Annullierung oder nicht? - Die Vereine sollen mitreden

FVR-Präsident Walter Desch hofft auf Neustart nach Ostern – Pokal hat Priorität

Nur in einer Sache will sich Walter Desch wirklich festlegen in diesen Tagen der Ungewissheit und des Abwartens. „Die Annullierung der Saison bleibt für mich der Worst Case, der wirklich ungünstigste Fall“, sagt der Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR). Entsprechend hält er sich bedeckt, angesichts des bis Mitte Februar verlängerten harten Lockdowns den Abbruch der zweiten Corona-Saison in Folge in den Fokus zu rücken. Deschs Ziel bleibt stattdessen weiterhin, die Hinrunde abzuschließen, um ein „belastbares Ergebnis“ zu haben. „Das ist auch das, was in den allermeisten Landesverbänden versucht wird“, berichtet der FVR-Präsident. Doch was heißt das für die Vereine? Am 27. Oktober hat der FVR seinen Spielbetrieb nach gerade einmal zwei „normalen“ Monaten wieder heruntergefahren, um drei Wochen später fünf Modelle in den Raum zu stellen, wie es weitergehen kann. War damals noch die Hoffnung, vielleicht schon im Januar den Re-Start wagen zu können, wurde später ein Beginn vor Ende Februar ausgeschlossen. Inzwischen hat sich die Corona-Lage nicht maßgeblich geändert, von einer wirklichen Verbesserung ganz zu schweigen. Doch es sind weitere Wochen ins Land gezogen, wodurch klar ist: Von den ursprünglich fünf Szenarien sind noch zwei übrig geblieben: Hinrunde abschließen oder Saison annullieren. „Ich bleibe bei meiner Linie und warte ab, statt zu spekulieren“, skizziert Desch sein Vorgehen. „Erst dann können wir auch Fakten schaffen.“ Aktuell gebe es auch nach den Entscheidungen der Kanzlerin und ihrer Ministerpräsidentenrunde „weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit“, sich auf einen Weg festzulegen. Nach der Aussage, vor dem 27. Februar nicht anzufangen, habe man im Rheinland im Gegensatz zu anderen Landesverbänden auch keine Spiele angesetzt. „Das war doch reiner Aktionismus“, sagt Desch und liegt damit auf einer Linie mit Bernd Schneider, seinem Spielausschussvorsitzenden. Der betont aus der Erfahrung der vergangenen Monate: „Ich habe aufgehört, Termine festzulegen. Denn am nächsten Tag kann ich eh wieder alles über den Haufen werfen.“ Der Fußball und seine Funktionäre haben gelernt, sich mit der Pandemie zu arrangieren. Doch haben die Verantwortlichen auch schon resigniert? Präsident Desch würde die Frage klar verneinen, vielmehr scheint das Handeln geprägt von Pragmatismus und Realismus. Priorität hat der Abschluss der Hinrunde, was möglich sei, wie Desch und Schneider glauben. „Ich hoffe einfach, dass wir nach Ostern wieder spielen dürfen“, sagt der Präsident mit Blick auf den Kalender. „Wenn das klappt, dann bekommen wir die Vorrunde hin.“ Sollte es darüber hinaus möglich sein, in manchen Ligen auch noch Play-off-Runden auszutragen, stehe er dem nicht im Wege. „Da haben die Kreise für ihre Klassen freie Hand.“ Doch was passiert bis zum denkbaren Neuanfang nach vielleicht gut fünf Monaten Pause? Wie im vergangenen Jahr, als aus der Unterbrechung Mitte März 2020 am Ende ein Saisonabbruch wurde, der zwar Aufsteiger hervorbrachte, aber keine Absteiger, setzt Desch auf Dialog. „Ich plane im Februar fünf Videokonferenzen mit den Vereinen“, kündigt der FVR-Boss an. Er holt die Basis also wieder mit ins Boot, um ein Stimmungsbild zu bekommen, das über seine eigene Einschätzung, die der Verbandsgremien und Kreise hinausgeht. „Wenn am Ende herauskommt, dass alle die Annullierung wollen, dann machen wir das“, gibt sich Desch demokratisch. Für den Spielausschussvorsitzenden Bernd Schneider ist aktuell nur eine Sache klar: „Je später wir anfangen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir ein sportliches Ergebnis für diese Saison bekommen.“ Deswegen setzt der Funktionär aus Wissen bereits einen Schwerpunkt: „Der Pokal genießt Priorität, den wollen wir durchziehen.“ Dies halte er auch dann für möglich, wenn parallel die Ligen wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen haben sollten. Hintergrund ist dabei – wie in der Vorsaison –, dass es für die Vereine, aber auch für den Verband im Pokal um bares Geld geht. Für die Verbandsklassen setzt Schneider den 13. Juni als fixes Datum für das Ende der Saison, Desch kann sich vorstellen, auch darüber hinaus noch zu spielen. „Wenn wir die Hinrunde abschließen können und noch Zeit ist, dann wären weitere Begegnungen etwa als Freundschaftsspiele denkbar“, sagt er und verweist darauf, man müsse flexibel bleiben. Dass es dabei aber auch Grenzen gibt, macht Schneider klar. Realistisch betrachtet sei einiges, was vielleicht denkbar ist, Utopie. Und so betont der Spielausschussvorsitzende: