfließen. „Ich bedanke mich bei allen Vereinsvertretern, die an der Umfrage teilgenommen haben. Sie haben mit ihrer Stimme zwar keine direkte Entscheidung treffen können, dem Beirat jedoch ein klares Meinungsbild an die Hand gegeben“, so der Funktionär aus Alterkülz. Auf den Rückhalt bei seinen Vereinen hatte der FVR bereits im vergangenen Jahr Wert gelegt, als die Saison Mitte März, also kurz nach der Winterpause, unterbrochen worden war. Da die Saison damals viel weiter fortgeschritten war, wurden mehrere Szenarien diskutiert. Letztlich kam es zu einem Abbruch mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger. Bei Punktgleichheit wurde der Quotient bemüht.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 26. März 2021

Am Montag ist überall Feierabend

Regionalverband kündigt Entscheidung für Oberliga und Regionalligen an

Wie geht es mit der Fußballsaison 2020/21 weiter? Oder besser: Wie geht es nicht weiter mit der zweiten Corona-Spielzeit nach dem Abbruch der Saison 2019/20 im vergangenen Jahr? Antworten stellt jetzt auch der Fußballregionalverband Südwest (FVR) in Aussicht, der für den Spielbetrieb in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar der Männer, der Frauen-Regionalliga Südwest sowie der Regionalligen für A-, B- und C-Junioren sowie B-Juniorinnen zuständig ist. Nachdem sich die drei Landesverbände im FRV Südwest – Saarländischer FV, FV Rheinland und Südwestdeutscher FV – derzeit mit der Spielzeit 2020/21 befassen, werde auch der Regionalverband in einer Präsidiumssitzung am kommenden Montag hierzu eine abschließende Entscheidung beraten, teilt FVR-Geschäftsführer Oliver Hermann mit. Diesem finalen Treffen vorangegangen sind in den vergangenen Wochen Videokonferenzen mit Vertretern der Vereine aus den verschiedenen Klassen. Sowohl die Männer-Oberligisten als auch die Frauen-Regionalligisten hatten sich mit klarer Mehrheit für eine Annullierung der seit Ende Oktober unterbrochenen Saison ausgesprochen (wir berichteten). Für die Jugend-Regionalligen hatten die Verantwortlichen im Regionalverband Anfang März bereits einen konkreten Starttermin in Aussicht gestellt, der aufgrund der Pandemie-Entwicklung der vergangenen Wochen aber nicht einzuhalten ist. Geplant war, dass ab dem 25. April der Ball in den Jugend-Regionalligen wieder rollt. Als Vorbereitungszeit wurden vier Wochen anberaumt, entsprechend hätte ein Training mit Kontakt und ohne weitere Beschränkungen vom 29. März an möglich sein müssen. Doch daran ist angesichts der aktuellen Inzidenzwerte mit den damit verbundenen Einschränkungen und Verboten nicht zu denken.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 26. März 2021

Im Fußball bricht jetzt die Zeit der Antworten an

Analyse: Der Beirat des FVR hat am Samstag das (vielleicht) letzte Wort – Ein schwerer Weg durch die Krise

Nach Wochen der Ungewissheit und vielen Fragezeichen brechen jetzt die Tage der Perspektiven und Antworten an. Noch bis Dienstag gibt der Fußballverband Rheinland (FVR) seinen Vereinen die Möglichkeit, darüber abzustimmen, wie es aus ihrer Sicht weitergehen soll. Konkret können die Klubs sagen, ob sie dafür oder dagegen sind, dass alle bisher ausgetragenen Meisterschaftsspiele in allen Alters- und Spielklassen annulliert werden, es in der Folge weder Auf- noch Absteiger geben kann und somit die Einteilung der Klassen für die neue Saison denen der bereits seit Ende Oktober unterbrochenen Spielzeit 2020/21 entsprechen wird. Das Ergebnis werde für den FVR-Beirat, das höchste Gremium des Verbandes, „kein verbindliches Votum darstellen, bei der Beschlussfassung aber ein gewichtiges Argument darstellen“, wie der FVR in einer Pressemitteilung erklärte, in der das Präsidium aus seiner Sicht die Vorgehensweise bei der Saisonplanung rechtfertigte. Diese sahen die FVR-Verantwortlichen in der Berichterstattung (auch unserer Zeitung) scheinbar nicht richtig dargestellt. Waren die vergangenen Wochen also nur ein großes Missverständnis zwischen jenen, die in einer denkbar schwierigen Phase der Corona-Pandemie Entscheidungen treffen müssen, und denen, die darüber berichten? „In verschiedenen Medienberichten wurde die Haltung des Fußballverbandes Rheinland (FVR) zur Saisonplanung als ,Herumgeeiere‘ oder nicht der jeweiligen Pandemielage gerecht werdend bezeichnet“, heißt es in der vom Präsidium unterzeichneten Mitteilung. Dies gelte es richtigzustellen. Der FVR habe sich, wie der gesamte deutsche Sport, an die jeweiligen Verfügungslagen von Bund und Ländern zu halten, wird ausgeführt. Diese seien seit Beginn der Pandemie vielfach gelockert und wieder verschärft worden, was zu einer Abhängigkeit des Sports von den Reaktionen der Politik auf die Pandemieentwicklung geführt habe. „Selbstverständlich“, so heißt es seitens des Verbands, „hat der FVR an der Hoffnung auf eine Fortsetzung der Saison so lange festgehalten, wie es dafür eine realistische Chance gegeben hat.“ Konkret: „Erst als sich die befürchtete ,Dritte Welle‘ Anfang März tatsächlich zu realisieren begann, erschien es zunehmend unmöglich, die Saison noch auf sportlichem Weg zu beenden.“ Seinen Standpunkt, der zum Gradmesser allen Handelns avancierte, hatte der FVR schon am 8. Februar in der ersten seiner insgesamt sechs Videokonferenzen mit Vereinsvertretern dargelegt. Wenn nach staatlicher Verordnungslage gespielt werden dürfe, dann müsse auch gespielt werden, erklärte Rechtswart Norbert Weise damals und stellte zugleich in Aussicht, dass ein Saisonende über den 30. Juni hinaus möglich sei, „wenn zwei, drei Wochen fehlen“. Von diesem Moment an wurde die Frage nach der Perspektive für den unterbrochenen Spielbetrieb auch zu einem Zählen von Wochen. Wie viele Spiele sind in den jeweiligen Klassen noch notwendig, um den für eine sportliche Wertung der Saison unabdingbaren Abschluss der Hinrunde zu erreichen? Und – noch entscheidender – wie viel Zeit steht dafür überhaupt zu Verfügung? Gerade aus den Reihen der überkreislich spielenden Mannschaften wie den Rheinlandligisten kam in diesem Zusammenhang früh der Hinweis, das eine x-beliebige Zahl an englischen Wochen bei Auswärtsfahrten kreuz und quer durchs Verbandsgebiet unzumutbar sei. Die Frage nach Zuschauern und damit verbunden der finanziellen Darstellbarkeit eines Spielbetriebs in höheren Klassen war dabei noch ausgeklammert. Genauso die genaue Definition von „notwendig“ mit Blick auf die Dauer einer vernünftigen Vorbereitung nach rund fünfmonatiger Trainingspause. Die Gemengelage in den vergangenen Wochen war also keine einfache – so wie in allen gesellschaftlichen Bereichen, die vom tückischen Pandemiegeschehen abhängig sind. Die bis dato letzte Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel brachte dann einen ersten Wendepunkt. Im Anfang März verkündeten Stufenplan fand der Amateursport erstmals Erwähnung, nachdem von vielen Seiten Lobbyarbeit in Sachen Breitensport betrieben worden war. Die Richtschnur, die seitens der Politik damals verkündet wurde, hangelte sich an Inzidenzwerten unter 50, zwischen 50 und 100 und über 100 entlang. Das habe einen „nicht viel schlauer gemacht“, reagierte Bernd Schneider, der FVR-Spielausschussvorsitzende und Spielleiter der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, skeptisch auf die Ergebnisse des Bund-Länder- Gipfels. Die Lage bleibe verzwickt, ahnte Schneider schon da. Er sollte recht behalten mit seiner Befürchtung. In den Ländern wurde nachgeschärft, was insbesondere dem Trainingsbetrieb zugute kam, den auch im FVR die Vereine ab dem 8. März unter strengen Auflagen wieder aufnehmen durften. Die meisten Freiheiten gab es für den Nachwuchs, dem nach ersten Irritationen dann unter gewissen Voraussetzungen sogar „richtiger Fußball“, also Training mit Kontakt erlaubt war. Die Aufnahme des Trainingsbetriebs dürfte FVR-Präsident Walter Desch in seinem Einsatz für den Fußball bestätigt haben. In einem Interview mit unserer Zeitung stellte er einen Tag nach Inkrafttreten der Corona-Verfügung des Landes sogleich seinen Wunschtermin für den Start des Spielbetriebs in Aussicht: Am 18. April solle es losgehen, wenn es die Entwicklung der Corona-Pandemie zulasse. Doch dieses Virus nimmt auf Wünsche keine Rücksicht, ganz gleich, wer sie ausspricht und wie viele diese teilen oder nicht. Viele Vereinsvertreter aus unterschiedlichen Klassen, so der Eindruck, haben das schon lange akzeptiert und ihrerseits die Saison abgehakt. Tenor in etlichen Aussagen gegenüber unserer Zeitung: Training, wenn es wieder geht, und eine vernünftige Vorbereitung, damit es im Sommer einen Neustart unter hoffentlich besseren Bedingungen geben kann. In seiner Stellungnahme sagt das FVR-Präsidium: „Geplant war von Anfang an, dass der FVR die Saison auf sportlichem Weg beschließen will – zwischenzeitlich gab es auch Anlass zur Hoffnung. Noch im Februar sprachen sich deshalb auch die Vereine in den Videokonferenzen mit der Verbandsführung mehrheitlich für eine Fortsetzung aus.“ Wie der Begriff „mehrheitlich“ zustande kam, könnte in diesem Zusammenhang diskutiert werden. In der ersten digitalen Zusammenkunft wurde etwa nicht explizit abgestimmt. Der Wert einer solchen Debatte dürfte zum jetzigen Zeitpunkt aber kaum von Nutzen sein. Weiter führt das Präsidium in seiner Rechfertigung aus: „Sich an der Realität zu orientieren, ist deshalb kein Zeichen mangelnder Führung, sondern zwingende Voraussetzung für kluge Entscheidungen, die dann auch die Akzeptanz der Vereine finden.“ Letztlich geht es dem Fußballverband nicht anders als den Entscheidungsträgern in der Politik: Sie legen heute mit Blick auf das Jetzt fest, was morgen schon wieder überholt sein kann. Was dem Volk – in der Gesellschaft wie im Sport gleichermaßen – dabei zu fehlen scheint, ist die viel zitierte Perspektive. Eine verlässliche Aussage, die Gewissheit gibt für das, was kommt. Und hier liegt der Knackpunkt, den der Trainer eines Rheinlandligisten als „Herumgeeiere“ bezeichnet hat: Allein der Abbruch der Saison taugt als finale Entscheidung – ganz gleich, ob sich dieser später als richtig oder falsch erweisen wird. Jedes Nennen von möglichen Starttermine hingegen droht schon allzu schnell hinfällig zu sein, weil eine Verschärfung der Coronalage eine Planänderung unabdingbar macht. In diesem Spannungsfeld hat sich auch der FVR bewegt, der unbedingt vermeiden wollte, „die Saison ohne Not vorzeitig abzubrechen“, wie das Präsidium in seiner Mitteilung betont. Dies würde „gegen diese Rahmenbedingungen verstoßen, und der Verband würde sich möglicherweise auch Regressforderungen aussetzen.“ In den nächsten Tagen orientiert sich das Handeln des Fußballverbandes Rheinland nun nicht an Befürchtungen, Mutmaßungen und Wünschen, sondern an Fakten. Am Freitag schrieb das Präsidium, dass sich „das Zeitfenster für ein sportlich geprägtes Saisonende“ schließe, wenn sich die Tendenz der dritten Welle fortsetzen sollte und die Ministerpräsidentenkonferenz an diesem Montag nicht eine großzügige Öffnungsstrategie für den Sport beschließen werde. Mit Überschreiten des bundesweiten Inzidenzwertes am Sonntag über die Marke von 100 Infizierten pro 100 000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage dürften sich weitere Lockerungen nicht nur für den Sport erübrigt haben, wenngleich Rheinland-Pfalz im Ranking der Bundesländer noch zu den „besseren“ gehört. Bis zur Tagung des FVR-Beirats am kommenden Samstag liegt einerseits das Meinungsbild der Vereine aus dem Rheinland vor, daneben sind die Ergebnisse des Gipfels von Kanzlerin und Ministerpräsidenten bekannt und – nicht zu vergessen – die Erkenntnisse aus der am Samstag veröffentlichten und von diesem Montag bis 11. April (!) geltenden 18. Corona-Verfügung des Landes Rheinland-Pfalz. Die Frage ist, ob die Summe der Antworten dann zu einem finalen Ergebnis mit Blick auf die Saison 2020/21 im FVR führt. „Weiterspielen, sofern möglich – unterbrechen, falls nötig“, formuliert der Verband in der jüngsten Stellungnahme seine Strategie des Handelns. Am Samstag hat nun der Beirat das Wort. Spielraum, weiter an der Saison festzuhalten, statt auf Abbruch zu entscheiden, ist auch bei genauer Betrachtung praktisch nicht zu erkennen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 22. März 2021

FVR will Vereine ins Boot holen

Abbruch droht auch im Südwesten

Am Samstag, 27. März, wird der Beirat des Fußballverbandes Rheinland (FVR) darüber beraten, ob der Meisterschaftsspielbetrieb der Saison 2020/21 fortgesetzt oder annulliert werden soll. Diese Gespräche basieren unter anderem auf den Erkenntnissen aus der für den 22. März festgelegten Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel – aber nun auch auf den Ansichten der Vereinsvertreter. Wie schon im vergangenen Jahr wird der FVR im Vorfeld der Beiratsentscheidung erneut ein Meinungsbild seiner Vereine einholen. In der noch bis einschließlich Dienstag, 23. März, laufenden Umfrage werden die Vertreter der Vereine gefragt, ob sie für oder gegen folgende Vorgehensweise sind: Die bisher ausgetragenen Meisterschaftsspiele in allen Alters- und Spielklassen werden annulliert, Auf- und Absteiger wird es nicht geben. Die Spielklasseneinteilungen der Saison 2020/21 werden für die Spielzeit 2021/22 übernommen. Das Meinungsbild der Vereine soll in die Entscheidung des FVR-Beirats einfließen. Im benachbarten Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) steht zwar nach wie vor die Entscheidung, bei einer Präsidiumssitzung am 7. April darüber zu befinden, wie es weitergeht. Allerdings stellt sich die Corona-Lage so dar, dass ein Abbruch von Tag zu Tag wahrscheinlicher wird. „Für mich zeigt das klar, wohin die Reise gehen wird“, sagt SWFV-Präsidiumsmitglied Axel Rolland.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 20. März 2021

FVR: Am 27. März soll Saison abgebrochen werden

Die Mehrheit der Rheinlandligisten ist dafür, nicht mehr weiterzuspielen – Nach viel Gegenwind ändert auch Präsident Walter Desch seine Meinung

Es brauchte am Montagabend ungefähr fünf Minuten, da kannten die Vereinsvertreter der Fußball-Rheinlandligisten die Richtung, in die sich das Szenario mit jetzt offenbar großen Schritten bewegt. Nachdem der Rheinlandliga-Spielleiter und Verbandsspielausschussvorsitzende Bernd Schneider (Wissen) die Telefonkonferenz eröffnet und das Wort an den Präsidenten des Fußballverbandes Rheinland (FVR), Walter Desch, weitergegeben hatte, sorgten dessen Worte schnell für Klarheit: Die Fußballsaison 2020/21 steht vor dem Abbruch. Diese Empfehlung werde Desch in die Sitzung des FVR-Beirats am 27. März einbringen. Zuletzt hatte der „Chef“ über die rheinländische Fußballlandschaft immer noch auf eine mögliche Saisonfortsetzung gehofft, mit dem 18. April sogar schon ein Datum für die denkbare Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den Raum geworfen und aus Reihen der Vereine dafür teilweise viel Unverständnis und auch Gegenwind geerntet. Gespräche mit dem rheinland-pfälzischen Innenministerium hätten nun endgültig aufgezeigt, dass in Anbetracht steigender Corona-Infektionszahlen und Inzidenzwerte in den nächsten Monaten nicht an Amateursport zu denken sei. Nach Angaben eines Teilnehmers, soll Desch erklärt haben, die vor gut zwei Wochen Einzug haltenden Nachrichten über Öffnungen und Lockerungen von Maßnahmen hätten beim FVR-Präsidenten zu einer zu euphorischen Wahrnehmung geführt, auch den Fußball nach Möglichkeit wieder an den Start zu bringen. Dieses Thema scheint sich jetzt bis auf Weiteres erledigt haben, was der Auffassung der Vereine aus der höchsten Verbandsklasse entspricht. Die teilnehmenden Trainer, Vorsitzenden und Abteilungsleiter sprechen flächendeckend vom einzig richtigen Schritt, dessen Finalisierung durch den Verbandsbeirat Ende des Monats offenbar nur noch Formsache zu sein scheint. Mehr als drei Viertel der Rheinlandliga-Klubs stünden laut Bernd Schneider hinter dieser Empfehlung. Allerdings hält sich der Wissener mit Voraussagen noch zurück: „Eine Zusage über einen Abbruch können wir noch nicht geben. Wir warten ab, was die Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März bringt und werden natürlich sehen müssen, wie unser Verbandsbeirat entscheidet.“ Er bestätigte, dass die Annullierung als Vorlage in die Sitzung eingebracht werden soll. Bei den Rheinlandligisten aus den Kreisen Westerwald und Altenkirchen herrscht Einigkeit darüber, dass die unterbrochene Saison bald eine abgebrochene sein soll. „Das wäre die vernünftige und richtige Lösung. An Fußball ist momentan nicht zu denken. Wir sollten nach vorne schauen und guter Dinge auf eine Saison 2021/22 hinarbeiten, dann hoffentlich wieder mit Zuschauern“, sagt Thomas Nauroth, Vorsitzender des VfB Wissen. Auch für Marco Schütz, noch Vorsitzender der SG Neitersen/Altenkirchen, war dieses Ergebnis „völlig klar“: „Ich konnte die Irritationen, die Walter Desch angeschubst hat, indem er zunächst meinte, die Saison sollte – wenn irgendwie möglich – fortgesetzt werden, nicht verstehen. Jetzt haben wir Planungssicherheit. Alles andere wäre Käse gewesen.“ In die gleiche Richtung äußert sich Volker Heun. Der Trainer der SG Malberg/Elkenroth/Rosenheim/Kausen sagt: „Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was dieses Herumgeeiere soll. Wie hätte man es verkaufen und erklären sollen, dass Amateurfußball gespielt wird, aber Geschäfte nicht öffnen dürfen? Wir wissen nun einmal nicht, wo die Reise mit dem Virus hingeht. Ich bin froh, dass jetzt wohl Klarheit einkehrt. Man sollte vorsichtig ins Auge fassen, nach einer möglicherweise längeren Pause Anfang September mit der neuen Saison zu starten. Das könnte realistisch sein, aber wir müssen natürlich abwarten, was in nächster Zeit passiert.“ Jörg Nicolaus, der Präsident des TuS Montabaur, wusste nichts von der anberaumten Konferenz. „Möglicherweise ist die Einladungs-E-Mail in meinen Spam-Ordner gewandert“, sagt er. „Jedenfalls hatte ich im Vorfeld keine entsprechende Information erhalten.“ Allerdings vernahmen sie die Nachricht in der Kreisstadt mit großer Zufriedenheit: „Der Verband scheint zum Glück zur Vernunft gekommen zu sein. Die Vereine haben sich schon seit längerer Zeit für eine Annullierung ausgesprochen. Jeder weiß, dass ein Spielbetrieb in dieser Phase zu noch größeren Schwierigkeiten als im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres führen würde. Es hätte keinen Sinn gemacht, die Saison auf Teufel komm raus durchzupeitschen.“ Keine große Überraschung war die Ankündigung des Saisonabbruchs für Kim Kossmann, den Trainer der Rheinlandligamannschaft der SG 99 Andernach. „Man konnte sich nun über Wochen auf diese Entscheidung vorbereiten, die wir als absolut richtig empfinden. Doch es tut natürlich etwas weh. Als Tabellenführer hätten wir gerne weitergemacht und die guten Leistungen bestätigt“, sagt Kossmann und ergänzt: „Es ist schon kurios, dass ich in meiner eineinhalbjährigen Zeit als Trainer zwei Abbrüche erlebt habe. Einen auf einem Abstiegsplatz, nun auf Platz eins. Es ist aber gut, dass nun Klarheit herrscht. Wir hoffen auf den Neustart im Spätsommer. Dann ist es bald ein Jahr ohne Fußball, man vermisst die Geselligkeit schon sehr.“ Etwas mehr enttäuscht über die Entscheidung ist Harald Heinemann, der Fußball-Abteilungsleiter der SG Mendig/Bell. „Man ist natürlich enttäuscht. Nachdem man letzte Woche mit leichtem Training beginnen konnte, war etwas Optimismus da. Aber die steigenden und unterschiedlichen Inzidenzwerte in den Kreisen haben schnell gezeigt, dass es sehr schwierig werden würde. Daher haben auch wir für einen Abbruch gestimmt“, erzählt Heinemann, dessen SG Eintracht auf dem dritten Tabellenplatz steht und gerne an die guten Leistungen vom September und Oktober angeknüpft hätte. „Aber es war auch spürbar, dass es nicht leicht werden würde nach dieser langen Pause, schnell wieder die richtige Motivation aufzubringen. Wir müssen jetzt abwarten wie der Verband hinsichtlich des Pokalspiels gegen Rot-Weiß Koblenz entscheiden wird, da haben wir derzeit noch gar keine Idee“, sagt Heinemann, der damit auf das Spiel der dritten Rheinlandpokalrunde gegen den Regionalligisten aus Koblenz anspielt. Wenigstens den Rheinlandpokal wollte und will der Verband um Walter Desch unbedingt zu Ende bringen. Dabei geht es auch um viel Geld des Namenssponsors. Ob Rheinlandpokal oder Rheinlandliga, für Tobias Uhrmacher, den Trainer des TuS Mayen, ist ein Saisonabbruch „die logische Konsequenz aus der jüngsten Entwicklung“. Unter den derzeitigen Umständen konnte sich Uhrmacher eine Fortsetzung der Saison auch nicht mehr vorstellen. „Klar hätten wir unseren guten sportlichen Lauf gerne fortgesetzt, aber es gilt nun einfach, auch den gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen“, sagt Uhrmacher. Die Eifeler hatten bis zum Saisonabbruch in neun Spielen viermal gewonnen und den fünften Platz belegt. Während Andernach, Mendig/Bell und Mayen vorn in der Rheinlandliga platziert sind und bei einer Fortsetzung der Saison noch um den Aufstieg hätten mitspielen können, bedeutet der Abbruch für Aufsteiger FC Metternich, auf Nichtabstiegsplatz zwölf positioniert, den Klassenverbleib. Das ist aber nicht der Grund, warum Tobias Lommer, Spieler und 2. Vorsitzender Germania, sagt: „Der Saisonabbruch und die Annullierung ist absolut nachvollziehbar und unvermeidlich. Eine Saison unter den Restriktionen zu Ende zu führen, im Rahmen des angedachten Zeitraumes, ist schlicht nicht möglich. Die schwierigen Bedingungen hinsichtlich Verletzungsgefahr und englischer Wochen sind hinlänglich diskutiert worden.“ Das sieht der umtriebige Lommer jedenfalls so für die Rheinlandliga. „Für den Jugendbereich ist es schwerer zu sagen. Da hoffen wir noch darauf, dass, in welcher Form auch immer, zumindest ein wenig gespielt werden kann“, sagt Lommer. Gar nicht gut gelaufen ist die Saison bisher für den Ahrweiler BC, der in der vergangenen Spielzeit noch um die Meisterschaft gespielt hatte. Beim Saisonstopp im vergangenen Jahr belegte der ABC punktgleich mit dem Vorletzten SG Ellscheid und dem Drittletzten TuS Montabaur den 15. Platz. „Wir haben uns klar für den Abbruch ausgesprochen. Es ist derzeit nicht zu bewerkstelligen. Für die Spieler ist es gefährlich, ohne richtige Vorbereitung. Auf die Vereine kämen Kosten zu, ohne dass man Zuschauereinnahmen hat“, erklärt ABC-Abteilungsleiter Gianfranco Di Francesco und betont: „Jeder will gerne spielen, wenn es nur möglich wäre. Auch wenn für unseren Verein Abstiegsgefahr bestand, hätten wir gerne die Saison irgendwie fortgesetzt und waren überzeugt, dass wir die Klasse mit der vorhandenen Qualität sicher gehalten hätten. Nun besteht aber endlich Planungssicherheit, das ist für alle Beteiligten wichtig.“ Sportlich profitieren vom Abbruch wird auch der SV Windhagen. Das Team von Trainer Richard von Klaas hätte als Schlusslicht mit vier Punkten Rückstand die Saison fortgesetzt. „Es ist gut, dass nun Klarheit herrscht und somit Planungssicherheit. Wir hätten uns unabhängig unserer Tabellensituation für einen Abbruch entschieden“, sagt von Klaas. Für den Windhagener Trainer macht eine Fortsetzung der Saison keinen Sinn. „Aufgrund der steigenden Werte ist unklar, wann wir überhaupt wieder auf den Platz gekonnt hätten. Eigentlich wollten wir in dieser Woche mit dem kontaktlosen Training beginnen. Eine ungenügende Vorbereitung reicht nicht, da ist der Gesundheitsaspekt ganz entscheidend, gerade nach dieser langen Zeit ohne Training“, begründet von Klaas. Zufrieden mit der Telefonkonferenz der Rheinlandligisten und dem Ergebnis ist auch Christian Schneider, Sportlicher Leiter beim TuS Kirchberg: „Es ist erst einmal gut, dass offen mit dem Thema umgegangen worden ist und die Vereine mit auf den Weg genommen wurden. Es herrscht bei den Rheinlandligisten Einigkeit, dass es zum Abbruch keine Alternativen gibt.“ Warum, erklärt Schneider so: „Mit einer kurzen Vorbereitung so eine hohe Belastung, das wäre den Vereinen nicht zuzumuten gewesen, das macht keinen Sinn. Zum Rheinlandpokal wurde gesagt, dass vielleicht versucht wird, den Endspieltag zu verlegen und dann die weiteren Runden in die Vorbereitung der nächsten Saison zu integrieren, das waren aber nur Gedankenspiele. Genauso wie die Gedanken, eventuell aus der 18er-Liga kommende Saison zwei Neunerligen zu machen. Für uns wäre das nicht attraktiv, wenn wir dann in den Westen müssten, aber das wurde nur mal angedacht. Man muss das alles mal abwarten. Wir hoffen alle, dass irgendwann die Impfungen so fortgeschritten sind, dass man mit Beginn der neuen Runde wieder mit Zuschauern spielen kann.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 17. März 2021

Trend in den Kreisen geht klar zu einer Annullierung

Nach erneuten Einschränkungen besteht kaum noch Hoffnung – „Sache realistisch sehen“

Was im Landkreis Altenkirchen aufgrund der durchgehend viel zu hohen Inzidenzwerte ohnehin zu keiner Zeit möglich gewesen war, ist nun auch im benachbarten Westerwaldkreis wieder verboten: Kaum durften die Fußballer ihre Schuhe dort aus dem Regal holen und in der vergangenen Woche vielleicht ein, zwei Mal trainieren, geht's zurück in die nächste Zwangspause. Aufgrund der am Montag veröffentlichten und ab Mittwoch, 0 Uhr, in Kraft tretenden Allgemeinverfügung des Westerwaldkreises, die aufgrund der gestiegenen Inzidenzwerte in Land und Kreis über die 50er-Marke bis zum Ablauf des 28. März gültig bleibt, ist im Seniorenbereich jeglicher Mannschaftssport in Wettkampf und Training wieder untersagt. Erlaubt ist, wie vor den zum 8. März in Kraft getretenen Lockerungen, nur noch „die sportliche Betätigung im Amateur- und Freizeitsport in Einzelsportarten auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen nur im Freien und nur mit maximal fünf Personen aus zwei Hausständen“, wie es in der Allgemeinverfügung im Wortlaut heißt. Was im Westerwaldkreis hingegen erlaubt bleibt, ist das „Training in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis einschließlich 14 Jahre und einer Trainerin oder einem Trainer im Außenbereich und auf öffentlichen und privaten Außensportanlagen“. Allerdings gilt hierbei das Abstandsgebot während des gesamten Trainings. Zuletzt war beim Nachwuchs im Training auch Kontaktsport erlaubt. Mike Leibauer als Vorsitzender des Fußballkreises Westerwald/Wied überrascht die Entwicklung ebenso wenig wie die damit einhergehende erneute Einschränkung. Am 27. März werden er und sein Kreissachbearbeiter Jens Bachmann dabei sein, wenn im Fußballverband Rheinland (FVR) der Beirat als höchstes Gremium zu seiner Frühjahrstagung zusammenkommt, um über das weitere Vorgehen im Hinblick auf die seit Ende Oktober unterbrochene Saison 2020/21 zu beraten und dann zeitnah zu entscheiden, ob die Spielzeit abgebrochen werden muss oder fortgesetzt werden kann. Ebenso an der Beiratssitzung teilnehmen werden aus dem Westerwald/Sieg-Kreis Klaus Robert Reuter als Vorsitzender sowie Schiedsrichterobmann Detlef Schütz. Im benachbarten Fußballkreis Rhein-Lahn hat der Kreisvorsitzende Oliver Stephan in der vergangenen Woche in zwei Videokonferenzen noch einmal ein eigenes Meinungsbild eingeholt. Eine ähnliche Maßnahme erachten weder Leibauer noch Reuter für ihre Gebiete als notwendig. „Wir haben uns im Kreisvorstand natürlich beraten“, sagt Leibauer. Darüber hinaus ergebe sich aus den vielen Anrufen, die er zurzeit von Vereinsvertretern erhalte, eine eindeutige Tendenz. „Der Trend geht klar zu der Variante, die Saison 2020/21 zu annullieren und dann, wenn es möglich ist, wieder mit Training und Freundschaftsspielen einzusteigen.“ Ein ähnliches Bild zeige sich im nördlichen Westerwald, wie Klaus Robert Reuter mitteilt. Kreissachbearbeiter Björn Birk, der generell einen regen Austausch mit den Vereinen pflegt, habe überwiegend zu hören bekommen, dass die große Mehrzahl der Vereine keinen Sinn mehr darin sieht, die Saison fortzusetzen. „Wir passen die Rahmenspielpläne gefühlt nach jeder neuen Wasserstandsmeldung an. Aber mittlerweile muss man einfach einsehen, dass es unzumutbar wäre, den Mannschaften ein solches Programm noch aufzubürden“, findet Reuter, der unabhängig von terminlichen Problemen auch die finanzielle Situation der Vereine bedenkt und dahin gehend einen Spielbetrieb unter Ausschluss der Öffentlichkeit für ausgeschlossen hält. „Je tiefer es in den Spielklassen geht, desto abhängiger sind die Vereine doch von den Leuten, die Eintritt zahlen, eine Wurst essen und ein Bier trinken, als von Sponsorengeldern. Und genau diese Spielklassen vertreten wir im Kreisvorstand nun mal“, stellt Reuter klar. Die aktuelle Situation im Landkreis Altenkirchen sei laut Reuter der beste Beleg dafür, dass eine faire Fortsetzung der Spielzeit nicht möglich sein werde. Angesichts der Inzidenzwerte über der 100er-Marke ist das Leben der Menschen dort extrem eingeschränkt, auch eine kurzzeitige Rückkehr in den Trainingsalltag war zuletzt ausgeschlossen. Damit ist klar, dass eine Chancengleichheit der Mannschaften aus den Nachbarkreisen Westerwald, wo kurzzeitig trainiert werden durfte, und Altenkirchen, wo es bisher keine Lockerungen gegeben hat, nicht gegeben ist. Das gleiche droht freilich auch im Kreis Westerwald/Wied. „Es ist ja nicht nur in überkreislichen Spielklassen kompliziert“, sagt Mike Leibauer. „Auch in den Kreisligen haben wir es allein im Kreis Westerwald/Wied mit Mannschaften aus drei Landkreisen zu tun: Westerwald, Altenkirchen und Neuwied. Du musst im Kreis Neuwied doch nur über die Autobahn schauen, schon guckst du auf den Kreis Altenkirchen, wo für die Leute abends eine Ausgangsbeschränkung herrscht.“ Letztlich müsse man die Sache einfach realistisch sehen. „Und dann erkennt man, dass man das nicht mehr hinkriegen wird, die Runde fertig zu spielen“, so der Ww/Wied-Vorsitzende, dessen Pendant auf Ww/Sieg-Seite sich auch deshalb eine baldige Entscheidung wünscht, weil ein „ständiges Hoch- und Runterfahren“ Energie und Kraft koste. „Wir wollen deshalb auch nicht mehr spekulieren und sagen ganz klar: Es macht keinen Sinn“, so Reuter. „Das ist meine Meinung und die meiner Kollegen im Kreisvorstand. Und was wir bisher so gehört haben, gilt das auch für den überwiegenden Teil der Vereine.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 16. März 2021

Saisonabbruch? - Der Beirat entscheidet

Von Befragung der Vereine im Fußballverband Rheinland ist plötzlich keine Rede – Beratung Ende März

Fünf Monate nach der Entscheidung, auf die Entwicklung in der Corona-Pandemie zu reagieren und den Spielbetrieb bis auf weiteres auszusetzen, stellt der Fußballverband Rheinland (FVR) Ende dieses Monats die Weichen, wie es weitergeht mit der Saison 2020/21. Im Rahmen seiner Frühjahrstagung am Samstag, 27. März, berät der Beirat, das höchste Gremium des Verbandes, darüber, ob die Saison annulliert werden muss oder ob sie doch noch fortgesetzt werden kann. Eine Entscheidung werde dann zeitnah getroffen, wie es in einer Mitteilung des FVR heißt. Von einer vorangestellten Befragung der Vereine, wie es sie im vergangenen Jahr vor dem Abbruch der Saison 2019/20 gegeben hatte, ist dabei nicht mehr die Rede. Dabei hatte FVR-Präsident Walter Desch noch am 8. Februar in der ersten von mehreren Videokonferenzen mit Vereinsvertretern betont, es werde „keinen Abbruch ohne vorheriges Votum der Vereine geben“. Jetzt heißt es seitens des Verbandes, die Grundlage der Beratung sollen die Erkenntnisse aus der für 22. März terminierten Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Rahmen dieses Bund-Länder-Gipfels formulierten Beschlüsse und die darauf aufbauende Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz bilden. In den vergangenen Tagen war intensiv und gleichermaßen kontrovers darüber diskutiert worden, ob die seit Ende Oktober unterbrochene Spielzeit noch zu retten sei. In dieser Debatte hatte FVR-Präsident Desch in einem Interview mit unserer Zeitung seinen Wunsch formuliert, am 18. oder 25. April den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 15. März 2021

Für Oberligisten gibt's zum Abbruch keine Alternative

19 der 24 Vereine positionieren sich gegen eine Fortsetzung der Saison

Die Mannschaften der zweigeteilten Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar haben die Saison 2020/21 abgeschrieben. Das ist die Botschaft der Videokonferenz der Vereine mit Spielleiter Bernd Schneider und weiteren Vertretern aus den Landesverbänden und des zuständigen Regionalverbandes Südwest. Von den 24 Klubs haben sich 19 gegen eine Fortsetzung des seit Ende Oktober ausgesetzten Spielbetriebs ausgesprochen. Damit hat sich jenes Meinungsbild bestätigt, das sich auch schon bei einer vereinsinternen Runde zwei Tage zuvor abgezeichnet hatte. „Natürlich kannten wir das Ergebnis, aber es war uns trotzdem wichtig, den Oberligisten vorzustellen, wie wir uns eine eventuelle Fortsetzung der Saison vorstellen können“, sagt Spielleiter Schneider. Von gelungener Überzeugungsarbeit konnte am Ende aber keine Rede sein. Das Modell, die Gruppenphase in den beiden Zwölfer-Staffeln abzuschließen, fiel bei den Vereinsvertretern ebenso durch wie die Idee, in den Staffeln nur eine einfache Runde zu spielen und diese dann in zwei Sechser-Gruppen aufzuteilen. Damit wäre die Zahl der Spiele reduziert – aber aus Sicht der Vereine immer noch deutlich zu hoch gewesen. Was am Ende neben dem eindeutigen Votum steht, ist die Frage, wie der Regionalverband mit dem nun vorliegenden Meinungsbild umgeht. Natürlich könne man sich darüber hinwegsetzen, erklärt Spielleiter Schneider auf die Frage, ob es denn jetzt überhaupt noch eine Alternative zum Abbruch geben kann. Allerdings betont der Funktionär aus Wissen im gleichen Atemzug, dass es das Ziel sei, „das Meinungsbild in der Urteilsfindung zu berücksichtigen“. Noch, so Schneider, könne aber nichts entschieden werden. Der Zeitplan, den sich die Verantwortlichen für die Oberliga gegeben haben, sieht im nächsten Schritt vor, auf den nächsten Bund-Länder-Gipfel zu warten, der für den 22. März anberaumt ist. „Vorher wird sich nichts tun. Wir müssen wissen, wie sich die Verfügungslage dann ab dem 28. März darstellt“, skizziert der Oberliga-Spielleiter das weitere Vorgehen und peilt einen „vermutlich zum 1. April gültigen Beschluss“ an. Kommt es dann zum Abbruch, fühlt sich die Mehrheit der Vereine bestätigt. Aber nicht alle. In der Abstimmung waren immerhin fünf Klubs gegen einen Abbruch. Vor allem Eintracht Trier als Spitzenreiter in der Nord-Gruppe und Wormatia Worms als der Erstplatzierte im Süden hoffen auf eine sportliche Wertung. Eine denkbare Variante: Es gibt einen Abbruch-Meister, der durch den Regionalverband für den Aufstieg in die rechtlich eigenständige Regionalliga gemeldet würde. Demnach dürfte Trier aufsteigen, weil die Eintracht vom Punktquotienten her knapp vor Worms liegt, während die Wormatia in die Aufstiegsrunde mit den Oberligavertretern aus Hessen und Baden-Württemberg gehen würde. Angesichts von gerade mal acht absolvierten Spielen von Trier und der neun Partien, die Worms bis zur Unterbrechung der Runde Ende Oktober bestritten hat, wäre das eine durchaus kuriose Lösung.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 13. März 2021

Die Reaktionen der Vereine aus der Region: „Gesundheitlich, wirtschaftlich und sportlich wie russisches Roulette“

Patrick Reifenscheid (Sportlicher Leiter Eisbachtaler Sportfreunde):
„Wenn sich der Verband über ein solches Votum hinwegsetzt, wird das nicht gutgehen. Der Verband muss sich gut überlegen, ob er diesen Konflikt eingeht, und muss hinterher damit leben, wenn die Vereine sagen: Spielt mit wem ihr wollt, aber nicht mit uns.“

Martin Hahn (Vorsitzender FV Engers):
„Die Pläne des Regionalverbandes waren in Bezug auf gesundheitliche, wirtschaftliche und sportliche Gründe wie russisches Roulette. Was ist Gesundheit betrifft, werden wir niemanden im Verein in Gefahr bringen. Das Votum der Vereine war eindeutig. Ich bin überzeugt davon, dass das Präsidium sich nicht über das deutliche Votum der Vereine hinwegsetzen wird. Die Oberligasaison ist für mich beendet.“

Christian Krey (Präsident TuS Koblenz):
„Wir wollen die Realität nicht aus den Augen verlieren, die Hinrunde ist nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu schaffen. Wir haben uns nicht direkt für den Abbruch entschieden, aber die drei vorgeschlagenen Modelle entsprechen nicht unseren Vorstellungen. Fußball ohne Zuschauer ist für uns keine Option – und das sagen wir nicht aus finanziellen Erwägungen heraus. Was wir leisten, dient ja keinem Selbstzweck. Es geht auch um das ganze Drumherum und da sind beispielsweise die Fans ein elementarer Bestandteil. Ohne sie macht das auf Dauer keinen Sinn.“.

Wilfried Zils (Sportlicher Leiter SG Mülheim-Kärlich):
Wir, der gesamte Vorstand und das Trainerteam, sind für einen Abbruch der Saison. Nach der monatelangen spielfreien Zeit sind drei bis vier Wochen Vorbereitungszeit viel zu wenig. Außerdem ist es für uns als Verein schwierig, ohne Zuschauer zu überleben.“

Daniel Bernd (Vorsitzender FC Karbach):
„Aus unserer Sicht ist vom wirtschaftlichen und gesundheitlichen Aspekt und von der sportlichen Fairness her eine Fortsetzung nicht möglich. Allein die Satzung unseres Vereins lässt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein Weiterspielen ohne Zuschauer nicht zu. Ohne Zuschauer wird dem Amateurfußball die Grundlage entzogen, für wen macht man das denn?“

Karl Hartmann (Sportlicher Leiter TSV Emmelshausen):
„Normalerweise ist das keine Situation, um noch weiter zu warten. Es gibt nur den Abbruch. Zudem ist die Version, ohne Zuschauer zu spielen, eine sehr unglückliche. Die Vereine sind darauf angewiesen, gerade in diesen Klassen. Auch Arbeitgeber sehen das kritisch. Aus medizinischer Sicht ist es auch nicht möglich mit drei Wochen Vorbereitung, Oberliga zu spielen. Das Ganze gäbe Probleme ohne Ende, deswegen wäre es besser abzubrechen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 13. März 2021

Sportlicher Nachteil ist im Moment zweitrangig

Warum die Fußball-Rheinlandligisten schon jetzt im Rückstand sind

Während ringsum die ersten Mannschaften die Möglichkeit wahrnehmen, wieder auf den Fußballplatz zurückkehren zu dürfen, und Walter Desch, der Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR), bereits auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab dem 18. April spekuliert, ist im AK-Land Däumchendrehen angesagt. Die sportlich-pandemische Situation ist hierzulande im Moment eben eine ganz andere als in allen anderen Landkreisen, die das FVR-Gebiet umspannt. Am Beispiel der Rheinlandliga sind die Voraussetzungen für einen Re-Start schon jetzt gewissermaßen wettbewerbsverzerrend. Weil die seit Donnerstag vergangener Woche geltende Allgemeinverfügung, durch die sich der harte Lockdown in der Region quasi fortsetzt, bis einschließlich nächsten Freitag verlängert wurde, müssen der VfB Wissen, die SG Malberg/Elkenroth/Rosenheim/Kausen und die SG Neitersen/Altenkirchen de facto schon mal zwei Wochen länger mit einer Rückkehr auf den Sportplatz warten als die 15 übrigen Teams aus dem Verbandsoberhaus. Klar, auch die dürfen seit Montag erst mal nur in Gruppen zu je zehn Spielern trainieren, und das auch nur auf Abstand. Aber sie können dadurch eben schon mal ein Gefühl für den Ball, die Fußballschuhe, den Untergrund oder die spezifischen Bewegungen entwickeln. Kurzum: Sie haben – gemessen an den sechs Wochen, die bis zum von Desch anvisierten 18. April an Vorbereitungszeit zur Verfügung stehen – gegenüber dem AK-Trio schlichtweg einen nicht unerheblichen Vorsprung. Zumindest Stand jetzt. Denn klar ist auch, dass die Inzidenzwerte in jedem Kreis vom einen auf den anderen Tag in Bereiche hochschnellen können, die ein gemeinsames Training wieder untersagen. Unabhängig davon, was man von den Gedankenspielen des FVR halten mag, so steht ein Wiedereinstieg in den Spielbetrieb Mitte April im Raum. Somit stellt sich die Frage, ob sich die Verantwortlichen in Malberg, Neitersen und Wissen womöglich gezwungen sehen, alternative Wege für eine schnellstmögliche Rückkehr auf den Fußballplatz zu finden – gerade dann, wenn die nächste potenzielle Möglichkeit dazu gefühlt nur einen Steinwurf entfernt liegt. So ist es aus Sicht der SG Malberg zumindest denkbar, sich jenseits der Kreisgrenze beispielsweise in Atzelgift (Hartplatz), Neunkhausen (Rasen) oder Langenbach (Kunstrasen) nach Trainingszeiten zu erkundigen. Doch auch wenn seine Spieler bereits mit den Hufen scharren, erteilt Volker Heun derlei Szenarien eine klare Absage. „Einen Platz zu mieten, nur um uns zwei Stunden lang den Ball hin und her zu spielen, das werden wir nicht machen“, versichert der Malberger Trainer. Heuns ablehnende Haltung dürfte durch seine unveränderte Einstellung gegenüber einer Fortsetzung der Saison verstärkt werden. „Warum klammert man sich so sehr daran, eine Serie, die nicht mal richtig angelaufen ist, auf Biegen und Brechen durchzubringen?“ In die gleiche Kerbe schlägt auch Thomas Kahler. Der Trainer des VfB Wissen bezeichnet es gar als „gesellschaftlich fahrlässig“, die Saison zwanghaft zu einem Abschluss bringen zu wollen. Aus diesem Grund hat sich Kahler auch noch keine Gedanken darüber gemacht, ob er sich und seine Mannschaft aufgrund des andauernden Lockdowns im Kreis Altenkirchen gegenüber dem Rest der Liga im Nachteil sieht. „Es gibt einfach nach wie vor wichtigere Dinge, als über eine Fortsetzung der Saison nachzudenken“, findet er. Selbst wenn sich wenige Kilometer von Wissen entfernt auf nordrhein-westfälischem Boden ein „Schlupfloch“ auftun sollte, wird Kahler nichts überstürzen: „130 000 Menschen aus dem Landkreis Altenkirchen dürfen momentan nach 21 Uhr nicht vor die Tür. Da werde ich sicherlich einen Teufel tun, abends 20 Jungs zusammenzutrommeln, damit sie sich über 20 Meter die Bälle hin und her spielen. So gerne wir alle wieder auf den Platz wollen, man sollte einen kühlen Kopf bewahren.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 12. März 2021

Deschs Wunsch: Start des Spielbetriebs am 18. April

Präsident des Fußballverbandes Rheinland blickt nach erstem Öffnungsschritt optimistisch in die Zukunft – Saisonverlängerung ist möglich

Der Fußball darf im Rheinland seit Montag wieder rollen, nur im Landkreis Altenkirchen, der einen Inzidenzwert über 100 aufweist, ist das nicht der Fall. Ansonsten kann derzeit überall kontaktfrei mit bis zu zehn Personen trainiert werden, Kinder bis einschließlich 14 Jahre dürfen nach der neuen Landesverordnung sogar mit Kontakt in 20er-Gruppen dem Ball nachjagen. Das wurde am Montag, nachdem es einige Verwirrung um die Auslegung der Landesverordnung gegeben hatte, explizit von den zuständigen Behörden bestätigt. Walter Desch, den Präsidenten des Fußballverbandes Rheinland, stimmt dieser erste Öffnungsschritt nach mehr als vier Monaten Corona-Zwangpause zuversichtlich: „Wer hätte vor drei Wochen gedacht, dass wir jetzt wieder trainieren dürfen?“ Von Szenarien wie einem möglichen Saisonabbruch hält er zum jetzigen Zeitpunkt nichts. Im Interview mit unserer Zeitung nimmt Desch auch zum Thema Spielbetrieb Stellung.

Herr Desch, die ersten Fußballmannschaften sind zurück auf dem Platz. Wie bewerten Sie den ersten Öffnungsschritt zurück zur Normalität auch im Sport?
Ich sehe das sehr positiv. Die Fußballer können endlich wieder das machen, was sie gerne machen. Interessant ist: In einer Umfrage des DFB zum Amateurfußball, an der 100 000 Leute teilgenommen haben, ist in der Corona-Zeit das Gemeinschaftsgefühl mehr als das Fußballspielen selbst vermisst worden. Das ist ein wichtiger Aspekt: Man trifft sich wieder, natürlich mit Abstand.

Wie und wann könnte der nächste Öffnungsschritt erfolgen?
Am 22. März tagen das nächste Mal die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin. Bis dahin wird es keine Änderungen geben. Am 23. März werden wir mit dem Innenministerium sprechen. Das war bisher immer so, und auch diesmal wird uns Roger Lewentz dazu einladen. Am 24. oder 25. März wird es dann eine neue Landesverordnung geben. Ich wünsche mir, dass dann mit zehn Personen mit Kontakt oder wieder komplett trainiert werden kann. Das ist mein Wunsch, und bisher sind meine Wünsche oft in Erfüllung gegangen (lacht).

Wenn der Inzidenzwert in Rheinland-Pfalz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 50 liegt, dann gibt es allerdings wieder Einschränkungen – das kontaktfreie Training müsste in den Landkreisen eingestellt werden, die ebenfalls eine Inzidenz über 50 aufweisen.
Ja, und deswegen mache ich einen Vorstoß beim Gesundheitsministerium. Der Sport ist kein Inzidenztreiber. Es gibt noch jede Menge Einschränkungen wie geschlossene Umkleideräume. Weitere Einschränkungen wären nicht ergiebig. Ein konkretes Beispiel: Wenn zehn Spieler kontaktfrei auf einer Platzhälfte trainieren, dann hätte jeder 300 Quadratmeter im Freien für sich. Im Einzelhandel darf sich eine Person auf 20 Quadratmetern aufhalten – und das unter einem Dach. Deshalb rede ich mit dem Gesundheitsministerium, dass wir auch bei einer Inzidenz über 50 weiter Sport treiben können. Denn eine Sache ist klar: Mit dem Verbot von Sport werden wir die Werte nicht runterkriegen.

Kommentare wie „Die Saison steht vor dem Aus“ oder „Die Saison sollte abgebrochen werden“ haben Sie geärgert. Sie sehen das anders.
Ich habe mich nicht geärgert, aber für mich sind das voreilige Aussagen, die zum jetzigen Zeitpunkt falsch sind. Ein Abbruch kann passieren, ja, aber alles zu seiner Zeit. Ich rede erst über einen Abbruch, wenn die Saison tatsächlich nicht zu Ende zu bringen ist.

Wann könnte es aus Ihrer Sicht denn mit dem Spielbetrieb im Optimalfall wieder losgehen?
Wenn die neue Landesverordnung am 25. März wieder Training mit Kontakt zulässt, dann wäre ein Start nach drei oder vier Wochen Vorbereitungszeit möglich. Am 18. oder am 25. April könnte man wieder auf breiter Front loslegen. Wenn die Vereine unter sich einig sind, dann könnten Nachholspiele oder Pokalspiele schon früher stattfinden. Der Optimalfall wäre ein Start in allen Ligen am 18. April, um die Hinrunde zu beenden und dann eine Wertung mit Auf- und Absteigern zu haben. Aber ich weiß auch, dass wir natürlich abhängig von den Zahlen sind.

Gibt es einen Zeitpunkt, eine Deadline, bis wann auf jeden Fall wieder gespielt werden muss?
Es gibt keine Deadline. Aber wenn es erst nach dem 25. April beginnen würde, dann wird es schwierig, die Saison mit der Hinrunde zu beenden.

Ist eine Saisonverlängerung, wie sie der Verband Niedersachsen für den Fall der Fälle beschlossen hat, eine Option?
Das wäre die nächste Lösung. Warum sollte man nicht die Saison verlängern und ein oder zwei Spieltage im Juli machen? Ich denke, eine Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus ist ein lösbares Problem, da wird es auch vom DFB keine Widerstände geben.

Die große Frage bei den Vereinen lautet, falls es tatsächlich Ende April weitergehen sollte: Darf mit Zuschauern gespielt werden?
Ich gehe davon aus, dass das am Anfang nicht der Fall sein wird. Aber das heißt nicht, dass ich nicht daran arbeite, Zuschauer wieder auf die Plätze zu lassen. Die erste Stufe ist Training mit Kontakt, die zweite Stufe ist der Wettkampf – und dann würde ich fordern, dass bei einer Inzidenz unter 50 auch Zuschauer zugelassen werden sollen.

Die Vereine wollen aus nachvollziehbaren Gründen nur mit Zuschauern und damit verbunden auch mit einem Verkauf von Getränken und Speisen spielen. Zudem plagt die Klubs auch ein wenig die Angst vor einem Schnellstart, auch weil es wegen Corona immer zu Rückschlägen kommen kann. Was entgegnen Sie diesen Bedenken?
Wir müssen einfach abwarten, was passiert. Viele Leute sind in dieser Zeit zu klassischen Bedenkenträgern geworden. Ich sehe es anders: Ich versuche etwas zu machen, und wenn es nicht passt, dann muss man was ändern. Aber diesen vorausschauenden Pessimismus teile ich nicht. Das bringt uns nicht weiter. Noch ein Gedanke zu Spielen mit Zuschauern und den für die Vereine wichtigen Verkauf: Wenn die Außengastronomie wieder öffnen darf, dann kann auch das Sportheim draußen verkaufen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 11. März 2021

Desch: Unter 100 gibt es keinen Unterschied

FVR-Präsident sieht Möglichkeiten für Training mit Abstand und ohne Kontakt – doch viele Fragezeichen bleiben

Als der Fußballverband Rheinland (FVR) zum Wochenausklang auf seiner Homepage ankündigte, Präsident Walter Desch werde sich am Samstagnachmittag zur Wiederaufnahme des Amateurfußballs äußern, da weckte das durchaus Erwartungen. Denn auch wenn der Stufenplan, den die Politik nach dem jüngsten Bund-Länder-Gipfel herausgegeben hat, eine schrittweise Rückkehr in den Trainingsbetrieb vorsieht, sind Fragen nach dem Spielbetrieb weiter offen. Um es kurz zu machen: Die Zahl der Fragen ist weiter größer als die der passenden Antworten. Die Hoffnung auf klare Aussagen zu Training und Spielbetrieb wurde vielleicht auch durch die Tatsache genährt, dass der Landesverband in Hamburg in diesen Tagen als erster in Deutschland seine Saison abgebrochen hat und der Verbandsvorstand in Niedersachsen entschieden hat, in Spielklassen, in denen es notwendig ist, eine Saisonverlängerung bis maximal 21. Juli zu ermöglichen. Doch derlei konkrete Entscheidungen stehen im FVR weiter aus. Ein Schnellschuss durch den Präsidenten hätte insofern verwundert, da gerade erst der Spielausschussvorsitzende Bernd Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung einen Zeitplan skizziert hatte, in dem anstehende Videokonferenzen mit der Oberliga und der Rheinlandliga aufgeführt waren. Zudem hatte Schneider darauf verwiesen, es werde nichts über den Kopf der Vereine hinweg entschieden. Stattdessen sollen Rückmeldungen in eine finale Entscheidung einfließen, ähnlich wie es in der Vorsaison der Fall war. Und so äußert sich FVR-Boss Desch in dem durch den Verband veröffentlichten Interview auch mehr über das, was auf dem Tisch liegt, als über das, was auf Grundlage dessen folgen kann oder wird. Er halte es „für eine sinnvolle und sachgerechte Entscheidung, den Menschen die Rückkehr auf die Sportplätze zu ermöglichen“, betont der Präsident, der darin auch eine Bestätigung seiner eigenen Lobbyarbeit im Dienste des Sports sehen dürfte. „Wir haben in einem intensiven Austausch mit der Politik darauf hingewirkt, dass entsprechende Lockerungen möglich gemacht werden“, betont er. Unter den Voraussetzungen, die jetzt durch die Politik geschaffen wurde, könne man auch als Fußballer „jede Menge Inhalte trainieren, ohne dass es zum Kontakt kommt“, meint Desch und verweist auf „Kondition, Kraft, Torschüsse, Sprints, Passspiel, alles im erforderlichen Abstand, der unbedingt eingehalten werden muss“. Den Rahmen, auch darauf verweist der FVR-Präsident, gebe die Pandemie-Entwicklung vor. „Sofern die Inzidenzzahl im Kreis unter 100 ist, werden im Sport landesweit keine Unterscheidungen gemacht, was dort erlaubt ist“, sagt er. Liege dieser Wert, der die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen angibt, über 100, sei Sport nicht erlaubt, was derzeit im Kreis Altenkirchen der Fall ist. Welche Folgen ein solcher Ausreißer nach oben für die Praxis hat, benennt Desch nicht explizit, wie er auch den gesamten Fortgang des Spielbetriebs der Saison 2020/21 ausklammert. Denn das Beispiel Altenkirchen zeigt, wie „verzwickt“ die Lage ist, um es mit den Worten des Spielausschussvorsitzenden Bernd Schneider auszudrücken. Mannschaften aus dem Kreis Altenkirchen, die am heutigen Montag also nicht zu ersten Übungseinheiten auf die Plätze zurückkehren dürfen, sind auf Kreisebene im Fußballkreis Westerwald/Sieg beheimatet – und haben es dort mit Gegnern aus dem Westerwaldkreis zu tun, die angesichts deutlich niedrigerer Inzidenz nicht nur das Training wieder aufnehmen dürfen, sondern seit dieser Woche sogar die Möglichkeit hätten, sich vor Ort in wieder geöffneten Geschäften dafür neue Fußballschuhe zu kaufen. Oberhalb der Kreisebene wird's noch komplizierter, weil schon in der Bezirksliga Ost vier Landkreise beteiligt sind, von einer Klasse wie der Rheinlandliga oder der Oberliga ganz zu schweigen. All die Fragen, die Vereinen unter den Nägeln brennen und die auch in den sozialen Netzwerken diskutiert werden, werden in der Mitteilung des FVR nicht gestreift. Der Hintergrund ist klar und wurde von Rechtswart Norbert Weise auch schon formuliert. In den Videokonferenzen mit Vereinsvertretern machte der Jurist klar, dass der Verband verpflichtet sei, einen Spielbetrieb anzubieten, wenn seitens der Politik die Möglichkeit dafür gegeben ist. Kommt es dazu, wird niemand zum Mitmachen gezwungen. Die Vereine haben die Möglichkeit, auf eine Teilnahme zu verzichten, was allerdings sportliche Konsequenzen haben kann, wenn es doch noch zu einem sportlichen Abschluss der Saison 2020/21 kommen sollte. Beim Zeitplan für die Jugendklassen ist deutlich mehr Luft als in dem für die Seniorenklassen. Zudem scheint hier Konsens zu sein, dass es wichtig ist, die Kinder überhaupt wieder auf den Platz lassen zu dürfen – und nicht die Frage, ob es zeitnah um Punkte gehen kann. „Dass nun bis zu 20 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren Sport treiben dürfen, finde ich sehr gut“, sagt auch Desch. „Es ist ganz wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen wieder raus können, dass sie wieder gegen den Ball treten können – gerade bei ihnen spielt auch der soziale Austausch eine große Rolle.“ Gleichzeitig mahnt der FVR-Präsident aber an die Vernunft aller Beteiligter: „Abstand halten! Sobald die Leute sich wieder in Gruppen aufhalten, ist das ganze Konstrukt gefährdet.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 08. März 2021

Stufenplan: Die Lage im FVR bleibt verzwickt

Für den Spielausschussvorsitzenden Bernd Schneider bleiben zu viele Fragen offen – Larifari statt Lösungen – Auch für Pokal wird's eng

Eine Perspektive wollten die Bundeskanzlerin und ihre Ministerpräsidenten den Menschen mit ihrem Stufenplan aufzeigen, die Chance, einen Weg zurück zur Normalität zu finden. „Doch uns hat das alles nicht viel schlauer gemacht“, sagt Bernd Schneider, der Spielausschussvorsitzende des Fußballverbandes Rheinland (FVR) und Spielleiter der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. „Die Lage bleibt verzwickt“, bringt es der erfahrene Funktionär aus Wissen auf den Punkt. Das Kernproblem, das die für den seit Ende Oktober unterbrochenen Spielbetrieb verantwortlichen Leute haben: Was erlaubt ist und was nicht, richtet sich streng nach den Inzidenzen, also nach den Fallzahlen pro 100000 Einwohner. Unter 50, zwischen 50 und 100, über 100: Das sind die Marken, die bestimmen, wo es lang geht. Die 90 Minuten, die ein Fußballspiel dauert, sind fast schon vergessen. „Und da wir da nicht den landesweiten Wert als Richtzahl nehmen können, sondern kreisweit differenziert wird, wird die Lage sehr kompliziert bleiben“, befürchtet Schneider. „Es ist zu erwarten, dass in einem Kreis alles wieder zugemacht wird, während es in einem anderen weitergehen kann.“ Von geordneten Verhältnissen, nach denen sich viele Menschen nach mehr als einem Jahr im Zeichen der Pandemie so sehr sehnen, scheinen auch der Amateursport im Allgemeinen und der Fußball im Speziellen noch meilenweit entfernt zu sein. „Das bereitet uns Kopfschmerzen“, gibt Schneider zu. Denn während andere Sportarten ihre Saison längst abgehakt haben und den Blick ohne komplizierte Altlasten nach vorne richten, wehren sich die Fußballer noch gegen ein Abbruchsszenario mit einer Annullierung. Als Beispiel für die Ratlosigkeit, die nach den Entscheidungen dieser Woche bleibt, nennt Schneider die Testmöglichkeiten. „Wer macht sie? Wie zuverlässig sind sie? Und was ist, wenn einer nur sagt, dass er gestestet ist?“, stellt der Spielausschussvorsitzende ein paar Fragen in den Raum, die sich auch die Menschen in den Vereinen stellen. „Das ist nicht durchdacht, weil es sich organisatorisch nicht umsetzen lässt“, glaubt Schneider und bezeichnet die Maßnahmen kurzerhand als „Larifari“. Das Dilemma, in dem das FVR-Präsidium steckt: Trotz aller Bedenken erwarten die Vereine Antworten, wollen wissen, wie ihr Verband das umsetzt, was er aufgrund des Stufenplans umsetzen kann. Denn jeder, der in seinem Klub Verantwortung trägt – sei es im Vorstand, sei es als Trainer – sieht sich mit denselben Fragen konfrontiert: Wie geht es denn jetzt weiter bei uns? „Wir werden die Vereine nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, sagt Schneider und blickt nach vorne. „Wie im vergangenen Jahr holen wir auch jetzt wieder ein Meinungsbild ein und schauen dann, welcher Weg der richtige sein könnte.“ Mit den Vertretern der Oberligavereine ist eine Videokonferenz für kommenden Donnerstag (11. März) terminiert. „Dann stellen wir drei verschiedene Modelle vor“, berichtet Schneider. Wie genau diese aussehen, werde aber noch zu präzisieren sein. Begriffe wie „einfache Runde“ oder „Kurzrunde“ erwähnt Schneider, „doch das sind noch Zukunftsmodelle“. Am Montag, 15. März, schließt sich der Spielausschussvorsitzende mit Vertretern der Rheinlandligisten kurz, zwei Tage später ist die nächste Sitzung des FVR-Präsidiums. Vorher, das weiß Schneider, werde es viel Gesprächsbedarf geben, weil schon jetzt klar ist, dass es in dieser Situation keine einfachen Lösungen geben wird. Ein Beispiel dafür ist der Rheinlandpokal. In verschiedenen Videokonferenzen mit Vereinsvertretern haben der FVR-Präsident Walter Desch und seine Präsidiumskollegen klar gesagt, dass der Pokal Priorität genießt. Inzwischen spricht Schneider von „ziemlichen Schwierigkeiten“, die er auch in diesem Wettbewerb sieht. Etwa deshalb, weil der Regionalligist TuS Rot-Weiß Koblenz noch im Ligaspielbetrieb beschäftigt ist und im April auch zwei Spiele unter der Woche zu absolvieren hat. „Da wird es eng.“ Fest steht in dieser „verzwickten Lage“, von der der Spielausschussvorsitzende spricht, nur, dass „wir niemanden zwingen werden zu spielen“, wie Schneider betont. „Doch klar ist auch, dass eine Mannschaft, die fünf Mal nicht antritt, auch fünf Mal keine Punkte holt.“ Sollte es am Ende doch zu einer sportlichen Wertung der Saison 2020/2021 kommen, könnte das den Abstieg bedeuten. Ob es aber soweit kommt, das liegt für Schneider nicht in der Hand des Verbandes. „Denn wir richten uns nach der Verfügungslage des Landes.“ Womit der Blick wieder auf den eingangs erwähnten Stufenplan zu richten wäre.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 06. März 2021

Eine Liga, vier Kreise, vier Inzidenzen

Was die Rückkehr in den Spielbetrieb so schwer macht – Bezirksliga Ost als Beispiel

Als Sinnbild für das Dilemma, in dem ein Spielleiter nach der jüngsten Verkündung des Stufenplans steckt, steht die Bezirksliga Ost. Diese Klasse setzt sich aus 16 Mannschaften zusammen, die aus vier Landkreisen kommen: Neuwied, Rhein-Lahn, Altenkirchen und Westerwald. Vier Kreise – das bedeutet aktuell vier höchst unterschiedliche Inzidenzen. Während der Westerwaldkreis mit 46,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen (Stand: Freitag, 14.10 Uhr) vergleichsweise gut dasteht, liegen der Rhein-Lahn-Kreis (54,8) und der Kreis Neuwied (70,0) über der 50er-Marke und der Kreis Altenkirchen (121,1) sogar über dem gefürchteten 100er-Inzidenzwert. Zum Spielbetrieb bei den Senioren könne er daher „noch nichts Belastendes sagen“, erklärt wenig verwunderlich Jens Bachmann, der Staffelleiter der Bezirksliga Ost. „Es stehen noch Sitzungen aus – auch mit den Vereinen der Bezirksliga Ost“, so Bachmann weiter. Klar sei aber, dass es in dieser Klasse nicht einfacher werde angesichts der ganzen Öffnungsschritte, bei denen man jederzeit Gefahr laufe, dass sie wieder zurückgenommen werden müssen. „Wir müssen geduldig bleiben, wobei meine eigene Geduld schon an der Schmerzgrenze ist“, gesteht Bachmann. „Ich finde es nur gut und wichtig, dass die Kinder wieder zum Sport gehen dürfen – hoffentlich auch langfristig!“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 06. März 2021

Von 0 auf 100 nach nur drei Wochen Vorbereitung?

Re-Start: Fußballverband gibt sich noch zuversichtlich – Abschluss der Hinrunde bleibt das Ziel – Rechtswart Weise: „Wenn wir dürfen, müssen wir“

Nach 89 Minuten der Videokonferenz sagt Walter Desch, es sei jetzt eine Minute vor Spielschluss. Der Mann ist nicht nur Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR), sondern seit Jahrzehnten auch als Schiedsrichter aktiv. Er ist gewohnt, dass ein Spiel dann endet, wenn er abpfeift. Wann eine Saison endet, muss der Funktionär aus Alterkülz normalerweise nicht definieren. Doch was ist schon normal in diesen Zeiten? Seit Ende Oktober ist die Spielzeit 2020/21 unterbrochen, wann der Fußball wieder rollt, ist genauso unklar wie die Frage, ob es überhaupt ein reguläres Ende der begonnenen Saison geben kann oder doch den zweiten Abbruch aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie, diesmal angesichts der geringen Zahl an ausgetragenen Spielen jedoch ohne eine sportliche Wertung. Bevor Desch und Co. sagen, wie es weitergeht, holen sie sich seit dieser Woche ein umfassendes Meinungsbild ein. In (mindestens) vier Videokonferenzen beziehen der Präsident und Mitglieder seines Präsidiums Stellung zur aktuellen Lage und klopfen ab, wie Vertreter der Vereine die Situation einschätzen, welche Bedenken sie haben und wie es um ihre Wünsche bestellt ist. 90 Minuten plus Nachspielzeit liegen hinter den gut zwei Dutzend Beteiligten der ersten Videokonferenz. Es gibt zwar Antworten, aber weiterhin mehr offene Fragen – auch, weil offen ist, wie genau es mit dem Lockdown weitergeht, der auch für den Sport den Rahmen vorgibt. Eine Spielanalyse:

Die Sicht des Präsidenten:
„Wir wollen ein Meinungsbild erfahren, ohne in die Abstimmung zu gehen“, sagt Walter Desch zu Beginn und ergänzt, alle seien „im Lockdown gefangen“. Doch mit der Rolle des Gefangenen der Pandemie und anderer Entscheider will sich der FVR-Boss nicht länger abgeben. Von einer Konferenz mit dem Innenminister des Landes verspricht sich Desch, dass man bei der Ausgestaltung der Rückkehr des Sports „vorher mitsprechen“ kann und nicht erst dann, wenn alles fertig ist. Bezogen auf den Fußball bedeutet das: „Wir brauchen eine komplette Lösung.“ Eine weitere Bitte sei, möglichst wenige unterschiedliche Regelungen zu bekommen. Zu gut sind Zustände in Erinnerung, dass in Klassen wie der Bezirksliga, in der Teams aus unterschiedlichen Landkreisen vertreten sind, der eine darf, was dem anderen verboten wird – etwa bei den Zuschauern. Was die Rückkehr in den Spielbetrieb angeht, ist Deschs Wunsch, möglichst ab Mitte März wieder auf die Plätze zurückzudürfen. Wohl wissend, dass Verlängerungen der Lockdown-Maßnahmen diesen Zeitplan akut gefährden. Man müsse aber „Bewegung in den Sport bekommen“, formuliert er als übergeordnetes Ziel. Konkreter wird es bei der Zeitachse, wenn tatsächlich Mitte März wieder ein Trainingsbetrieb möglich sein sollte. „Dann könnte am Osterwochenende wieder gespielt werden – vielleicht schon einmal am Samstag und einmal am Montag.“ Der Blick auf den Kalender zeigt allerdings, dass zur Vorbereitung dann nur drei Wochen blieben – schließlich ist Ostern schon am ersten Aprilwochenende. In der ersten Videokonferenz spielt diese knapp bemessene Vorbereitung nach dann über fünfmonatiger Pause keine Rolle, Widerspruch bleibt aus. Vielleicht auch, weil Desch auf DFB-Arzt Prof. Dr. Tim Meyer verweist, der drei Wochen Vorbereitung für ausreichend hält. Sogar noch weniger kann sich der FVR-Präsident vorstellen, etwa wenn Mannschaften noch viele Spiele nachzuholen hätten und sich die jeweiligen Gegner einig seien, früher spielen zu wollen. Das ganz klare Ziel, das macht Desch den Vereinsvertretern deutlich, sei es, die Hinrunde über die Bühne zu bekommen. Denn der Auftrag des Verbandes sei es, „den Spielbetrieb sicherzustellen und anzubieten“. Der Grundgedanke des Präsidenten: Selbst wenn es in vier Staffeln vielleicht Probleme geben würde, die Hinrunde abzuschließen, sei es schwer zu sagen, dass deswegen die Saison in den 276 anderen Staffeln des Verbandes annulliert wird. Denn Desch macht auch klar: Es gibt nur noch diese zwei Varianten – die Hinrunde beenden und so Auf- und Absteiger ermitteln – oder die Saison 2020/21 annullieren. Das Schreckensszenario, das der FVR-Boss auch skizziert: Wenn es nicht weitergeht, könnte der Amateurfußball von November bis August völlig brachliegen, was nicht im Sinne des Verbandes sein könne. Gerade im Nachwuchsbereich sei das extrem schwierig, denn „viele Kinder kommen dann nicht mehr“, wie Desch befürchtet. Um dies zu verhindern, schlägt der Präsident für den Fall einer Annullierung vor, die Spielpläne aufrechtzuerhalten und angesetzte Partien als Freundschaftsspiele mit einem Quasi-Pflichtspielcharakter auszutragen – „der Schiedsrichter kommt, die Organisation bleibt“, so Desch. „Denn wir wollen unbedingt, dass Fußball gespielt wird.“ Ob bei künftigen Pflicht- oder Freundschaftsspielen Zuschauer erlaubt seien, müsse sich zeigen, auch die Notwendigkeit der damit verbundenen Einnahmen sei sehr unterschiedlich zu bewerten. „Ein Verein mit 20, 30 Zuschauern wird das überstehen, wenn niemand kommen darf. Ein Verein mit 300 Zuschauern und einem bezahlten Kader hat da ganz andere Interessen.“ Allerdings, das weiß auch Desch, habe die Zuschauerthematik bei den Spielen zu Beginn der Saison für Probleme gesorgt. „Das ist auch ein Schwachpunkt in der Argumentation gegenüber der Politik“, sagt er und unterstreicht: „Zuschauer spielen für uns als Entscheider keine Rolle.“

Die Sicht des Spielausschusses:
Als Vorsitzender des Spielausschusses hat Bernd Schneider einerseits den Spielbetrieb in den Klassen des FVR im Blick. Da er aber zugleich Spielleiter der Oberliga ist, muss der Funktionär aus Wissen die Schnittstelle zum Regionalverband Südwest ebenso im Auge behalten. So ist seine Herangehensweise die, dass er die Rheinlandliga als 18er-Staffel zum Maßstab nimmt und den 13. Juni als letzten Spieltag festlegt. Denn danach seien auch noch die Entscheidungsspiele zur Oberliga zu berücksichtigen. Ginge es nur um den Abschluss der Hinrunde, wäre Schneider wohl verhalten optimistisch, „doch der Schein trügt“, wie er sagt, weil er auch für die aus finanziellen Gründen wichtigen Pokalwettbewerbe auf jeden Fall beenden will. „Sechs Termine brauche ich dafür“, weiß Schneider und zeigt gleich auch die Problematik auf: „Die Folge sind mehrere Mittwochspieltage. Wenn es etwa in der Rheinlandliga am 4. April losgeht, dann hätte ich bis zum Ende der Saison durchgehend Englische Wochen.“ Mit den Vereinen, die das betreffen würde, müssten Gespräche geführt werden, um Lösungen zu finden. Während eine 18er-Staffel wie die Rheinlandliga Schneider Sorgen bereitet, stelle sich die Lage bei den Staffeln mit 16 Mannschaften weniger problematisch dar. „Da haben wir mehr Zeit“, weiß der Spielausschussvorsitzende. Hingegen zeichnet sich für ihn mit Blick auf die Oberliga ein Bild ab, das er als „schlimm“ bezeichnet. So hat etwa der FV Engers noch drei Nachholspiele zu absolvieren und sei zudem noch im Pokal vertreten. „Ein paar Türchen gibt es noch, aber es wird schwer.“ Ein Ventil, um Druck aus dem Kessel zu lassen, sieht Präsident Desch im Ende der Saison, auch könne eine Mannschaft wie Engers vielleicht auch mal dienstags und donnerstags spielen. Egal wie, das weiß der FVR-Boss, sei noch „so manches dicke Brett zu bohren“.

Die Sicht der Frauen und Mädchen:
Bei all den Problemen, die für den Seniorenbereich zu lösen sind, ist die Organisation im Frauen- und Mädchenbereich eher in die Kategorie „machbar“ einzustufen, wie Ina Hobracht als Verantwortliche verdeutlicht. „Bei uns ist es einfacher, weil wir kleinere Staffeln haben“, sagt sie. Angesichts von nur sechs Spieltagen, die noch auszutragen sind, würde auch ein Start Anfang Mai noch reichen. Der Pokal bereite ebenfalls weniger Probleme, einzig die Terminabsprachen mit den sechs noch im Wettbewerb befindlichen Regionalligisten müsse noch getroffen werden, „wenn wir wissen, wann wir wieder spielen können“. Nachdenklicher wird Hobracht, wenn sie den Blick auf den Nachwuchsbereich wirft. „Wir werden sehen müssen, welche Mannschaften im März überhaupt noch da sind“, sagt sie. „Wir müssen Lösungen finden, um die Mädchen einbinden zu können. Sonst gehen uns Mannschaften verloren.“

Die Sicht der Jugend:
Ganz so düster will Peter Lipkowski als Jugendleiter des Verbandes nicht nach vorne schauen. „Die Kinder und Jugendlichen sehnen sich nach Gemeinschaft“, unterstreicht er. „Deswegen ist unser oberstes Ziel, wieder zu spielen und möglichst nicht abzubrechen.“ Allerdings, so betont Lipkowski, gehe das mit Blick auf das Pandemie-Geschehen „nur, wenn es möglich und sinnvoll ist“. Schön wäre, wenn es Anfang April losgehen könne, doch auch eine Verlegung nach hinten hält er für denkbar. „Am 9. Mai müssen wir spätestens beginnen.“ Eine Stellschraube, die er sieht, ist das Saisonende. Bis 30. Juni seien reguläre Spiele möglich, danach bleibe noch Zeit, um Anfang Juli Aufstiegsspiel zu Ende zu bringen. Vorrang habe im Jugendbereich die Meisterschaft gegenüber dem Pokal, „um die Durchlässigkeit beim Auf- und Abstieg zu haben“, so Lipkowski.

Die Sicht des Juristen:
Für Norbert Weise, den Rechtswart des Verbandes, ist eine Sache wichtig. „Die Ermächtigung zur Flexibilisierung des Spielbetriebs besteht noch aus dem letzten Jahr“, wie er betont. Das gibt dem FVR einen gewissen Handlungsspielraum, verschiedene Grundsätze gelten allerdings. Einer davon: Wenn nach staatlicher Verordnungslage gespielt werden darf, dann müsse auch gespielt werden, so Weise. Ein Saisonende über den 30. Juni hinaus sei möglich, „wenn zwei, drei Wochen fehlen“. Dieses Fehlen orientiert sich mit Blick auf eine Wertung an der Frage, ob die Hinrunde beendet wurde oder nicht. Sei dies nicht der Fall, müsse annulliert werden. Für den Fall, dass gespielt werden darf, einzelne Vereine aber nicht spielen wollten, was Weise „verständlich“ fände, gelte der Grundsatz, dass eine Bestrafung ausgesetzt bleibe, ein Nichtantreten aber zu Punktverlust führe. Interessant ist, dass der Rechtswart – im Gegensatz zum Ansatz des Spielausschusses – es nicht für zwingend hält, „dass Spiele in unteren Klassen genauso behandelt werden müssen wie in höheren“. Es müsse nur vernünftige, vertretbare Regelungen geben. Das gelte bis runter in die Kreise. Bei der Frage, inwiefern eine Verzahnung der Ligen notwendig sei, könne man „auf den Prüfstand stellen, ob der Abbruch unten auch nötig ist“. Sollte die Saison abgebrochen und die ursprünglich angesetzten Partien stattdessen als Freundschaftsspiele ausgetragen werden, so seien diese „kein Dorfturnier“. Die Begegnungen würden „exakt nach dem geltenden Regelwerk“ ausgetragen. Das bedeute, dass eine Rote Karte auch eine Sperre nach sich ziehe.

Die Sicht der Vereine:
Die erste Videokonferenz des FVR ist vollgepackt mit Informationen und Sichtweisen, die teils in unterschiedliche Richtungen geht. Ein wirklicher Dialog kommt daher nur in Teilen zustande. Die Stimmungslage ist durchaus unterschiedlich, die Meinungen sind differenziert, aber ein Gefühl scheint die meisten Vereinsvertreter in ihrer Sicht zu einen. Carsten Schellberg vom Rheinlandligisten SV Windhagen bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Jeder ist heiß, wieder Fußball zu spielen. Aber mir ist mulmig zumute, wenn ich daran denke, dass sechs bis acht Englische Wochen auf uns zukommen können.“ Dies wolle er zu bedenken geben, denn seit Monaten habe niemand gegen den Ball getreten. „Wir sind keine Profis. Alles, was kommt, muss realisierbar bleiben.“ Dass die Einschätzung, ob eine Fortsetzung als gut oder schlecht gesehen wird, durchaus vom aktuellen Tabellenbild abhängen kann, macht Steffen Richter vom TuS Singhofen klar. „Vereine, die im unteren Drittel stehen, sind eher für eine Annullierung“, sagt der Trainer des B-Ligisten. „Wir stehen vorn, entsprechend sind wir auch für eine Fortsetzung.“ Teils kritisch gesehen wird auch die angedeutete Priorisierung zugunsten des Pokals, der Vorrang vor der Meisterschaft haben soll.

Das weitere Vorgehen:
Eine Abfrage bei den Vereinen, wie sie sich das weitere Vorgehen vorstellen, wird – analog zur Vorsaison – kommen, „es wird keinen Abbruch ohne vorheriges Votum der Vereine geben“, unterstreicht Desch. Klar macht der Präsident aber auch, dass eine Entscheidung der Vereine für eine Annullierung nicht zwingend den Abbruch zur Folge hat. „Wenn die Vereine nicht wollen, die Politik aber sagt, ihr dürft spielen, dann werden wir spielen.“ Klar sei nur, dass „wir am 15. Mai nicht mehr anfangen“, so Desch, der den Vereinen mitgibt: „Haben Sie Vertrauen, dass wir alles versuchen, aber erheben Sie keinen Anspruch, dass es klappen muss.“

Fazit:
Für die Mannschaft des FVR sind die Videokonferenzen keine Punktspiele, erst recht kein Finale. Die 90 Minuten mit den Vereinen (und nicht gegen sie) dienen mehr der Vorbereitung auf das, was kommen wird. Desch und sein Präsidium betonen, aktiv mitgestalten zu wollen, wie es weitergeht. Der FVR-Boss schwingt sich zum obersten Lobbyisten in Sachen Amateurfußball auf, dürfte dabei aber noch einige Zeit lang das Gefühl nicht loswerden, an den Fäden der Politik zu hängen. Es wird sich auch zeigen, wie die Basis auf das Vorhaben reagiert, nach vielleicht nur dreiwöchiger Vorbereitung einen Kaltstart hinlegen zu müssen. Aufgrund der Kürze der Zeit, die bis zu einer angestrebten Fortsetzung am Osterwochenende oder kurz danach bleibt, stellt sich zudem die Frage, wann eine Abstimmung der Vereine kommen wird und welchen tieferen Sinn sie am Ende haben soll.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 11. Februar 2021

Schiedsrichter-Soll: FVR erhebt nun doch kein Bußgeld

Bescheide waren schon raus, dann folgte Rückzieher – Auch Westerwälder Vereine reagierten sauer – Zeigte ein Anruf Wirkung?

Der Fußballverband Rheinland (FVR) verzichtet, so wie bereits im zweiten Quartal des Jahres 2020, wieder auf die Bußgelder für Vereine, die ihr Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt haben. Der Grund dafür sei die Einschätzung, dass im ersten Quartal 2021 aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie auch wieder keine Spiele ausgetragen werden können, wie der Verband mitteilt. Damit solle diese zusätzliche Belastung den Vereinen erspart werden, da diese derzeit sowieso keine Einnahmen im Spielbetrieb erzielen könnten. Doch ehe es zu dieser Entscheidung kam, bedurfte es wohl der Rückmeldung einiger erboster Vereinsvertreter. Denn diese hatten Anfang der Woche sehr wohl eine Mail in ihrem elektronischen Postfach, in der sie zur Zahlung des entsprechenden Bußgeldes ausgefordert worden sind. „Das kann doch nicht wahr sein“, verstand etwa Patrik Heene vom FV Rennerod die Welt nicht mehr. Dass seitens der SG Rennerod/Irmtraut/Seck aus teilweise unglücklichen Umständen die Sollzahl von vier Unparteiischen aktuell nicht komplett gestellt werden kann, ist unstrittig. „Darüber müssen wir nicht diskutieren“, sagte Heene am Mittwoch. Gesprächsbedarf sah Rennerods Vorsitzender allerdings angesichts der Forderung von 150 Euro, die er nun auch für das erste Quartal überweisen sollte. „Schon im vierten Quartal 2020 haben wir die Strafe in voller Höhe an den Verband überwiesen, obwohl der Spielbetrieb seit Ende Oktober ruht und somit kaum Spiele stattgefunden haben.“ Da der verschärfte Lockdown andauern wird und ein Re-Start im Fußball noch nicht in Sicht ist, bekam der Bußgeldbescheid des FVR aus Sicht des langjährigen Vereinsvorsitzenden aus Rennerod schon absurde Züge. „Sollen wir dafür bezahlen, weil wir keine Schiedsrichter stellen für Spiele, die gar nicht stattfinden?“, fragte sich Heene und ließ in einem Anruf beim Verband seinem Unmut freien Lauf. Dort ist die Kritik offensichtlich angekommen – und hat einen Tag später bereits Wirkung gezeigt. „Im Dezember war noch vorgesehen, die Bußgelder zu erheben, da das Präsidium die Hoffnung hatte, im Februar wieder spielen zu können“, heißt es seitens des Verbandes in einer Mitteilung. „Nach der nun erfolgten Verlängerung des Lockdowns ist das eher unwahrscheinlich. Deshalb hat das Präsidium nun kurzfristig im telefonischen Umlaufverfahren entschieden, die den Vereinen bereits angekündigte Abbuchung der Bußgelder nicht umzusetzen.“ Von dieser Entscheidung seien insgesamt mehr als 100 Vereine mit einem Gesamtbetrag von mehr als 17 000 Euro betroffen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 01. Februar 2021

Vereine erhalten auf ihre Beiträge keinen Rabatt

Fußballverband führt erhöhten organisatorischen Aufwand und digitale Angebote als Gründe an

Als Rainer Zeiler unserer Zeitung vor einigen Tagen mitteilte, dass man bei der SG Malberg mit der Arbeit des Trainerteams zufrieden sei und man sich mit Volker Heun und Co. entsprechend auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit über die laufende Fußballsaison hinaus geeinigt habe, erzählte der Vorsitzende des Rheinlandligisten am Rande auch von seinem Unverständnis dahin gehend, dass der Fußballverband Rheinland (FVR) trotz der inzwischen schon fast drei Monate andauernden Saisonunterbrechung weiterhin Vereinsbeiträge einziehe – und zwar vollumfänglich. „Wir könnten da schon mal einen Rabatt gebrauchen“, fand Zeiler, und meinte damit nicht nur seine SG, sondern sämtliche andere Vereine oder Zusammenschlüsse auf Amateurebene. „Wenn wir für eine komplette Saison Abgaben bezahlen, obwohl am Ende ja vielleicht kaum gespielt worden ist, dann darf man darüber mal laut nachdenken“, so Zeiler weiter. Deshalb hat unsere Sportredaktion mal beim Verband nachgehört, ob die Vereine nachträglich noch mit einem „Rabatt“ rechnen können. Der Stellungnahme zufolge sei man beim FVR „voller Hoffnung und Optimismus, dass die Saison fortgeführt und beendet werden kann“. Wenngleich man sich natürlich darüber im Klaren sei, dass das mittlerweile „nicht mehr nach den gewohnten Maßstäben“ passieren wird, werde eine Rückerstattung der Beiträge an die Vereine aber nicht erfolgen – auch nicht anteilig für den Zeitraum der Saison, in dem bedingt durch die Auswirkungen der Pandemie keine Spiele ausgetragen werden konnten beziehungsweise können, heißt es in der Stellungnahme weiter. Als Begründung führt der FVR an, dass in seiner Gebührenzusammenstellung festgehalten sei, dass die Verwaltungsgebühren „pro aktiv am Spielbetrieb teilnehmender Mannschaft“ erhoben werden. Eben jener Spielbetrieb habe bereits stattgefunden, wenngleich im Rahmen einer verkürzten Saison. Insofern sei die vom Verband zu erbringende Leistung auch erbracht worden. Des Weiteren würden die Verwaltungsgebühren und die DFBnet-Umlage erhoben, um die Organisation des Spielbetriebes zu finanzieren. „Der zu leistende Aufwand für diese organisatorischen Leistungen war durch die Pandemie aber nicht rückläufig, sondern ist stark gestiegen“, heißt es vonseiten des Verbandes. Während der Routinebetrieb gut eingespielt sei, müsse in der Pandemiezeit häufig kurzfristig und grundlegend umgeplant werden. Des Weiteren arbeite der FVR seit Beginn der Einschränkungen durch die Pandemie „intensiv an vielen neuen digitalen Angeboten“, beispielsweise im Bereich Qualifizierung. Für fast alle Angebote seien alternative Konzepte entwickelt worden, die größtenteils auch nach der Corona-Zeit angewandt werden könnten. Darüber hinaus wird im FVR-Statement angemerkt, dass auch der Verband durch die Pandemie „erhebliche Einnahmeausfälle“ zu verzeichnen habe. Ein zusätzlicher Verzicht auf die Vereinsbeiträge sei für den Verband „nicht zu kompensieren“. Zudem habe das Land Rheinland-Pfalz für Vereine, die durch die Pandemie tatsächlich in eine finanzielle Notlage geraten, ein entsprechendes Hilfsprogramm aufgelegt. Dass dabei nur eine geringe Zahl an Anträgen eingegangen ist, lasse „zum Glück“ noch nicht erkennen, dass eine größere Anzahl von Vereinen in eine existenzbedrohende wirtschaftliche Schieflage geraten sei.

So setzen sich die Beiträge an den FVR zusammen

Die Beiträge, die die Vereine dem Fußballverband Rheinland jährlich zu entrichten haben, werden nach Höhe der Spielklassen pro Mannschaft im Spielbetrieb berechnet. Für Jugendmannschaften in Kreisklassen wird dabei nichts, in überkreislichen Klassen werden 25 Euro erhoben. Diese Verwaltungsgebühren werden zu Saisonbeginn eingezogen. Hinzu kommen für alle Vereine, die Mannschaften im Spielbetrieb haben, DFBnet-Nutzungsgebühren in Höhe von jeweils 110 Euro, die um den Jahreswechsel eingezogen werden. Dabei weist der FVR darauf hin, dass er den Betrag, den die Vereine schultern müssen, stabil halte, obwohl der Leistungsumfang, die Zahl der Module und damit die Kosten, die die DFB GmbH ihren Landesverbänden in Rechnung stellt, seither deutlich gestiegen seien. So werde auch die Nutzung eines Moduls zur Zuschauererfassung, das in Kürze vorgestellt werden soll, den Vereinen kostenfrei zu Verfügung gestellt.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 25. Januar 2021

Annullierung oder nicht? - Die Vereine sollen mitreden

FVR-Präsident Walter Desch hofft auf Neustart nach Ostern – Pokal hat Priorität

Nur in einer Sache will sich Walter Desch wirklich festlegen in diesen Tagen der Ungewissheit und des Abwartens. „Die Annullierung der Saison bleibt für mich der Worst Case, der wirklich ungünstigste Fall“, sagt der Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR). Entsprechend hält er sich bedeckt, angesichts des bis Mitte Februar verlängerten harten Lockdowns den Abbruch der zweiten Corona-Saison in Folge in den Fokus zu rücken. Deschs Ziel bleibt stattdessen weiterhin, die Hinrunde abzuschließen, um ein „belastbares Ergebnis“ zu haben. „Das ist auch das, was in den allermeisten Landesverbänden versucht wird“, berichtet der FVR-Präsident. Doch was heißt das für die Vereine? Am 27. Oktober hat der FVR seinen Spielbetrieb nach gerade einmal zwei „normalen“ Monaten wieder heruntergefahren, um drei Wochen später fünf Modelle in den Raum zu stellen, wie es weitergehen kann. War damals noch die Hoffnung, vielleicht schon im Januar den Re-Start wagen zu können, wurde später ein Beginn vor Ende Februar ausgeschlossen. Inzwischen hat sich die Corona-Lage nicht maßgeblich geändert, von einer wirklichen Verbesserung ganz zu schweigen. Doch es sind weitere Wochen ins Land gezogen, wodurch klar ist: Von den ursprünglich fünf Szenarien sind noch zwei übrig geblieben: Hinrunde abschließen oder Saison annullieren. „Ich bleibe bei meiner Linie und warte ab, statt zu spekulieren“, skizziert Desch sein Vorgehen. „Erst dann können wir auch Fakten schaffen.“ Aktuell gebe es auch nach den Entscheidungen der Kanzlerin und ihrer Ministerpräsidentenrunde „weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit“, sich auf einen Weg festzulegen. Nach der Aussage, vor dem 27. Februar nicht anzufangen, habe man im Rheinland im Gegensatz zu anderen Landesverbänden auch keine Spiele angesetzt. „Das war doch reiner Aktionismus“, sagt Desch und liegt damit auf einer Linie mit Bernd Schneider, seinem Spielausschussvorsitzenden. Der betont aus der Erfahrung der vergangenen Monate: „Ich habe aufgehört, Termine festzulegen. Denn am nächsten Tag kann ich eh wieder alles über den Haufen werfen.“ Der Fußball und seine Funktionäre haben gelernt, sich mit der Pandemie zu arrangieren. Doch haben die Verantwortlichen auch schon resigniert? Präsident Desch würde die Frage klar verneinen, vielmehr scheint das Handeln geprägt von Pragmatismus und Realismus. Priorität hat der Abschluss der Hinrunde, was möglich sei, wie Desch und Schneider glauben. „Ich hoffe einfach, dass wir nach Ostern wieder spielen dürfen“, sagt der Präsident mit Blick auf den Kalender. „Wenn das klappt, dann bekommen wir die Vorrunde hin.“ Sollte es darüber hinaus möglich sein, in manchen Ligen auch noch Play-off-Runden auszutragen, stehe er dem nicht im Wege. „Da haben die Kreise für ihre Klassen freie Hand.“ Doch was passiert bis zum denkbaren Neuanfang nach vielleicht gut fünf Monaten Pause? Wie im vergangenen Jahr, als aus der Unterbrechung Mitte März 2020 am Ende ein Saisonabbruch wurde, der zwar Aufsteiger hervorbrachte, aber keine Absteiger, setzt Desch auf Dialog. „Ich plane im Februar fünf Videokonferenzen mit den Vereinen“, kündigt der FVR-Boss an. Er holt die Basis also wieder mit ins Boot, um ein Stimmungsbild zu bekommen, das über seine eigene Einschätzung, die der Verbandsgremien und Kreise hinausgeht. „Wenn am Ende herauskommt, dass alle die Annullierung wollen, dann machen wir das“, gibt sich Desch demokratisch. Für den Spielausschussvorsitzenden Bernd Schneider ist aktuell nur eine Sache klar: „Je später wir anfangen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir ein sportliches Ergebnis für diese Saison bekommen.“ Deswegen setzt der Funktionär aus Wissen bereits einen Schwerpunkt: „Der Pokal genießt Priorität, den wollen wir durchziehen.“ Dies halte er auch dann für möglich, wenn parallel die Ligen wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen haben sollten. Hintergrund ist dabei – wie in der Vorsaison –, dass es für die Vereine, aber auch für den Verband im Pokal um bares Geld geht. Für die Verbandsklassen setzt Schneider den 13. Juni als fixes Datum für das Ende der Saison, Desch kann sich vorstellen, auch darüber hinaus noch zu spielen. „Wenn wir die Hinrunde abschließen können und noch Zeit ist, dann wären weitere Begegnungen etwa als Freundschaftsspiele denkbar“, sagt er und verweist darauf, man müsse flexibel bleiben. Dass es dabei aber auch Grenzen gibt, macht Schneider klar. Realistisch betrachtet sei einiges, was vielleicht denkbar ist, Utopie. Und so betont der Spielausschussvorsitzende: „Ich werde nichts unter unmenschlichen Bedingungen durchziehen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 23. Januar 2021

Pause bis Ostern?

Das bedeutet die Lockdown-Verlängerung

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten haben getagt, diskutiert und entschieden: Der Lockdown wird bis 31. Januar verlängert, und damit bleiben auch die Einschränkungen im Breiten- und Freizeitsport erhalten, schließlich sind Fitnessstudios und Sportanlagen geschlossen. Doch welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf den regionalen Fußball? Auf den ersten Blick keine. In seiner Dezember-Sitzung hatte des Präsidium des Fußballverbandes Rheinland (FVR) den Spielbetrieb bis Ende Februar ausgesetzt. Rein theoretisch ist also möglich, dass nach dem Ende des Lockdowns ab Anfang Februar wieder trainiert und ab Ende Februar um Punkte gespielt werden darf. Realistisch ist diese Annahme jedoch nicht. Es ist kaum zu erwarten, dass nach dem Ende des scharfen Lockdowns direkt wieder die Abstandsregeln so gelockert werden, dass geregeltes Training möglich ist. Und das ist nach der langen Pause eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme des Spielbetriebs. Vielmehr ist wahrscheinlich, dass sich die Fußballer Schritt für Schritt wieder an normale Bedingungen herantasten müssen, beispielsweise über Training mit Abstand und/oder in Kleingruppen. Dazu kommt noch das drohende Zuschauerverbot. Ohne Besucher lehnen die Klubs bekanntlich Spiele ab. Unter dem Strich zeichnet sich deshalb nach der neuen Entscheidung ab, dass nicht vor Ostern (erstes April-Wochenende) komplette Spieltage ausgetragen werden können ...

Quelle: Rhein-Zeitung vom 08. Januar 2021

Corona macht sich auch den Sport zum Spielball

Wie das Virus den Kampf um Tore, Punkte und Siege zur Nebensache degradiert – Binnen Tagen nimmt die Krise Fahrt auf – Funktionäre als Getriebene

Es ist wie in der großen Politik an diesem 1. Oktober. Während Bernd Schneider als Spielausschussvorsitzender des Fußballverbandes Rheinland (FVR) beteuert, er habe angesichts der sich anbahnenden zweiten Pandemiewelle noch keine Sorgenfalten auf der Stirn, zieht der Fußballkreis Westerwald/Wied eigenmächtig die Corona-Reißleine. Föderalismus ist in diesen Zeiten überall – auch im Sport und erst recht im Fußball. Dabei geht es den Verantwortlichen im Westerwald nicht um ein Ausscheren von der vorgegebenen Linie. Was der Kreisvorsitzende Mike Leihbauer, sein Sachbearbeiter Jens Bachmann und ihr Vorstand an diesem Donnerstagabend vor allem wollen, ist Sicherheit. Niemand soll seine Gesundheit aufs Spiel setzen, weil er bei einem Spiel mitwirkt, in dem es um die Banalität von drei Punkten geht. Kernige Aussagen im bajuwarischsöderschen Stil sparen sich die Verantwortlichen, sie müssen sich nicht für kommende Wahlen positionieren. An diesem Tag glauben sie einfach auf das reagieren zu müssen, was die Kreisverwaltung in Neuwied angesichts steigender Fallzahlen mit dem eiligst angeordneten Verbot von Kontaktsport als Rahmen vorgibt. So begründen die Westerwälder auch das eigene Handeln. Ihrer Zeit sind sie mit dieser Konsequenz voraus, es soll noch 26 Tage dauern, ehe auch die Verbände reagieren und den Amateurfußball zum zweiten Mal in diesem vermaledeiten Pandemie-Jahr 2020 wieder herunterfahren.

Rückblende: Anfang des Jahres kann Corona dem Fußball noch nichts anhaben. In den Hallen wird munter gekickt, auch nach der Winterpause ist die Witterung ein größerer Gegner als das sogenannte neuartige Virus aus China. Doch im März überschlagen sich die Ereignisse dann auch im Sport, ehe am Freitag, dem 13., neben der Schließung der Schulen auch der Abpfiff für den Sport beschlossene Sache wird. Kein Fußball mehr, auch kein Handball, kein Tischtennis – Schluss, Aus, Ende! Was folgt, ist eine nie gekannte Leere. Und die Zeit der Spekulationen. Ähnlich wie Politiker, die versuchen, die richtigen Entscheidungen für eine ungewisse Zukunft zu treffen, stochern auch die Verantwortlichen des Sports im Dunkeln. Wer für Hallensportarten zuständig ist, hat es leichter in diesen Tagen. Es stehen nur noch zwei, drei Spieltage an, da fällt es nicht sonderlich schwer, den Abbruch der Saison zu verkünden und sich in Auf- und Abstiegsfragen großzügig zu zeigen. Diskussionen gibt es da keine. Beim Fußball ist die Lage eine andere. Die Rückrunde hat gerade erst begonnen, die Grundlage für eine Wertung scheint nicht gegeben zu sein. Die Hoffnung, die sich einige Tage halten soll: Irgendwann geht’s einfach weiter. Doch ein solches Happy End, das gibt es nicht. Von der Suche nach der „Lösung mit den wenigsten Nachteilen“ spricht Ende März Norbert Weise, der Rechtswart des Fußballverbandes Rheinland. Als Jurist weiß er, dass es längst nicht mehr um die Frage geht, wer in der nächsten Saison eine Klasse höher oder tiefer spielt. Vielmehr ist die Aufgabe, sich irgendwie mit einem Gegner zu arrangieren, der viel stärker ist als man selbst. Und dabei den Rahmen rechtlich so zu gestalten, dass es möglichst wenig Grund gibt, gegen die getroffenen Entscheidungen vorzugehen. Der Weg, den die Verantwortlichen beim FVR in den folgenden Tagen beschreiten, weicht von dem der Politik etwas ab. Präsident Walter Desch sucht den Dialog, klopft ab, wie die Stimmungslage bei den Vereinen ist, lässt am Ende sogar abstimmen, für welches Szenario sich die Basis entscheiden würde. Ein bisschen ist es wie bei den Gerichtsinszenierungen, die auf Basis der Romane Ferdinand von Schirachs großes TV-Publikum in Wallung bringen. Es gibt kein Richtig oder Falsch in diesem Spiel – aber die Frage wird trotzdem gestellt: Wie würdest du entscheiden? Die Funktionäre, längst selbst Getriebene der Pandemie, wissen sehr wohl: Sagen die Vereine jetzt A, B oder C, dann sind sie mit im Boot und können sich hinterher nicht beschweren, wenn’s schiefläuft. Am 23. April, knapp sechs Wochen nach der Unterbrechung der Saison, legt sich der FVR – nach einer zwischenzeitlichen Verlängerung der Pause „bis auf Weiteres“ – dann endgültig fest und plädiert selbst für einen Abbruch. Es soll der aktuelle Tabellenstand zählen und bei Punktgleichheit eine Quotientenregelung bemüht werden. Aufsteiger soll es geben, Absteiger hingegen nicht. Abgesegnet wird dieser Weg am 16. Mai durch den Beirat, das höchste Gremium des Verbandes. Nach der Entscheidung spricht Präsident Desch von „schwierigen Zeiten“, vor denen er seinen Verband sehe. Mit Blick nach vorne meint er: „Einen Start am 1. September fände ich schön. Aber ich bin skeptisch, ob wir in diesem Jahr überhaupt noch mal spielen.“

Zeitsprung: Die Sommerferien stehen bevor. Seit dem Abbruch der Corona-Saison 2019/20 sind zehn Wochen vergangen, Deutschland hat die Pandemie satt. Die Zahlen sind niedrig, keiner kennt mehr wen, der jemanden kennt, für den Corona kürzlich ein Problem war. Und so ist es Aufbruchsstimmung, die Walter Desch in die Offensive treibt. Der FVR-Präsident bittet zur Pressekonferenz und skizziert dort seine Pläne. Am 2. Juli kündigt er forsch an, dass der Ball schon am 8. August wieder rollen könne. Damit liegt er fast richtig, eine Woche später werden tatsächlich die Halbfinalspiele im Rheinlandpokal nachgeholt. 500 Zuschauer sehen am 15. August das 1:0 des FV Engers gegen die Eisbachtaler Sportfreunde, 350 sind es beim 2:1 des FC Karbach gegen Rot-Weiß Koblenz. Der Fußball ist zurück – auch bei den Amateuren. Zwischen den Zeilen klingt durch: Wir haben die Lage im Griff, wir haben das Spiel gewonnen. Doch die Zeiten sind trügerisch, und Corona ist der widerwärtigste Gegner aller Zeiten. Schon in der Vorbereitung auf den regulären Saisonstart, den sie beim FVR auf Anfang September terminieren, müssen die ersten Spieler und Trainer, teils ganze Mannschaften in Quarantäne. Schulbeginn, Reiserückkehrer, Unvernunft – es sind im Sport die gleichen Probleme, die allenthalben Sorgen bereiten. Wieder ist es der Kreis Westerwald/Wied, der in den Fokus gerät. Am letzten Septemberwochenende sorgt ein einziger Coronafall für Absagen in gleich drei unterschiedlichen Spielklassen, kurz darauf muss Oberligist Eisbachtal in Quarantäne. Der Fußball, das zeigt sich in diesen Tagen, macht Corona sichtbar. Jeder Fall schlägt durch und ist abzulesen an den Spielabsagen kreuz und quer durch die Ligen. Der FVR reagiert erst zögerlich, dann trotzig. Nach den Erfahrungen vom 1. Oktober mahnt er seine Kreise an, Absagen in großem Stil nicht eigenmächtig zu veranlassen, sondern abzusprechen. Noch am 22. Oktober teilt der Verband mit, ein Aussetzen der Saison sei für den FVR kein Thema, um fünf Tage später, am 27. Oktober, dann doch selbst die Corona-Reißleine zu ziehen. Zum Jahreswechsel liegen fünf Szenarien auf dem Tisch, wie es weitergehen könnte mit der Fußballsaison. Eine Entscheidung steht aus.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. Dezember 2020

Desch: Hinrunde bekommen wir in allen Ligen hin

FVR-Präsident ist nach der Aussetzung des Spielbetrieb bis Ende Februar optimistisch – Keine Saisonverlängerung über 30. Juni hinaus

Das Präsidium des Fußballverbandes Rheinland (FVR) hat genau wie der Regionalverband Südwest (für die Oberliga der Männer, die Frauen-Regionalliga und die Jugend-Regionalligen zuständig) beschlossen, den derzeit auf Grund der Corona-Pandemie ruhenden Spielbetrieb frühestens am Wochenende 27./28. Februar 2021 wiederaufzunehmen (wir berichteten). Voraussetzung dafür ist jedoch nach wie vor die aktuelle Verfügungslage von Bund und Ländern. „Die Politik entscheidet, wann wir wieder spielen dürfen“, sagt Verbandspräsident Walter Desch: „Wann das sein wird, das ist alles Spekulation. Aber wir haben eine klare Linie, wie wir vorgehen, wenn es wieder weitergeht.“ Die „klare Linie“ sind die fünf bei der Aussetzung des Spielbetriebs Anfang November vom FVR entworfenen Szenarien: Bei Szenario 1 ist eine Komplettrunde möglich, bei Szenario 2 wird nach abgeschlossener Hinrunde das Play-off-System (Auf- und Abstiegsrunde) angeschlossen und beendet, bei Szenario 3 und 4 könnte nach abgeschlossener Hinrunde die Rückrunde nicht beendet werden (im ersten Fall würde der Stand der Hinrunde zählen, im zweiten Fall würden alle ausgetragenen Spiele gewertet werden und die Quotientenregelung greifen), und bei Szenario 5 würde die Saison annulliert werden. Aufgrund der unterschiedlichen Staffelgrößen sind verschiedene Wege möglich, um die Saison in allen Ligen mit einer Wertung und somit mit Auf- und Absteiger abzuschließen. „Es wird keine Verpflichtungen von oben geben“, sagt Desch. Das heißt: Sollte in einer Liga eine Komplettrunde (wie zum Beispiel in kleineren unteren Männer-Klassen oder in Frauen- oder Jugendstaffeln) möglich sein, kann Szenario 1 dort durchaus greifen. Für die größeren Ligen – vor allem die 18 Mannschaften starke Rheinlandliga und die teils ebenfalls 18 Teams umfassenden Bezirksligen bei den Männern – kann Desch das Szenario 1 (Komplettrunde) jetzt schon ausschließen. „25 Spieltagen stehen dort noch aus, das werden wir nicht hinbekommen“, sagt Desch. Wie die Saison in den einzelnen Ligen zu Ende geführt werden soll, das sollen die Vereine mitentscheiden – frei nach dem Motto: „Jede Liga macht, was sie für richtig hält.“ Desch sagt: „Wir werden die Vereine einbinden, Ende Januar, Anfang Februar werden in den Verbandsklassen Videokonferenzen stattfinden, auch in den Kreisen ist das angedacht.“ Flexibilität ist das große Schlagwort, um die Saison mit einer Wertung zu beenden – und eine Annullierung der Runde zu vermeiden. Das ist für den FVR und Desch das große Ziel. Ebenfalls „höchste Priorität“ hat für ihn und seine Mitstreiter die Durchführung des Rheinlandpokals – auch wegen der damit verbundenen Sponsorengelder. Am 29. Mai 2021 findet das Endspiel der Männer in Koblenz statt, das steht mittlerweile fest. Auch die Kreispokal-Wettbewerbe, die ebenfalls gesponsert werden, haben großes Gewicht. Zwei Wettbewerbe, die natürlich mögliche Spieltermine unter der Woche für die Ligen blockieren könnten. Deshalb ist es nicht unwahrscheinlich, dass man – wenn es wieder losgeht – sich in den einzelnen Klassen nicht zu viele Spieltage vornimmt. Weniger könnte mehr sein, auch weil es natürlich Rückschläge geben kann (Corona, Schlechtwetter, Zuschauerverbot). Dass die Saison über den 30. Juni 2021 hinaus verlängert wird, das ist ausgeschlossen, das bekräftigt auch Desch: „Das würde nur wieder Probleme für die neue Saison 2021/22, die hoffentlich wieder normal verlaufen wird, bringen.“ Das heißt: Bis zum 13. Juni müssen die Runden in Rheinland- und Bezirksligen beendet sein, in den Kreisligen könnte noch bis zum 20. Juni gespielt werden. Die Zeit danach bis zum 30. Juni muss für eventuelle Aufstiegs- und Entscheidungsspiele frei sein. „Am 30. Juni müssen wir in den Ligen eine Wertung und somit Auf- und Absteiger haben“, bekräftigt Desch. Das „Bauchgefühl“ des FVR-Chefs sagt Folgendes zur Zukunft im Rheinland-Fußball: „Ich bin sehr optimistisch, dass wir in allen Ligen eine Halbrunde hinbekommen, in manchen kleinen Klassen sogar eine Komplettrunde.“ Ob der Re-Start am 28. Februar, was aufgrund der aktuellen Lage eigentlich unrealistisch ist, irgendwann im März oder erst nach Ostern im April erfolgt, für die Vereine wird es mindestens eine zweiwöchige Vorlaufzeit geben. Dass zwei Wochen Vorbereitung nach einer so langen Fußballpause sehr wenig sind, das weiß auch Desch: „Auch da wird es sachgerechte Entscheidungen geben. Ein Rheinlandligist muss mindestens vier Wochen Vorbereitung haben, das ist mir schon bewusst. Ob das bei jedem C-Klässler so sein muss, bezweifele ich.“ Eine weitere Thematik, die den Spielplan beeinflussen wird. Dass sein FVR mit seinen Spielleitern in Absprache mit den Vereinen gute Entscheidungen treffen wird, um die Saison vernünftig zu Ende und in die Wertung zu bringen, da ist sich Walter Desch übrigens sicher: „Wir werden das gut hinbekommen. Die Vereine haben Vertrauen in uns, sie wissen, was los ist.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 21. Dezember 2020

FVR-Prämisse: So lange spielen, wie es geht

Verbands-Spielausschussvorsitzender Bernd Schneider glaubt nicht, dass der Ball Ende Februar wieder rollt –
Ober- und Rheinlandliga haben bis zum 13. Juni Zeit

Der Fußballverband Rheinland (FVR) und der für den Spielbetrieb in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar zuständige Regionalverband Südwest haben am Donnerstagabend bekannt gegeben, dass sie den Spielbetrieb nicht vor dem 27. Februar wieder aufnehmen (wir berichteten). „Und ganz ehrlich“, sagt der FVR-Spielausschussvorsitzende Bernd Schneider, „werden wir mit gesundem Menschenverstand und realistischem Denken auch dann noch nicht wieder loslegen. Ich kann mir das in Anbetracht der aktuellen Pandemie-Situation nicht vorstellen.“ Trotzdem hat der Verband seinen Vereinen zumindest einen Anhaltspunkt gegeben. „Wir sind verpflichtet, für eine Planungssicherheit zu sorgen“, erklärt Schneider, der aber fest davon ausgeht, dass im kommenden Jahr ein neuer, späterer Termin ins Visier genommen werden muss, ab wann der Ball wieder rollen kann.

Hauptrunde muss komplett sein

Ein Blick auf die aktuellen Tabellen zeigt, dass im Frühjahr vor allem in den höheren Spielklassen eine große Terminnot droht. Aufgrund nachfolgender Aufstiegsspiele müssen die Runden in der Ober- und Rheinlandliga bis zum 13. Juni abgeschlossen sein. „Für die Bezirksligen und die Klassen darunter haben wir noch keine Zeitpläne aufgestellt“, sagt Schneider zum Stand der Dinge. Um eine wertbare Saison hinzubekommen, muss in der Oberliga die in zwei Zwölfer-Staffeln aufgeteilte Hauptrunde komplett absolviert sein. „Wenn auch nur eine Partie fehlt, ist keine Wertung möglich“, macht der Funktionär aus Wissen deutlich. Auch wenn im Frühling weiterhin davon ausgegangen werden muss, dass immer mal wieder Partien ausfallen – sei es aufgrund der Pandemie oder der Witterungssituation geschuldet – stehen die Karten gut, die Hauptrunde über die Bühne zu bekommen. Zwischen 16 (FV Engers) und 13 (Hassia Bingen, TuS Koblenz, FSV Salmrohr) Begegnungen stehen für die Mannschaften der Nord-Gruppe, in der sämtliche heimische Vertreter einsortiert sind, noch aus. Für eine aussagekräftige Rheinlandliga-Tabelle ist es notwendig, (mindestens) die Hinrunde zu beenden. Davon sind die Teams zwischen neun und elf Begegnungen entfernt – machbar mit der einen oder anderen Englischen Woche, ohne die Protagonisten auf dem Rasen über die Grenzen des Zumutbaren hinaus zu belasten. Für den FVR gibt es zwei Optionen: ein Abbruch der Saison, nachdem eine Halbserie absolviert ist, oder so viele Partien wie möglich zu absolvieren und dann im wahrscheinlichen Fall von unterschiedlichen Anzahlen absolvierter Begegnungen wie schon in der abgebrochenen Spielzeit 2019/20 die Quotientenregelung anzuwenden. Die Funktionäre aus Koblenz haben hier einen klaren Favoriten. Schneider: „Wir wollen so lange spielen wie es geht. Wie viele Partien es dann letzten Endes sein werden, ist momentan nicht abzuschätzen.“ Eines ist aber schon jetzt ausgeschlossen: Eine komplette Serie mit zum Beispiel 34 Spieltagen in der Rheinlandliga wird es nicht geben. Dafür hätte in etwa der FC Bitburg noch 28 Pflichtspiele vor der Nase – und das (im Idealfall) binnen 16 Wochen. Vorrangiges Ziel sei es dabei, die Mannschaften bei der Zahl bestrittener Begegnungen so dicht wie möglich beieinander zu halten, damit die Tabelle nach Anwendung der Quotientenregelung keine größeren Verschiebungen erfährt. Daher versuche man, bereits so früh wie möglich Nachholspiel-Altlasten aus 2020 zu beseitigen – sofern die Vereine zustimmen, möglicherweise schon während der zweiwöchigen Vorlaufzeit vor der eigentliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Feste Pokalpläne

Pokalsieger soll es im Fußballverband Rheinland, wenn es irgendwie geht, geben. „Wir wollen die Rheinland- und Kreispokalwettbewerbe durchziehen. Hierbei spielen auch Sponsorengelder eine Rolle“, sagt Schneider.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 19. Dezember 2020

FVR: Bald nur noch drei Kreise statt drei Bezirke?

Fußballverband will dem Schwund an Mannschaften Rechnung tragen

Der Fußball in Deutschland basiert seit jeher auf einer pyramidenartigen Ligenstruktur. Dieses durch Auf- und Abstieg verzahnte hierarchische System ermöglicht es theoretisch jedem Verein, in – gemessen an der Masse an Mannschaften – relativ kurzer Zeit bis in die Bundesliga aufzusteigen und schlussendlich Deutscher Meister zu werden. Nun wird selbst der ambitionierteste Kreisligist wohl kaum ernsthaft danach streben, irgendwann mal im Anschluss an den letzten Spieltag einer Saison einen Autokorso starten zu können, um den zu Tausenden am Straßenrand feiernden Fans die gewonnene Meisterschale zu präsentieren. Davon zu träumen ist aber natürlich erlaubt. Das Pyramidensystem bietet andere Vorzüge, die im (unterklassigen) Amateurbereich wichtiger sind als die Aussicht auf einen raschen Durchmarsch. Von entscheidender Bedeutung ist die regionale Eingrenzung anhand von Staffeln oder Gruppen. Denn je niederklassiger gespielt wird, desto weniger ist bei den Aktiven die Bereitschaft da, für ein Auswärtsspiel auch mal einen ganzen Tag unterwegs zu sein, so wie das hierzulande ab der Rheinlandliga aufwärts verstärkt der Fall ist. Grundvoraussetzung dafür, dass sich die Spielklassen wie eine Pyramide aufeinander aufbauen lassen, ist jedoch, dass genügend Mannschaften vorhanden sind. Und genau hier ist zumindest im Fußballverband Rheinland (FVR) schon seit Jahren eine rückläufige Entwicklung zu erkennen, die den Funktionären Kopfzerbrechen bereitet – und durch die sie sich mittlerweile auch gezwungen sehen zu handeln, wie Klaus Robert Reuter, der Vorsitzende des Fußballkreises Westerwald/Sieg, erzählt. So habe sich laut Reuter im FVR bereits eine entsprechende Kommission gebildet. Diese arbeitet allerdings nicht etwa an Lösungen, wie sich dieser Trend umkehren oder zumindest stoppen ließe, sondern sucht nach Möglichkeiten, wie dem Schwund an Mannschaften am ehesten Rechnung getragen werden kann.

Corona als Brandbeschleuniger

Die Coronakrise decke die Probleme der Vereine gnadenlos auf und beschleunige die Entwicklung hingehend zu immer weniger Mannschaften nur noch weiter, sagt Reuter, der sich keiner Illusion hingeben will, dass in den nächsten Jahren vielleicht doch noch eine unverhoffte Trendwende einsetzen könnte. „Ich sehe das ja allein in meinem Umfeld. Da wird inzwischen alles andere gemacht – Fahrrad gefahren, gewandert und sonst was – um sich fit zu halten.“ Wenn es im Fußball wieder losgehe, müsse man die Leute „erst mal wieder aktivieren“, denn die Gefahr sei groß, dass sich der eine oder andere in den Monaten der fußballlosen Zeit „an andere Dinge gewöhnt hat und nicht mehr bereit ist, sich bei Wind und Wetter auf den Platz zu stellen“. Dabei ist die zunehmende Abkehr vom Fußball schon seit Jahren Realität. „Wenn man sich allein die Altersstruktur auf den Spielberichten ansieht, erkennt man, dass viele, die in den letzten Jahren aus der Jugend kamen, auf der Strecke geblieben sind.“ Auch die Vereine werden sich in Zukunft vermehrt umschauen müssen, wie sie ihre Kosten decken. Dass infolge der Coronakrise bei den Unternehmen weitaus weniger Geld für Sportsponsoring zur Verfügung stehen wird, liegt auf der Hand. Die entsprechenden Einbußen betreffen letztlich nicht nur ambitionierte Klubs oder Spielgemeinschaften, die ihren Spielern „Gehälter“ zahlen. Selbst der erfolgloseste D-Ligist ist auf derlei finanzielle Unterstützung angewiesen, sei es für ordentliche Spielkleidung, genügend Trainingsutensilien, den Kasten Bier danach oder eine Saisonabschlussfahrt – allesamt nicht zu verachtende Anreize, die so manchen Spieler überhaupt noch bei der Stange halten. Die beängstigende Entwicklung lässt sich auch anhand von Zahlen belegen. Waren in der Spielzeit 2016/17 noch 115 Mannschaften in den Kreisligen Westerwald/Sieg an den Start gegangen, so sind es in dieser Saison nur noch 95 Teams – also 20 weniger, und das innerhalb von nur vier Jahren. Deshalb sahen sich Reuter und Co. im Sommer dazu gezwungen, die Kreisliga C von drei auf zwei Staffeln zu reduzieren, um in allen Klassen einen ordentlichen Spielbetrieb auf die Beine stellen zu können. „Hätten wir auf Biegen und Brechen versucht, wieder drei C-Staffeln zu machen, hätten in jeder Staffel nicht mal zehn Mannschaften gespielt“, verdeutlicht Reuter. Von einer pyramidenartigen Ligenstruktur ist man im Westerwald/Sieg-Kreis nunmehr weiter entfernt denn je. Zurzeit sieht das Konstrukt mit je zwei D-, C-, und B- sowie einer A-Klasse eher aus wie ein senkrecht gen Himmel ragender Wolkenkratzer mit Funkmast.

Jugend als Vorbild

Auf der Suche nach Lösungen, um sich wieder dem nach oben hin gleichmäßig zusammenlaufenden Ligen-Modell annähern zu können, hilft schon ein Blick auf den Nachwuchsbereich. Hier wird bereits seit einigen Jahren in Ermangelung an Masse bei den älteren Jahrgängen kreisübergreifend in einer „Sieg/Wied/Lahn“- Staffel gekickt. Dieses Modell hat sich bewährt und könnte auch bei den Erwachsenen Schule machen, um sowohl quantitativ als auch qualitativ stabile Ligen zu etablieren. Denn das sollte auch bei den Aktiven noch vor dem Bestreben, die Anfahrtswege möglichst gering zu halten, stets an erster Stelle stehen. „Über kurz oder lang wird das bei den Erwachsenen ähnlich aussehen“, taugt für Reuter ein kreisübergreifendes Modell als Vorbild, zumal die Entwicklungen im Jugendbereich ohnehin immer auch ein Spiegelbild dessen sind, wie es einige Jahre später bei den Senioren aussehen wird. Was den Seniorenfußball in seinem Kreis angeht, sieht der Vorsitzende aktuell zwar noch keine Notwendigkeit für gemeinsame Klassen mit den Nachbarkreisen. Doch lange könne man den Status quo nicht mehr aufrecht erhalten – so wie schon jetzt im Fußballkreis Rhein-Lahn, in dem die Strukturen schon seit Jahren diskutabel sind. Insgesamt 51 Mannschaften nehmen dort 2020/21 am Spielbetrieb teil, genau ein Drittel davon gehört dem Oberhaus an. Das ist entschieden zu viel, keine Spur von pyramidenartiger Einteilung. Stattdessen gibt’s somit eine breite Spitze und auf den untersten Ebenen immer weniger Teams. Das schreit förmlich nach einer gravierenden organisatorischen Änderung, weshalb der Rhein- Lahn-Vorsitzende Oliver Stephan schon vor zwei Jahren eine Art „Hilferuf“ abgesetzt habe, wie Reuter erzählt. Neben der Jugend hilft oft auch ein Blick in andere Verbände im DFB ein Stück weiter. Darüber sind sie sich auch der eingangs erwähnten Kommission, die intensiv an der Entwicklung im Rheinland arbeitet und der auch Reuter angehört, im Klaren. Deren Blick schweifte dafür ganz in den hohen Norden genauer gesagt nach Schleswig-Holstein, wo bereits seit zwei Jahren der Spielbetrieb im unteren Bereich des Ligenspektrums völlig losgelöst von jeweiligen Kreisgrenzen organisiert wird. „Wir haben uns mit denen auch schon in einer Videokonferenz ausgetauscht“, erzählt Reuter von der Herangehensweise, sich beim Vorreiter aus dem Norden gewisse Dinge abzuschauen und auf die eigenen Gegebenheiten anzupassen.

Wie läuft’s in anderen Sportarten?

Eine Lösung könnte aber auch vor der Haustür liegen. Nämlich in Sportarten, die ihren Spielbetrieb seit jeher mit weitaus weniger Mannschaften als der Fußball organisieren müssen. Im Tischtennis etwa wurden schon vor Jahren sogenannte „Regionen“ gebildet, in denen sich zum Beispiel Mannschaften aus dem südlichen Teil des Westerwaldes mit Rhein-Lahn-Vertretern messen. Oder im Handball, wo die in der Kreisliga angesiedelte Zweitvertretung der DJK Betzdorf in dieser Saison, sofern sie im neuen Jahr tatsächlich noch anlaufen kann, auf Gegner wie den HV Miehlen (Rhein-Lahn-Kreis), die TG Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) oder die HSG Sinzig (Kreis Ahrweiler) trifft. Wie genau das Ganze letztlich aussehen wird, ist aktuell aber noch Zukunftsmusik. Reuter lässt zumindest durchblicken, dass es künftig nicht mehr drei Bezirke mit insgesamt neun Kreisen, sondern vielleicht nur noch drei große Kreise geben könnte. Was den Ost-Bezirk angeht, der sich bekanntlich aus den Kreisen Westerwald/Sieg, Westerwald/Wied und Rhein-Lahn zusammensetzt, wäre es auch denkbar, dass sich die beiden erstgenannten zu einem „Fußballkreis Westerwald“ zusammenschließen, während sich das Rhein-Lahn-Gebiet eher in Richtung Koblenz orientiert. So oder so werde es „unumgänglich sein, historische Hemmnisse abzubauen“, bringt es Klaus Robert Reuter auf den Punkt. Und das am besten bis zum nächsten Verbandstag, der 2022 in Trier ansteht – und auf dem das, was die Entwicklungskommission bis dahin ausarbeiten will, erst einmal zur Abstimmung kommen und sich herausstellen muss, ob sich die Arbeit überhaupt gelohnt hat. „Wir wollen das gewissenhaft vorbereiten und den Vereinen dann auch frühzeitig präsentieren“, kündigt Reuter schon mal an.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 07. Dezember 2020

Doppeleinsätze führen nicht zu Spielverlusten

„Sprengung“ der in der Corona-Verordnung verankerten Kleingruppenregelung hat keine Bedeutung für das Sportrechtliche

Wer am gleichen Kalendertag einen Spieler in zwei Mannschaften einsetzt, der verstößt derzeit zwar gegen die Corona-Verordnung, hat rein sportlich gesehen aber keine Wertung am Grünen Tisch zu befürchten. Das hat Norbert Weise, der Rechtswart des Fußballverbandes Rheinland (FVR), jetzt gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Der Westerwald/Sieg-A-Ligist VfL Hamm hatte in Person seines Trainers Stefan Hoffmann gegen die 2:8-Niederlage im Spiel gegen die DJK Friesenhagen Protest eingelegt, weil der Gegner in der 82. Minute Kai Schwarz einwechselte, der drei Stunden zuvor schon in der D-Klasse-Partie der DJK-Reserve gegen SG Mittelhof-Niederhövels III (11:2) auf dem Platz gestanden hatte. „Bei unserem Protest geht es uns nicht um die Punkte, sondern darum, eine Wirkung zu erzielen, dass alle Vereine bei dieser Sache sensibilisiert sind und alle gleichermaßen auf die Einhaltung achten“, betont Hamms Trainer Stefan Hoffmann. Auch wenn die Kreisspruchkammer unter dem Vorsitz von Ralf Lichtenthäler (Fluterschen) den Fall erst gar nicht verhandelte, weil die Hämmscher die notwenige Protestgebühr in Höhe von 26 Euro nicht entrichteten, hätte ein Urteil den Protest ebenfalls zurückgewiesen, wie Lichtenthäler erklärt. Denn: Die am 20. August durch den FVR in die Postfächer der Vereine geschickte Regelung, nach der ein Doppeleinsatz an einem Tag zum Verlust der Begegnung führt, widerrief der Verband am 3. September. Da hieß es, dass das zweimalige Auflaufen am gleichen Tag in einer oberen und unteren Mannschaft zwar weiterhin verboten sei, weil die rheinland-pfälzische Corona-Verordnung es mit ihrer festen Kleingruppenregelung verbietet, die Vereine allerdings bei einer Nichteinhaltung kein Urteil zu befürchten haben. „Es ist somit nichts passiert, was die Vereine nicht gewusst hätten“, sagt Ralf Lichtenthäler. Sein Beisitzer in der Kreisspruchkammer, Michael Gerhards, sieht in dieser Anpassung eine Regelung „im Sinne der Vereine“. „Viele hatten vor der Saisonunterbrechung große Schwierigkeiten, ausreichend Spieler zusammenzubekommen.“

Weise klärt Auslegungsproblem auf

Soweit herrschen geklärte Verhältnisse. Was einen mancherorts in Interpretationsschwierigkeiten bringt, ist die Tatsache, dass laut den aktuell gültigen Durchführungsbestimmungen des FVR die Corona-Verordnung des Landes Rheinland- Pfalz in der jeweils gültigen Form zu beachten sei. Weil dieser Hinweis in den Durchführungsbestimmungen steht, sehen mehrere Trainer und Vereinsverantwortliche als Konsequenz bei einem Verstoß nicht nur eine drohende Ordnungsstrafe durch die Behörden, sondern auch eine sportrechtliche Sanktion als angebracht an. FVR-Rechtswart Weise klärt dazu auf: „Beim Punkt der Doppeleinsätze bestand in unserer Präsidiumssitzung im September durchaus Diskussionsbedarf. Wir sind schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass wir einen Verstoß gegen die behördlichen Anordnungen vom Sportrecht fernhalten. Deshalb ist die Passage in unseren Durchführungsbestimmungen, sich an die geltenden Corona-Verordnungen des Landes zu halten als Hinweis auszulegen.“ „Die Corona-Verordnung hat die Vorgabe gemacht, dass wir den Spielbetrieb Anfang November komplett stoppen mussten. Sie sollte jetzt in diesen Zeiten über allem stehen. Es geht um die Eindämmung des Virus und die Senkung des Infektionsrisikos, das sind keine Bagatellen“, schildert Stefan Hoffmann seine Meinung hierzu. Ähnlich sehen sie es bei der SG Westerburg/Gemünden/Willmenrod, deren Geschäftsführer Nils Heinen FVR-Rechtswart Norbert Weise bereits im Oktober in einem Schreiben auf die Situation im Westerwald hingewiesen hat: „Aktuell wird die Fairness von einigen wenigen Vereinen mit Füßen getreten. Dadurch gefährden diese Vereine unser aller Gesundheit und die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs“, bezog er sich auf die Missachtung der Regelung zur Einhaltung fester Kleingruppen. „Die beste Lösung wäre angesichts der aktuellen Lage natürlich, so verfahren viele Vereine auch aktuell, einen Doppeleinsatz zu untersagen. Wenn dies von FVR-Seite wirklich überhaupt nicht sanktionierbar ist, würde uns allen helfen, wenn der Verband zumindest eine eindringliche Empfehlung an die Vereine herausgibt, den Doppeleinsatz zu unterlassen“, äußerst sich Heinen weiter, der sich von einer entsprechenden Aufforderung eine abschreckende Wirkung verspricht. Dazu habe sich das FVR-Präsidium beraten, aber Rechtswart Weise glaubt, dass ein entsprechender Hinweis zum jetzigen Zeitpunkt von den Vereinen „möglicherweise nur in den Ordnern abgeheftet“ werden und schon nicht mehr präsent sein könnte, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird.

Weber: Keine Wiederholung

Weil das Thema inzwischen aber doch einigermaßen hohe Wellen schlägt, kann erwartet werden, dass die Zahl der Fälle sinken dürfte, wenn der Ball wieder rollt und die bis Ende Oktober geltende Regelung zur Einhaltung fester Kleingruppen wieder greift. Darauf deuten auch die Worte von Andreas Weber, Abteilungsleiter der SG Alsdorf/Kirchen/Freusburg/Wehbach, hin. Die Spielgemeinschaft setzte am 11. Oktober gegen den SSV Weyerbusch aufgrund personeller Engpässe aus Verletzungsgründen in Person von Marius Reifenrath einen Akteur sowohl in der ersten Mannschaft als auch im Vergleich der Reserveteams beider Vereine ein. Weber versichert, die Verantwortlichen hätten sich vor dem Anpfiff beim Staffelleiter Wolfgang Hörter rückversichert: „Wir haben die schriftliche Genehmigung vorliegen, dass wir Doppeleinsätze vornehmen dürfen. Daher waren und sind wir uns keiner Schuld bewusst. Wir werden einen Doppeleinsatz in Zukunft aber nicht wiederholen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 27. November 2020

Bachmann: Corona hat uns mal so richtig ausgebremst

Für Bezirksliga-Staffelleiter ist so schnell nicht an Fußball zu denken

Nicht nur Fußballer vermissen ihren Sport, auch Funktionäre wie Jens Bachmann sehnen sich in der Corona-Krise nach Normalität. Doch die sieht der Staffelleiter der Bezirksliga Ost, der zugleich auch als Schiedsrichter und Kreissachbearbeiter des Kreises Westerwald/Wied tätig ist, noch lange nicht.

Wie erlebt der Fußballfan Jens Bachmann die Zeit ohne Spiele, wie der Schiedsrichter Jens Bachmann und wie der Staffelleiter und Kreissachbearbeiter Jens Bachmann?
Die fußballfreie Zeit ist zunächst einmal schlicht und ergreifend ungewohnt und eine völlig neue Erfahrung. Die gewohnten Abläufe fallen komplett weg: Ergebnisse nachschauen, Spielberichte kontrollieren, Spielverlegungen bearbeiten, sich auf ein eigenes Spiel als Schiedsrichter vorbereiten, die Emotionen auf dem Platz, Anfragen von Vereinsvertretern beantworten. Alles weg! Es sind gerade die vielen persönlichen Gespräche mit vertraut gewordenen Personen, die mir fehlen. Von daher kann man schon sagen: Corona hat uns mal so richtig ausgebremst.

Die Winterpause hat durch den Beschluss des FVR-Präsidiums nun begonnen. Wie sehen Sie diese Entscheidung?
Die Entscheidung ist natürlich richtig und wie vermutlich die meisten bin auch ich der Meinung, dass sie überfällig war. Der Lockdown wird uns in irgendeiner Form sicherlich auch in den Dezember hinein begleiten. Wir haben nach wie vor über 20 000 Neuinfektionen, und die Corona-Karte in Rheinland- Pfalz ist rot. Da ist an Fußball nicht zu denken – leider!

Welche Faktoren für den Re-Start sind jetzt aus Ihrer Sicht entscheidend?
Natürlich müssen erst einmal die Infektionszahlen massiv nach unten gehen, bevor wir auch nur eine Sekunde über einen Re-Start nachdenken können. Weiterhin muss aus meiner Sicht gewährleistet sein, dass alle Mannschaften im Vorfeld eine ausreichende Vorbereitungszeit erhalten. Und es ist unabdingbar, dass wir wieder Zuschauer auf den Fußballplätzen begrüßen dürfen. Viele Vereine werden das ansonsten finanziell nicht verkraften.

Ab wann sind Ihrer Einschätzung nach Fußballspiele wieder möglich?
Ich persönlich bin der Meinung, dass man sich bei der Beantwortung dieser Frage ruhig einmal aus der Deckung trauen darf: Es ist mir ein Rätsel, wie ich in der Bezirksliga Ost im Januar in Wallmenroth, Gemünden oder Müschenbach ein Spiel stattfinden lassen soll, um nur mal drei Beispiele zu nennen. Selbst auf Kunstrasen ist es in dieser Zeit schwierig, allein deshalb, weil es immer mehr Gemeinden gibt, die ihre Kunstrasenplätze bei kalter Witterung aus Angst vor Beschädigung sperren. Man muss daher einfach die Realität anerkennen. Im Übrigen entscheidet über die Wiederaufnahme des Sportbetriebs zunächst einmal die Politik. Wenn das Geschehen weiter so dynamisch bleibt, rechne ich weiterhin mit einer langen (Winter-)pause.

Der Verband skizziert fünf Möglichkeiten. Welchen Favoriten haben Sie persönlich?
Am besten wäre es natürlich, die Runde komplett auszuspielen, auch deshalb, weil man hier bei einer schlechten Phase von vier oder fünf Wochen die größte Möglichkeit hat, das Ruder wieder rumzureißen. Das ist bei den anderen skizzierten Varianten nur bedingt machbar. Klar ist aber auch, dass dies im Moment ein reiner Wunschgedanke ist.

Ist Ihrer Meinung nach eine normale Saison mit Hin- und Rückrunde überhaupt noch denkbar?
Da fehlt mir wirklich der Glaube! In der Bezirksliga Ost hat beispielsweise Ellingen noch 25 Spiele zu absolvieren, etwaige Pokalspiele nicht eingerechnet. Wie soll das gehen? Wir können im Amateurbereich nicht eine Englische Woche an die andere reihen. Das wird zwangsläufig zu Verletzungen führen und dies wiederum irgendwann zu Stress auf der Arbeitsstelle. Das geht einfach nicht! In der Kreisliga A Westerwald/Wied sieht es nicht besser aus. Drei Mannschaften haben erst vier (!) Spiele absolviert. Selbst wenn wir die Saison in den Juni hinein verlängern, wäre ein Mammutprogramm zu bewältigen.

Welches Gefühl haben Sie bei den Varianten drei und vier, in denen die Saison vorzeitig beendet wird und entweder nur die Hinrunde gewertet oder alternativ die Quotientenregel angewendet wird?
Die Quotientenregel war am Ende der letzten Saison eine gute Option, da uns der Abbruch ja völlig unvorbereitet getroffen hatte und auf die damalige Situation adäquat reagiert werden musste. Das hat unterm Strich gut funktioniert, wobei es auch damals extrem knappe Fälle gab. In dieser Saison wissen wir, was uns möglicherweise blüht, Corona begleitet uns ja jetzt schon eine lange Zeit. Sollte die Saison tatsächlich vorzeitig beendet werden müssen, wäre es aus meiner Sicht besser, die Hinrundentabelle zu werten und anhand dieser Ergebnisse den Auf- und Abstieg vorzunehmen.

Bei vielen Verantwortlichen aus den Vereinen klingt durch, dass sie Variante zwei, in der die Rückrunde als Play-off-System gespielt wird, durchaus spannend fänden. Wie würde dieses Play-off-System aus Ihrer Sicht gestaltet werden?
Wenn sich die Möglichkeit abzeichnet und wir genügend Zeit bekommen, kann ich dieser Idee einiges abgewinnen. Ich teile die Meinungen der Vereinsvertreter, dass dies zu äußerst attraktiven Spielen führen könnte. Die konkrete Ausgestaltung wäre recht einfach: Die Hinrundentabelle wird halbiert, die „oberen“ Mannschaften spielen den Aufstieg aus, die „unteren“ den Abstieg. Da hat ja jedes Spiel praktisch einen „Allesoder-Nichts-Charakter“. Wenn wir dann noch Zuschauer hätten, könnte diese Variante auch eine echte Entschädigung sein – finanziell und emotional.

Wenn die Zeit drängt, wäre auch ein K.o.-System denkbar. Ist dieser Ansatz zu radikal oder in Ihren Planungen auch eine Möglichkeit?
K.o.-Spiele sind dem Pokal, Hallenrunden, Turnieren und anderen Sportarten vorbehalten. In der Meisterschaft macht das aus meiner Sicht keinen Sinn. In meinen persönlichen Planungen spielt das daher keine Rolle.

Den Kreisen soll freie Hand gegeben werden bei der Umsetzung der Modelle. Welchen Sinn macht das aus Ihrer Sicht?
Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich ein Freund eines geregelten Spielbetriebs bin. Dies gilt für mich auf Kreis- und Verbandsebene gleichermaßen. Ich kann damit wenig bis gar nichts anfangen.

Spielt am Ende jeder Kreis seine eigene Variante?
Ich persönlich hoffe das nicht. Aber auch hier bin ich Realist und weiß, dass es vermutlich so kommen wird, wenn es schon angeboten wird. Da wäre doch die Variante zwei mit Play-offs verbandsweit die weitaus schönere Sache.

Welche Besonderheiten ergeben sich für die Bezirksliga Ost, in der Mannschaften aus drei Fußballkreisen und vier Landkreisen spielen?
Das war schon eine ganz besondere Herausforderung im Oktober.Training hier erlaubt, da nicht, hier Zuschauer, dort keine, dann komplettes Spielverbot in Neuwied, während im Westerwald und im Rhein-Lahn-Kreis munter weitergekickt wurde. Durch die zusätzlichen Fälle im Kreisgebiet wurde es dann am Ende ziemlich unübersichtlich, und es war absehbar, dass es so nicht weitergehen kann. Diese Situation gilt es für den weiteren Saisonverlauf zu vermeiden. Alle Mannschaften müssen unter normalen Bedingungen trainieren können, insbesondere dann, wenn es tatsächlich zu Play-off-Spielen kommen sollte. Und ich wiederhole mich gerne: Amateurfußball ohne Zuschauer ist auf Dauer nicht durchführbar!

Quelle: Rhein-Zeitung vom 21. November 2020

Play-offs hoch im Kurs – doch reicht die Zeit?

Trainer bewerten die vom Fußballverband aufgezeigten Szenarien zur Saison-Fortsetzung

Drei Wochen nach der Unterbrechung des Spielbetriebs hat das Präsidium des Fußballverbandes Rheinland (FVR) nachgelegt und klargemacht, dass es in diesem Jahr keine Spiele mehr geben kann. Damit wolle man den Vereinen „Klarheit und Planungssicherheit“ geben, heißt es. Allein das war sicher keine große Überraschung, allenfalls eine logische Nachbesserung, nachdem am 27. Oktober noch gesagt wurde, der Spielbetrieb sei „bis auf Weiteres“ ausgesetzt und könne eventuell mit zweiwöchigem Vorlauf noch im Dezember wieder aufgenommen werden. Da einen Tag später die Entscheidung der Politik folgte, auch den Trainingsbetrieb zu verbieten, waren die Hoffnungen auf Spiele noch vor dem Jahreswechsel zunichte gemacht. Vom Blick auf die nach wie vor hohen Corona-Fallzahlen ganz zu schweigen. Die Frage, die sich alle Fußballer im Amateurbereich stellen, lautet: Wie geht es weiter? Hierzu stellt der FVR fünf Möglichkeiten in den Raum und gibt seinen Kreisen die Freiheit, dass sie die Anwendung der Szenarien „im Rahmen der weiteren Fortführung der Saison (...) im Einvernehmen mit den spieltechnischen Ausschüssen selbst festlegen“ können. Doch wie sind diese Modelle einzuschätzen? Welche der Varianten (siehe unten „Wie geht es weiter?“) zu favorisieren? Wir haben bei den Trainern heimischer Teams vom Verbandsoberhaus bis auf Kreisebene nachgefragt.

Rheinlandliga

Volker Heun (SG Malberg/Elkenroth/Rosenheim/Kausen):


Ich finde es gut, dass den Mannschaften durch die Entscheidung, in diesem Jahr nicht mehr zu spielen, wenigstens ein bisschen Planungssicherheit gegeben worden ist. Wie es weitergeht, hängt nun nicht mehr vom Verband, sondern von anderen Leuten ab. Ich persönlich denke schon, dass es im Frühjahr Lockerungen geben wird und bin optimistisch, dass die Entscheidungen auf sportlichem Weg herbeigeführt werden können. Am besten wäre es natürlich, man könnte schon im Januar weiterspielen. Die Variante mit Play-offs finde ich nicht schlecht, auch eine erneute Anwendung der Quotientenregelung wäre in Ordnung, dann aber diesmal mit Absteigern.

Thomas Kahler (VfB Wissen):

„So wie im Frühjahr bin ich immer noch der Meinung, dass wenn eine Saison nicht vernünftig zu Ende gespielt werden kann, man sie annullieren sollte, als hätte sie also nie stattgefunden. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung schon beim letzten Mal ziemlich allein dastand. Aber nur diese Variante ist für mich die richtige Form von Gerechtigkeit. Was eine Wiederaufnahme der aktuellen Saison angeht, müsste es auf jeden Fall mehrere Wochen Vorlauf für eine vernünftige Vorbereitung geben. Viele Vereine haben mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, weil die Vorbereitungszeit vor dem Saisonstart gemessen an der Dauer der Zwangspause einfach zu kurz war. Sollte es diesmal ausreichend Zeit dafür geben, würde es wohl erst im März mit der Runde weitergehen. Und ich glaube weder, dass bis dahin wieder alles gut ist, noch dass dann genügend Zeit bleibt, um die Saison vernünftig zu Ende zu spielen. Wie gesagt: Man sollte einfach einen Haken dahinter machen und nächsten Sommer mit derselben Staffeleinteilung von vorne starten.

Torsten Gerhardt (SG Neitersen/Altenkirchen):

„Ich bin froh, dass wir nun Gewissheit haben und es frühestens Mitte Januar wieder losgeht, sodass man sich zumindest mit einer Planung der Wettkampfvorbereitung beschäftigen kann. Bei den aufgezeigten Möglichkeiten wäre mir die normale Durchführung einer Hin- und Rückrunde am liebsten, weil es einfach die sportlich fairste wäre und man von einer normalen Saison sprechen könnte. Die anderen Varianten sind mir genau in dieser Reihenfolge am sympathischsten. Eine normale Hinrunde mit anschließenden Play-offs ist mir auf jeden Fall lieber als ein Abbruch nach der Hinrunde, eine Quotenregelung oder einer gänzlichen Annullierung. Ich halte es für schwierig, dass wir in der Rheinlandliga ab Mitte Januar noch 25 Spieltage ohne Unterbrechung durchgeführt bekommen, von daher wäre das Play-off-Modell mit deutlich weniger Spielen und der dann hoffentlich gegeben Zuschauerfreigabe eine gute Alternative, bei der sich auch kein Verein benachteiligt fühlen müsste.“

Bezirksliga Ost

Jörg Mockenhaupt (SG Weitefeld-Langenbach/Friedewald):


„Am besten wäre es, wenn man die Saison irgendwie durchbekommen würde. Aber das ist bei der Anzahl an ausstehenden Spielen und der Möglichkeit, dass immer wieder mal Spiele ausfallen, ziemlich utopisch. Durch Play-offs wäre immerhin die Anzahl an Spielen geringer. Außerdem wäre diese Variante interessant, weil es das so noch nie gegeben hat. Für wahrscheinlich halte ich eine Wertung der Hinrunde, auch wenn dann manche Teams mehr Heim- und andere mehr Auswärtsspiele bestritten hätten. Am wenigsten begeistern würde mich die Anwendung der Quotientenregelung, bei der dann einige Mannschaften schon gegen stärkere Gegner gespielt haben würden als andere. Bezogen auf die Tabellensituation unserer Mannschaft wäre es das Beste, wenn das Ganze gestrichen und noch mal neu angefangen wird. Aber als Sportler ziehe ich das dann doch als allerletzten Ausweg in Erwägung.“

Torsten Judt (SG Wallmenroth/Scheuerfeld):

„Natürlich wäre es schön, im Januar wieder anzufangen. Allerdings stellt sich dann auch die Frage nach dem Wetter, das uns mit zwei Naturrasenplätzen vor Probleme stellen kann. Play-offs wären unheimlich interessant, vor allem für die Zuschauer – womit wir schon beim nächsten Thema wären, denn ohne Zuschauer macht keine der aufgeführten Varianten einen Sinn. Es müsste gewährleistet sein, dass vor Zuschauern gespielt werden kann. Welche Möglichkeit auch am Ende gewählt wird, sollte es diesmal aber auf jeden Fall Absteiger und nicht wie beim letzten Mal nur Aufsteiger geben. Zwei, drei Wochen Vorlauf wären in Ordnung. Die Voraussetzungen wären dann für jeden gleich, außerdem haben die Spieler zumindest von der Bezirksliga aufwärts im Moment ja auch keinen Stillstand und tun alle was für ihre Fitness.“

Christian Weißenfels (SG Ellingen/Bonfeld/Willroth):

Um die Saison komplett zu Ende zu spielen, fehlt mittlerweile die Zeit. Eine Englische Woche nach der anderen, das funktioniert im Amateurfußball nicht. Die Variante mit den Play-offs ist mein Favorit, weil ich glaube, dass man mit einem solchen Format sowohl für die Spieler als auch für die Zuschauer neue Reize setzen würde, die alle anspornen, was gerade in der aktuellen Situation wichtig wäre. Wenn es im März wieder weitergehen kann, würde dieses Modell auch zeitlich gut funktionieren. Dann würde man noch alle Spiele der Hinrunde inklusive der Nachholspiele austragen können, und anschließend hätte in den Play-offs jeder noch mal die Chance, sich gut zu präsentieren.

Kreisliga A Westerwald/Sieg

Stefan Hoffmann (VfL Hamm):


„Diese Spielzeit wird bis zum Ende unter „Corona-Bedingungen“ gespielt werden. Da diese allen Vereinen insbesondere im Winter die Grenzen aufzeigen, sollte in keinem Fall zu früh mit dem offiziellen Spielbetrieb angefangen werden. Hier hat der Sport seinen Beitrag zu leisten, die Gesundheit steht über jeglichen Auf- und Abstiegsregelungen. Daher schließe ich alle genannten Möglichkeiten aus. Lediglich die Varianten drei und vier spiegeln ansatzweise die Realität wider, denn in diesen geht man unter dem Strich nur von einer abgeschlossenen Hinrunde aus. Eine „halbe Rückrunde“ würde jedoch zwangsläufig zu dem Versuch führen, frühestmöglich zu beginnen und dadurch den Betrieb erneut zu gefährden. Man sollte frühestens ab Mitte März, besser noch ab Anfang April maximal die Hinrunde zu Ende spielen und diese dann als Endtabelle werten.

Ingo Neuhaus (SSV Weyerbusch):

„So sehr wir uns das alle gewünscht haben, halte ich es für ausgeschlossen, dass die Saison sauber und fair zu Ende gespielt werden kann. Bei einem Wiederbeginn frühestens im Januar hat man neben den ganzen Corona-Maßnahmen, die es weiter geben wird, auch noch das Wetter vor der Brust. Ein Play-off-System wäre mal etwas völlig anderes und eine tolle Variante. Natürlich nicht im „Best-of-Three“ oder „Best-of-Five“ wie beim Eishockey, sondern mit einer Aufstiegs- und Abstiegsrunde der Teams aus der oberen beziehungsweise der unteren Tabellenhälfte. Das wäre sehr interessant für alle, die Spieler würden alles geben. Wenn nur die Hinrunde gewertet würde, weil die Rückrunde nicht beendet werden kann, wäre wieder sehr viel Luft bis zum Sommer hin, deshalb halte ich diese Möglichkeit generell für bedenklich. Sollte es aber dazu kommen, sollten die ausgetragenen Spiele der Rückrunde nicht annulliert, sondern wieder der Quotient herangezogen werden. Eine Annullierung der ganzen Saison halte ich für undenkbar, das kann niemand wollen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 19. November 2020

Im Detail

Wie geht es weiter?

Der Fußballverband Rheinland (FVR) hat fünf Szenarien für die seit 27. Oktober aufgrund der angespannten Coronalage unterbrochene Spielzeit 2020/21 skizziert. Diese seien abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie und sollen mit den damit verbundenen Auflagen „stetig überprüft und diskutiert werden“, wie es in einer entsprechenden Mitteilung seitens des FVR heißt. Klar ist seit Dienstagabend, dass in diesem Jahr der Ball nicht mehr rollt. Darüber hinaus bleibe das wichtigste Ziel, dass die Wertung der Saison 2020/21 auf rein sportlicher Basis geschehe. Aus diesem Grund solle zunächst die Hinrunde einheitlich beendet werden, damit jede Mannschaft einmal gegen jede andere Mannschaft gespielt habe, sodass ein vergleichbares und einheitliches sportliches Ergebnis vorliege. Ausgefallene Spiele seien dementsprechend zunächst nachzuholen. Die verschiedenen Szenarien des FVR für den weiteren Fortgang der Saison im Überblick:

Möglichkeit 1:

Die Austragung der kompletten Doppelrunde (Hin- und Rückrunde) 2020/2021; Auf- und Abstieg gemäß Auf- und Abstiegsregelungen; Voraussetzung ist der Wiederbeginn im Januar 2021 und keine Unterbrechung des Spielbetriebs bis Juni 2021.

Möglichkeit 2:

Die Hinrunde wird abgeschlossen und die Rückrunde wird im Play-off-System gespielt; Auf- und Abstiegsregelungen werden durch den Beirat angepasst.

Möglichkeit 3:

Die Hinrunde kann abgeschlossen, aber die folgende Rückrunde nicht beendet werden; die absolvierten Spiele der „halben Rückrunde“ werden annulliert; die Endtabelle der Hinrunde 2020/21 bildet die Abschlusstabelle der Saison 2020/21; Auf- und Abstiegsregelungen werden durch den Beirat angepasst.

Möglichkeit 4:

Die Hinrunde kann abgeschlossen werden, aber die folgende Rückrunde nicht beendet werden; die „halbe Rückrunde“ wird wie ausgetragen gewertet; es wird die Quotientenregelung für die Abschlusstabelle 2020/21 herangezogen; Auf- und Abstiegsregelungen werden durch den Beirat angepasst.

Möglichkeit 5:

Die Saison 2020/21 wird annulliert; alle Mannschaften starten in der Saison 2021/2022 grundsätzlich wieder in der gleichen Staffel; Änderungen werden durch den Beirat angepasst.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 19. November 2020

Kein Fußball mehr in diesem Jahr

Rheinland und Südwesten gehen in die Winterpause

Jetzt ist es amtlich: Spiele unter dem Dach des Fußballverbandes Rheinland (FVR) und des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (SWFV) wird es wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht mehr geben. Die Präsidien haben beschlossen, den Amateur-Pflichtspielbetrieb erst 2021 fortzusetzen. „Dies vor dem Hintergrund, dass eine Aufnahme des Trainingsbetriebes nach aktuellem Stand frühestens ab dem 1. Dezember erfolgen kann – alle Spieler sind zu diesem Zeitpunkt allerdings mindestens vier Wochen ohne Mannschaftstraining“, heißt es in der FVR-Presseerklärung. Laut FVR könnte der Ball bei den Amateuren am Wochenende 15. bis 17. Januar 2021 wieder rollen – vorausgesetzt, die Corona-Lage macht es möglich. Der Südwesten terminierte seine Winterpause offiziell bis zum 6. Januar. Was die Fortsetzung und Wertung der Saison angeht, nennt der FVR fünf Szenarien. Die Ideallösung wäre, die Saison als komplette Hin- und Rückrunde mit den bekannten Auf- und Abstiegsregelungen. Möglich ist auch, dassdie Hinrunde abgeschlossen und die Rückrunde in einem Play-off- Modus gespielt wird. Szenario drei sähe vor, nur die Hinrunde zu werten, so die Spiele der Rückrunde nicht komplett absolviert werden können. Auf- und Abstieg regelt der Beirat. Variante vier: Eine nicht komplett gespielte Rückrunde wird wie ausgetragen gewertet, dann greift die Quotientenregelung. Die unbeliebteste Variante wäre die Annullierung der Saison 2020/21.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 18. November 2020

Manche Spieler würden auf die Winterpause verzichten

Fußball: Trainer, Funktionäre und Aktive skizzieren ihre Vorstellungen zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Wettkampfpause

Wie geht es weiter in den Fußballligen nach dem Monat November? Kann der Ball noch in diesem Jahr wieder rollen oder ist die Aussetzung der Runden schon gleichbedeutend mit dem Beginn einer langen Winterpause? Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland, warf – die Witterungsfrage einschließend – kürzlich im Interview mit unserer Zeitung die Frage in den Ring, ob es überhaupt eine Winterpause geben muss. „Wenn wir wieder spielen dürfen, setzen wir den Spielbetrieb sofort wieder an, auch wenn wir wissen, dass es in dieser Jahreszeit schwierig wird, komplette Spieltage austragen zu können. Aber das muss man dann wesentlich flexibler gestalten“, so eine der herausstechenden Aussagen des Funktionärs aus Alterkülz. Wie stehen Spieler und Trainer dazu?

Enis Caglayan (Spielertrainer der SG Gebhardshainer Land/Steineroth):

„Ich erachte es vor dem Hintergrund von Verletzungen als schwierig, den Spielbetrieb im Dezember wieder aufzunehmen. Schon nach der langen Pause im Frühjahr gab es überdurchschnittlich viele Verletzungen, was durchaus mit den eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten zusammenhängen kann. Natürlich werden die Jungs mehr oder weniger sporadisch individuell trainieren, aber der Fußballer an sich ist in der Regel ein Faulpelz, und Lauftraining bringt fußballspezifisch nicht viel. Richtungswechsel zum Beispiel sind schwierig zu simulieren. Einen früheren Start im neuen Jahr halte ich für sinnvoll, wobei drohende Wintereinbrüche natürlich eine Rolle spielen. Vor allem die Westerwälder Mannschaften könnten unter den Trainingsbedingungen leiden. Insgesamt sind wir uns alle einig, dass es Wichtigeres gibt als Fußball, jedoch wäre es schade, wenn der komplette Amateurfußball ausgeschaltet werden würde.“

Yannik Becker (Kapitän des VfB Linz):

„Ich bedaure es zutiefst, dass wieder alles abgebrochen wurde. Ich habe Berichte gelesen, in denen stand, dass das Infektionsrisiko beim Fußball sehr, sehr gering sei. Die Bedingungen in der Kabine und beim Duschen hätte man sicherlich durch gewisse Regularien richten können. Unsere Mannschaft hat einen Trainingsplan für die kommenden Wochen erhalten, um sich fit zu halten. Demnach stünde einem Wiedereinstieg im Dezember nichts im Wege, worüber ich mich sehr freuen würde. Bezüglich der Winterpause muss ich sagen, dass ich mich, falls möglich, dafür aussprechen würde, diese ausfallen zu lassen. So wenig Fußball wie in diesem Jahr, habe ich glaube ich noch nie gespielt, sodass eine Winterpause nicht nötig ist. Der Körper ist recht ausgeruht und ich will unbedingt, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Da die Hallensaison sowieso schon abgesagt wurde, würde ich den ganzen Winter durch spielen wollen, um alle abgesagten Spiele nachzuholen.“

Daniel Korzilius (Staffelleiter Kreisligen C und D Westerwald/Wied):

„Ich habe das Gefühl, dass wir eine komplette Halbserie, die für eine Wertung der Saison notwendig ist, durchbekommen. Danach wird man sehen müssen, was darüber hinaus machbar ist. Aber eine komplette Runde durchzupeitschen, geht kaum. In unserer A-Klasse hätten manche Teams noch 20 Spiele vor sich. Im Dezember Begegnungen anzusetzen, halte ich für komplett unrealistisch. Gerade in der D-Klasse wird man keine Mannschaft motivieren können, zum Beispiel am 15. Dezember noch einmal zu spielen. Schon als der Kreis Neuwied den Spielbetrieb wieder freigegeben hat, wollte mehr als die Hälfte der C-und D-Ligisten nicht spielen. Aus rein sportlicher Sicht halte ich es für denkbar, die Winterpause zu verkürzen und vielleicht Mitte Januar wieder einzusteigen. Das wird für die Vereine, die nur Rasenplätze zur Verfügung haben, jedoch ein großes Problem.“

Philipp Euteneuer und Ansgar Brenner (Jugendleiter der SG 06 Betzdorf):

„Im Dezember kommen einige Probleme auf uns zu: Wenn ich an unsere beiden Rasenplätze in Betzdorf denke, wird dort nicht viel zu machen sein, und auch generell wird es zu vielen Ausfällen aufgrund unbespielbarer Plätze kommen. Außerdem ist es nicht verantwortlich, einen D- oder E-Jugendlichen bei den kalten Temperaturen auf den Platz zu schicken. Nachholspiele nach der Winterpause sind auf Kreisebene problemlos unter der Woche abzuwickeln, aber ich kann nicht unter der Woche mit einem 15-Jährigen nach Wittlich fahren, wenn dort um 19.30 Uhr ein Spiel beginnt und er am Tag darauf morgens in die Schule muss. Das funktioniert nicht. Egal, wie man es macht: Unter den momentanen Gegebenheiten ist es schwierig, einen machbaren Weg zu finden. Es ist wichtig, vor allem den Kontakt zu den Jugendspielern zu halten, damit sie sich im Kopf weiterhin mit dem Sport beschäftigen. Ich vertrete die Meinung, dass es richtig ist, die Spiele derzeit auszusetzen, die Duschen, Kabinen und Sportlerheime dichtzumachen. Aber lasst den Kindern und Jugendlichen das Training. Nach einem gewöhnungsbedürftigen Alltag bleibt so zumindest etwas Normalität erhalten, zumal das Infektionsrisiko beim Fußball kaum vorhanden ist.“

Stefan Bischoff (Trainer der SG Puderbach/Urbach-Dernbach/Daufenbach/Raubach):

„Was auf keinen Fall passieren darf, ist ein weiterer Abbruch der Saison, weil der Verband sonst seine Glaubwürdigkeit verliert. Ich will immer so viel Fußball spielen wie es geht, aber Spiele nur auf Kosten der Gesundheit der Spieler durchzukloppen, ist in der Kreisliga nicht möglich und irgendwann auch Wettbewerbsverzerrung. Eine komplette Halbserie wird ziemlich sicher zustande kommen, und dann darf sich kein Verein beschweren oder rausreden. Alle kannten die Situation nämlich schon vor Saisonbeginn. Auch wenn wir nicht mehr die strengen Winter von früher haben, gilt es zu beachten, dass die Spieler nach Training oder Spielen irgendwann nicht mehr erst zu Hause duschen können. Dann stehen wir vor der Problematik, dass die Corona-Infektionen nicht auf, sondern neben dem Platz – zum Beispiel in der Kabine oder in der Dusche – entstehen. Ich bin dafür, dass der Ball rollt, aber nur da, wo und so lange es Sinn macht.“

Thomas Nauroth (Vorsitzender des VfB Wissen):

„Die Gesundheit aller steht an erster Stelle. Aus diesem Grund sollte der Verband mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs so lange warten, bis eine deutliche Besserung des Infektionsgeschehens eintritt. Noch im Dezember wieder loszulegen, macht für mich keinen Sinn, auch weil Spiele ohne Zuschauer sowohl aus finanzieller Sicht, als auch nach dem, was die Spieler empfinden, nichts bringen. Ich wäre dafür, falls es die Situation zulässt, den Januar zu einer vierwöchigen Vorbereitung zu nutzen und dann Anfang Februar die Restrunde zu beginnen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 10. November 2020

Lasst nicht zu lange Spinnennetze an Tornetzen wachsen!

Gedanken zur Unterbrechung im Fußball speziell und im Sport generell – Vorschlag: Winterpause verkürzen, um Puffer zu schaffen und keinen zu verlieren

Die Fußballer haben Winterpause. Das ist zwar noch nicht in Stein gemeißelt, aber machen wir uns nichts vor nach dem erneuten Aussetzen der Saison und den folgenden Verboten seitens des Bundes und der Länder: Es wird so kommen. Jetzt dreht sich die Welt in den nächsten Wochen auch ohne Fußball, Handball, Tischtennis, Tennis, Volleyball, Basketball, Eishockey, Hockey, Schwimmen oder Leichtathletik weiter. Keine Frage. Es gibt Bereiche in unserer Gesellschaft, die mehr daran zu knabbern haben als Sportvereine in der Eifel, im Hunsrück und im Westerwald, an Rhein, Lahn oder an der Mosel. Da wir uns hier im Sport befinden und der Fußball nun mal besonders im Fokus steht und mir durchaus am Herzen liegt, ist mein Vorschlag an die Entscheider in Verbänden und Kreisen, die richtigerweise die Saison jetzt unterbrochen haben: Verkürzt die Winterpause! Oder, um im Bild auf dieser Seite zu bleiben: Lasst nicht zu lange zu viele Spinnennetze an den Tornetzen wachsen! Gehen wir mal davon aus, dass man im November gar nicht trainieren darf und im Dezember vermutlich noch nicht wie gewohnt: Das wären zwei volle Monate. Ich nehme mal als Beispiel eine Mannschaft, die ich seit siebeneinhalb Jahren ganz gut kenne: Am 6. Dezember hatte sie 2019 das letzte Spiel, am 20. Januar 2020 das erste Training nach der Winterpause. 45 Tage Pause waren das, eineinhalb Monate. Es war zunächst eine kleine Aufgalopp-Woche für ein Hallenturnier, das am 26. Januar stattfand. Bis Mitte März ging es weiter, dann kam der Abbruch. 2021 wird es generell keine Hallenrunde geben. Die Freiluftsaison in der Oberliga für soll am 6. Februar weitergehen, in der Rheinlandliga und den Bezirksligen ist der Start am 20. beziehungsweise 28. Februar. Die Kreisligen legen Ende Februar oder erst Mitte März wieder los – in viereinhalb (!) Monaten. Ein früherer Beginn brächte Puffer für Nachholspiele. In der Rheinlandliga und den Bezirksligen hätten noch acht Spieltage bis Winter angestanden, im neuen Jahr 17. Eine kürzere Pause mit Spielplan-Entzerrung könnte die Verletzungsgefahr in ansonsten wohl englischen Wochen reduzieren. Die könnten „fette“ Probleme bereiten. Denn eine lange Corona-Winterpause kann körperlich mehr schaden als eine im Sommer, in der der innere Schweinehund beim Training in Eigenregie nicht so laut gebellt hat, wie er es wohl in der kälteren Jahreszeit tun wird. Was spricht also dagegen, im neuen Jahr zeitiger mit dem Training und den Spielen loszulegen, wenn die Pause sowieso schon länger gewesen ist als sie es in den Jahren zuvor war? Das Wetter vielleicht, klar. Gefühlt wurde es aber auf den Höhen erst später schlechter, eher Richtung regulärer Beginn Ende Februar und März. Wintervorbereitungen sind nicht die schönsten, waren sie noch nie. Aber die Aussicht, dass es schnell mit den Spielen wieder losgeht, könnte auch in den dunkleren Monaten die Perspektive erhellen. Sicherlich stellen die Temperaturen andere Herausforderungen an alle als im Sommer, aber soziale Kälte ist auch nicht sonderlich erwärmend. Und sollte es das Wetter wirklich gar nicht gut mit einem meinen, könnte man bei Spielen flexibel reagieren, Heimrechte tauschen. Was würde – noch mal auf besagte Mannschaft heruntergebrochen – dagegen sprechen, statt im Januar daheim gegen Immendorf und Oberwinter (das wären die nächsten, irgendwann nachzuholenden Heimspiele gewesen) dorthin zu fahren und dann im Mai daheim gegen sie zu spielen? Nicht viel, wenn es darum geht, uns in einem Teilbereich des Lebens so früh es geht wieder etwas zurückzuholen. Und um diese Perspektive geht es doch, nicht nur im Fußball. Man könnte auch auf Gespanne auf Bezirks- oder Kreisebene verzichten, um Vereine zu entlasten, Anfahrtswege anpassen, einfach flexibel sein, um Kosten zu drücken – und um wieder seinem Hobby nachgehen zu können. Weil: Es geht bei all dem momentan gar nicht so sehr ums Spiele verlieren, sondern ums Menschen verlieren. Im Fußball, im Sport allgemein, im Leben vielleicht ebenfalls – denn dass Sport auch hier ein Ventil ist, steht außer Frage. Wenn ich das eine aber nicht mehr habe, suche ich mir ein anderes. Auch so können Probleme entstehen, gerade dort, wo Sport eines der wenigen Dinge ist, die verbinden. Davon abgesehen kappe ich mit einem Sportverbot Bereiche, die durchaus gut für das körperliche Wohlbefinden sein sollen. Was, wenn wir uns, um gesund zu bleiben, mit Verboten krank machen? Das muss beileibe nicht nur der Sport sein, das kann auch ein gutes Essen sein, ein schönes Konzert. Nur in einem gesunden Körper – oder wie heißt das? Und wenn wir uns schon nicht durchringen können, wieder früher zu spielen, dann müssen wir es schaffen, dass wir trainieren dürfen. So schnell wie möglich. Von mir aus wieder unter Auflagen. Vereine sämtlicher Sportarten oder Fitnessstudios haben viele vorgegebene „Leitplanken“ gesetzt und umgesetzt, an denen sie sich im Trainingsbetrieb sicher entlang hangeln können. Sollten die Zahlen runtergehen wie gewünscht, sollten wir das zuallererst den Kindern so schnell wie nur machbar wieder ermöglichen. Im Kleinen, für die Kleinen, die ja auch weiter in die Schule und Kitas gehen müssen. Warum sollen sie sich nicht beim Training austoben dürfen? Es müssen in der Jugend ja nicht zwingend Wettkämpfe sein, weil den Mädchen und Jungs das reine Trainieren, der Spaß am Spiel, etwas gibt. Mehr als den Älteren. Bei allen Entscheidungen, die nicht leicht zu treffen sind, steht die Gesundheit an oberster Stelle, darüber darf es keine zwei Meinungen geben. Sozialverhalten, Miteinander, sich nicht isolieren, nicht spalten – es spielt aber noch viel mehr mit rein, was in Zukunft nicht nur im Sport, aber auch dort immer wichtiger werden sollte. Das sollten wir nicht länger aufs Spiel setzen, als es sein muss. Im Fußball gerne durch eine kürzere Winterpause.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 31. Oktober 2020

Fußballern steht lange Winterpause bevor

Unterbrechung der Saison ist auch im Sinne des Wettbewerbs

Als sich der Fußballverband Rheinland (FVR) am Dienstagabend dazu durchgerungen hatte, den Spielbetrieb der Saison 2020/21 bis auf Weiteres auszusetzen, war das wohl die einzige Chance, eine dauerhafte Wettbewerbsverzerrung zu verhindern. Und das in einer Spielzeit, die im Idealfall irgendwann ein sportlich ernstzunehmendes Ende findet. Denn klar ist: Nach dem Abbruch der Vorsaison nur mit Aufsteigern können die Klassen nicht weiter aufgebläht werden. Es wird auch wieder Mannschaften geben müssen, die absteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten für alle halbwegs gleiche Voraussetzungen gelten. Doch genau das war seit Wochen schon nicht mehr der Fall. Los ging es im Kreis Neuwied, wo die Corona-Ampel früh auf Rot umschaltete, was zur Folge hatte, dass der folgende Spieltag im Fußballkreis Westerwald/Wied komplett abgesetzt wurde. Die Mannschaften sollten dann nur eingeschränkt trainieren, was aber schnell wieder rückgängig gemacht wurde – wohl auch, weil viele den Weg über die Kreisgrenze suchten und ihre Einheiten kurzerhand dorthin verlegten, wo noch alles erlaubt war. Zudem wurden im Kreis Neuwied Zuschauer auf den Plätzen ausgegrenzt, sodass etwa in der Kreisliga A am vergangenen Wochenende sechs der sieben Spiele ohne Publikum ausgetragen wurden, aber eines mit. Das 2:0 zwischen Horressen und Puderbach konnten 150 Zuschauer verfolgen, weil Horressen ja zum Westerwaldkreis zählt, wo die Restriktionen erst verspätet einsetzten. Etwas anders gestaltete sich die Lage im Kreis Altenkirchen, wo bis zum gestrigen Donnerstag nur die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld nahezu die gleichen Regelungen aufgestellt hatte, wie sie in den Nachbarkreisen Westerwald und Neuwied galten. Das führte mitunter dazu, dass etwa B-Ligist SG Bruchertseifen/Eichelhardt am vergangenen Sonntag sein ursprünglich in Eichelhardt angesetztes Heimspiel kurzfristig nach Bruchertseifen, also in die VG Hamm verlegte, um vor Zuschauern spielen zu können. Nur vier Kilometer liegen zwischen den beiden Sportplätzen. Das wird kaum jemanden, der sich das Spiel in Eichelhardt angesehen hätte, davon abgehalten haben, nach Bruchertseifen zu fahren – was die Maßnahmen gewissermaßen ad absurdum geführt hätte. Auch wenn inzwischen in der Region flächendeckend einheitliche Regelungen getroffen worden sind, so ist deren Umsetzung nun für die Fußballer hinfällig, weil die Vereine mit der Unterbrechung der Saison de facto in die Winterpause geschickt wurden – zumal am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten nachlegten und den gesamten Amateursportbetrieb von Montag an bis Ende November einstellten. Damit dürfen Vereine auch nicht mehr trainieren, was ihnen etwa der FVR noch gestattet hätte. Am Mittwoch gab auch der Fußball-und Leichtathletikverband Westfalen bekannt, wie er mit der verschärften Corona-Situation umzugehen gedenkt. Eine vorübergehende Unterbrechung der Spielzeit war nach den neuesten Beschlüssen der Regierung ohnehin alternativlos, doch auf eine Aussetzung des Spielbetriebs etwa für den Rest des Jahres wollte man sich auch jenseits der Landesgrenze zunächst nicht festlegen. „Vorerst bis zum Ende der Gültigkeitsdauer der neuen Coronaschutzverordnung“, wie der Verband mitteilt, gelte die Zwangspause. Was es freilich nicht wahrscheinlicher macht, dass auch die Mannschaften der SG Mudersbach/Brachbach oder der Sportfreunde Siegen in diesem Jahr noch mal gegen einen Ball treten werden.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. Oktober 2020

Verbände fahren Amateurfußball wieder runter

In Rheinland-Pfalz wird die Saison bis auf Weiteres ausgesetzt – Reaktion auf Corona

Der Fußball ruht – schon wieder. Und viele, die diesen Sport lieben, dürften erleichtert sein. Nicht mal zwei Monate ist es her, dass der Spielbetrieb nach der langen Zwangspause wieder auf Vollbetrieb hochgefahren wurde, da mussten die Verantwortlichen im Fußballverband Rheinland (FVR) einsehen, dass Corona doch stärker ist als der unbedingte Wille, den Menschen auf den Sportplätzen ein bisschen Normalität zu schenken. Noch vor wenigen Tagen hatte Verbandspräsident Walter Desch verkündet, ein Aussetzen der Saison sei kein Thema. Jetzt also die Kehrtwende: Das Präsidium hat am Dienstagabend „aufgrund der aktuellen Entwicklung der Covid-19-Pandemie“ die Unterbrechung des Spielbetriebs bis auf Weiteres beschlossen. Davon betroffen ist der komplette Pflichtspielbetrieb in sämtlichen Klassen für Männer, Frauen, Jugend und Ü-Teams, wie der FVR mitteilt. Eine eventuelle Fortsetzung des Spielbetriebs werde mit mindestens zwei Wochen Vorlauf angekündigt. Test- und Freundschaftsspiele sowie Training bleiben erlaubt, wobei der Verband auf die jeweils gültige behördliche Verfügungslage verweist. Damit sind die Verantwortlichen auf dem Koblenzer Oberwerth dem Wunsch der Mehrheit der Kreisvorsitzenden gefolgt – sechs von neun waren dem Vernehmen nach gegen die Fortsetzung der Saison. Die gleiche Entscheidung der Nachbarn im Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) folgte nur ein paar Stunden später. Der Fußballkreis Bad Kreuznach hatte sich bereits zuvor eine Auszeit bis zum 8. November verordnet, der gesamte Verband folgte dann am späten Dienstagabend. Auch der übergeordnete Regionalverband Südwest, zuständig etwa für die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, hat seine Vereine befragt, eine Antwort, wie es weitergeht, erwarten diese noch diese Woche. „Wir können auch hier nur auf die Vernunft der Funktionäre hoffen“, sagt Patrick Reifenscheidt, Sportlicher Leiter der Eisbachtaler Sportfreunde. „Ohne Zuschauer können wir nicht spielen, das lässt sich nicht finanzieren. Als Verein müssen wir ab einem gewissen Punkt die Reißleine ziehen.“ Das hatten zuletzt bereits die Hunsrücker Oberligisten TSV Emmelshausen und FC Karbach getan. Sie sagten das Derby, zu dem 500 Zuschauer zugelassen waren, wegen Sicherheitsbedenken ab. Lieber gar nicht spielen als in Corona-Zeiten falsch oder ohne Zuschauer spielen – das ist die Not der Klubs. Der Sinneswandel im FVR lässt sich wohl auch auf die eindeutigen Signale seitens der Vereine zurückführen. Insbesondere viele Rheinlandligisten mit ihren weiten Auswärtsfahrten waren sich einig, dass es ein „Augen zu und durch“ nicht länger geben kann. Einer dieser Vereine, der am Wochenende ohne Zuschauer spielen musste, ist die SG Neitersen. „Wir haben das einmal mitgemacht, aber so können wir unseren Fußball doch nicht bis März oder April gestalten“, sagt der Vorsitzende Marco Schütz. Letztlich sei es wie in der Bundesliga, wo Klubs wie Schalke 04 bereits nach zwei, drei Geisterspielen der finanzielle Kollaps drohte. „Das Eis ist auch bei Amateuren dünn.“ Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung im Jugendbereich, in dem mit ansteigenden Corona-Zahlen auch die Sorgen wachsen. „Eltern melden ihre Kinder vom Training und von den Spielen ab“, berichtet Bernd Kohlhaas von der SG Müschenbach/Hachenburg. „Und es werden von Stunde zu Stunde mehr.“ Auch darauf haben die Funktionäre in Rheinland-Pfalz mit ihrer Entscheidung reagiert.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 28. Oktober 2020

Aussetzen der Saison ist für den FVR kein Thema

Fußballverband will seinem Auftrag nachkommen

Als sich sein Verband Mitte Mai dazu durchgerungen hatte, die Corona-Saison 2019/20 abzubrechen, da wagte Walter Desch einen Blick nach vorne. „Einen Start am 1. September fände ich schön. Aber ich bin skeptisch, ob wir in diesem Jahr überhaupt noch mal spielen“, sagte der Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR) damals in einem Interview mit unserer Zeitung. Inzwischen hat sich gezeigt: Es wurde und wird wieder Fußball gespielt, auch sind vielerorts mehr als die von Desch im selben Gespräch erhofften „100 gut um den Platz verteilten Zuschauer“ möglich. Doch es ist auch klar: Die zweite Welle der Pandemie bricht gerade über unsere Region herein, was der Fußball schon zu spüren bekam, noch ehe die ersten Corona-Ampeln die Farbe wechselten. Nach dem ersten größeren Ausbruch im Kreis Neuwied, der Anfang Oktober gar eine kurzfristige Generalabsage im Fußballkreis Westerwald/Wied zur Folge hatte, sowie diversen positiven Testergebnissen und Quarantänemaßnahmen quer durch die Vereine und Spielklassen ist nun im Kreis Westerwald/Sieg die nächste Stufe erreicht: Rund um Altenkirchen bleiben am Wochenende Zuschauer außen vor, auch gelten strenge Regeln für den Trainingsbetrieb. Doch der Fußball soll weiter rollen, was nicht überall auf Verständnis stößt. „Die Frage, die ich mir stelle, ist, wie lange sich der Verband das noch ansehen will“, sagt etwa Marco Schütz vom Rheinlandligisten SG Neitersen/Altenkirchen, der am Sonntag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen den SV Windhagen spielen muss. „Einmal kannst du das machen, aber auf Dauer geht das ganz bestimmt nicht“, warnt der erfahrene Funktionär, für den die Verbannung der Zuschauer von den Sportplätze keine Lösung in der Corona- Problematik ist. Doch wie könnte der richtige Weg aussehen? Eine Antwort hat der Fußballverband Rheinland jetzt gegeben. „FVR hält Spielbetrieb aufrecht“, ist eine Mitteilung überschrieben, die der Verband am Donnerstagnachmittag herausgab. Gleich im ersten Satz stellt Präsident Desch als Unterzeichner fest: „Der Fußballverband Rheinland (FVR) wird seinen Spielbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht unterbrechen. Die unterschiedlichen Verfügungen in den Kreisen bedingen kein flächendeckendes Aussetzen des Spielbetriebs. Auch die Regelungen von Zuschauerzahlen fallen ausschließlich in die Verantwortung politischer Gremien.“ Frei übersetzt könnte man sagen: Sport ist Sport und Politik ist Politik – dann weiß das Coronavirus jetzt, woran es sich in den kommenden Wochen und Monaten zu halten hat. Wie vertrackt die Lage ist zeigen die Beispiele vieler Mannschaften, die in den vergangenen Tagen ihre politische Verwaltungseinheit verließen, um jenseits ihrer Kreisgrenze zu trainieren. Was auf dem eigenen Platz (aus Gründen) verboten war, war ein paar Kilometer weiter erlaubt. Über Sinn und Unsinn lässt sich trefflich streiten, wenngleich hinter den Entscheidungen der Vereine oft sportliche Notwendigkeiten stehen – oder das, was man kurzfristig als notwendig erachtet. Denn klar ist: Mannschaften, die oberhalb der Spielklassen des FV Rheinland angesiedelt sind, etwa in der im Regionalverband Südwest angesiedelten Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, müssen auswärts durchaus zu spielen antreten, auch wenn sie auf ihrem eigenen Platz nicht mal trainieren dürfen. Corona macht es auch in diesem Lebensbereich den Menschen nicht leicht. Für den FVR ist jetzt unter anderem geregelt, „dass das Ausscheiden aus dem Spielbetrieb nach zweimaligem Nichtantreten nicht automatisch erfolgt“, wie der Verband mitteilt. „Es gilt der Grundsatz, dass da, wo es möglich ist, auch gespielt wird.“ Der FVR begreife es nach wie vor als seinen Auftrag, den Spielbetrieb, wo immer und wann immer möglich, zu organisieren und damit sicherzustellen. Einige Vereine hätten Bedenken, die meisten Vereine wollten nach wie vor spielen und würden eine Unterbrechung des Spielbetriebs, ohne eine entsprechende, behördliche Verfügung, nicht akzeptieren, heißt es in Deschs Schreiben von Donnerstagnachmittag. Und weiter: „Solange die aktuell geltenden Verfügungen Training und Wettkampf im Fußball nicht untersagen, wird der FVR daher keine Maßnahmen ergreifen, die seinen Vereinen die Möglichkeit nimmt, Trainings- oder Wettkampfsport auszuüben.“ Grundlage der Entscheidung des FVR ist eine Studie, die die DFL und der niederländische Fußballverband in Auftrag gegeben haben. Darin heißt es, dass es „für den Fußball im Freien bislang keinerlei Nachweise für ein Infektionsgeschehen“ gebe. Eine Vorabveröffentlichung der wichtigsten Ergebnisse eines aktuellen Gutachtens von Prof. Dr. Tim Meyer bestätige diese Feststellungen. „Natürlich wird und kann der Fußballverband Rheinland keinen Verein zwingen, Fußball zu spielen“, betont Desch. „Mit dem Aussetzen des Ausschlusses aus dem Spielbetrieb wird den Vereinen zumindest aber die Sorge genommen, bei zweimaliger Absage eines Spiels für den Rest der Saison automatisch gar nicht mehr antreten zu dürfen.“ Klar sei dem Verband, dass die unterschiedliche Verfügungslage in den Kreisen ein großes Problem bleibe. „Der wichtigste Grundsatz dazu lautet, dass immer die Verfügungslage desjenigen (Land-)Kreises gilt, wo das jeweilige Spiel stattfinden soll“, heißt es seitens des FVR. Wie lange das so bleibt, kann derzeit wohl niemand vorhersagen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 24. Oktober 2020

Kreise sollen Absetzungen mit dem Verband abstimmen

FVR bezieht Stellung zu seiner Strategie bei Spielabsagen

Mit der zweiten Coronawelle kam in den zurückliegenden Wochen auch eine Absagenflut: Die steigenden Infektionszahlen hinterlassen erwartungsgemäß auch ihre Spuren im Mannschaftssport. Absagen aufgrund von Coronafällen, Erstkontakten, Kontaktsportverboten und Quarantänemaßnahmen haben die Spielpläne in den Fußballligen gehörig auseinandergefleddert. Der Fußballverband Rheinland (FVR) bezieht gegenüber unserer Zeitung nun Stellung zu wichtigen Fragen rund um Absagen, Entscheidungsgewalten und die Perspektiven. Durch Erstkontakte zu Corona-Infizierten, Kontaktsportverbote und Quarantäne-Maßnahmen hat die Anzahl der Spielabsagen in den zurückliegenden Wochen extrem zugenommen. Übersteigt die Summe bislang die Befürchtungen? Da auch Experten kaum Prognosen wagen, sind auch wir gezwungen, „auf Sicht“ zu fahren, und versuchen, aus der jeweiligen Situation das Bestmögliche für unsere Vereine herauszuholen – natürlich immer unter der Prämisse, dass die Gesundheit der Menschen oberste Priorität genießt. Was die bisherigen Absetzungen angeht, sehen wir noch keinen Anlass zur Sorge – es war ja zu erwarten, dass auch der Fußball nicht von Auswirkungen der Corona-Pandemie verschont bleibt. Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass die Gefahren einer Infektion außerhalb des Spielfeldes lauern: Mehrere wissenschaftliche Studien deuten übereinstimmend darauf hin, dass sich ein Verbot von Fußball im Freien weder zielführend hinsichtlich der Eindämmung von Infektionszahlen auswirkt noch hinsichtlich der Zuordnung von Fußball zu den Kontaktsportarten zutreffend ist. Der FVR hat sich gegenüber den Gesundheitsämtern in seinem Verbandsgebiet und den betreffenden Ministerien in Rheinland- Pfalz entsprechend positioniert.

Nachdem zuletzt alle Spiele mit Mannschaften aus dem Kreis Neuwied aufgrund der zahlreichen Neuinfektionen im Kreis abgesetzt worden waren, hat der Kreis nun das Kontaktsportverbot wieder aufgehoben. Ist diese Freigabe für den FVR ein entscheidendes Kriterium, die Spiele der Neuwieder Vereine an diesem Wochenende wieder zuzulassen? Bei uns gilt nach einer Quarantäne oder Spielverbot eine Drei-Tages- Frist, damit sich die Vereine wieder auf den geregelten Spielbetrieb einstellen können. Deshalb können die Spiele am Wochenende ausgetragen werden.

Kontaktsportverbote werden seitens der Behörden lediglich für den Austragungsort der Spiele beziehungsweise Trainingseinheiten erlassen, nicht aber grundsätzlich gegen die Vereine. Diese hätten somit die Möglichkeit, in einem anderen Kreis zu trainieren und dort zu spielen. Wie steht der FVR der Variante gegenüber, die Auswärtsspiele dieser Mannschaften stattfinden zu lassen, was seitens der Verordnungen grundsätzlich erlaubt wäre? Natürlich werden wir dies zulassen – hier kann es durchaus vorkommen, dass eventuell einmal das Heimrecht getauscht wird, um die Spielausfälle und die anschließenden Nachholspieltage wegen der daraus resultierenden Belastung so gering wie möglich zu halten. Die Auswärtsspiele der Mannschaften aus dem Kreis Neuwied in den zurückliegenden Wochen wurden abgesetzt, weil zu dieser Zeit ein Kontaktsportverbot für den Kreis Neuwied galt und sich die Teams nicht entsprechend hätten vorbereiten können.

Im Sommer hieß es vor Saisonbeginn, dass der FVR und die zuständigen Behörden gemeinsam über Entscheidungen beratschlagen, was Absagen angeht. Wie hat sich diese Zusammenarbeit bislang bewährt? Hinsichtlich des Endspiels um den Rheinlandpokal sind alle Beteiligten einer Einladung des FVR gefolgt. Hier wurde eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden. Vom bevorstehenden Spielverbot im Kreis Westerwald/Wied wurde der FVR erst am Tag der Entscheidung der Task Force durch den Fußballkreis informiert. Hier hat der FVR seine Fußballkreise inzwischen auch dahingehend sensibilisiert, dass flächendeckende Spielabsetzungen im Vorfeld mit der Verbandsführung abzustimmen sind. Darüber hinaus ist unser Abteilungsleiter Sport- und Spielbetrieb, Dennis Gronau, im ständigen Austausch mit den Behörden und den Vereinen.

Zuletzt wurde eine sehr konsequente Absetzungsstrategie gefahren. Wird diese so strikt fortgesetzt oder kann man sich vorstellen, die Kriterien etwas zu lockern, zum Beispiel, wenn Spieler nach einem Kontakt mit einem Infizierten einen negativen Test vorweisen können, zumal eine Studie des DFB besagt, dass die Ansteckungsgefahr für Spieler bei einem Spiel gleich null wäre? Wir haben versucht, solange wie möglich keine Spiele abzusetzen. Wenn aber behördliche Anordnungen zu beachten sind und möglicherweise Ansteckungsgefahr für Spieler und weitere Beteiligte besteht, gehen wir auf Nummer sicher und setzen ab. Darüber hinaus erwarten wir die Veröffentlichung der genannten Studie von Prof. Tim Meyer spätestens für nächste Woche. Sollte – wovon auszugehen ist – diese eine Ansteckungsgefahr auf dem Platz praktisch ausschließen, werden wir uns natürlich noch stärker dafür einsetzen, dass weiterhin Fußball gespielt werden darf. Dabei müssen sich indes alle Beteiligten darauf verlassen können, dass außerhalb des Spielfeldes die Hygienestandards konsequent umgesetzt werden. Denn die Beobachtung, dass man sich auf dem Spielfeld sehr wahrscheinlich nicht anstecken kann, bedeutet nicht, dass dies auch außerhalb des Spielfeldes gilt. Deshalb hat unser Verband mit der erneuten Freigabe des Spielbetriebs zum 15. Juli alle Mitgliedsvereine mit Muster-Hygieneplänen versorgt und setzt sich intensiv für deren Umsetzung und Einhaltung ein.

Viele Aktive tun sich schwer zu verstehen, warum etwa in Nordrhein-Westfalen selbst in Corona-Risikogebieten der Spielbetrieb weiter andauert und auch die U 21-Nationalmannschaft ihr EM-Qualifikationsspiel bestritt, nachdem ein Tag vor der Partie ein Spieler aus dem Team positiv getestet worden war. Wie bezieht der FVR zu diesem Quervergleich Stellung? Mit solchen „Quervergleichen“ tun wir uns gleichermaßen schwer. Auch der Schlingerkurs in Sachen Beherbergungsverbot stellt die Sportschule des FVR vor große Herausforderungen. Hier wünschen wir uns, bei allem Verständnis für die Dynamik, welche die Pandemie in den zurückliegenden Tagen entwickelt hat, verlässlichere Planungsgrundlagen.

Gibt es eine Grenze, bei der sich der FVR konkret die Frage stellt, ob der Spielbetrieb noch fortgesetzt werden kann? Sicherlich gibt es Grenzen, aber diese haben wir noch nicht definiert. Wir werden versuchen, den Spielbetrieb solange wie möglich aufrechtzuerhalten. Und wir appellieren an die Spieler, die Vereine und Zuschauer, die Hygiene-Maßnahmen zu befolgen – hier liegt der Schlüssel, ob wir weiterspielen können oder den Spielbetrieb möglicherweise unterbrechen oder gar beenden müssen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 17. Oktober 2020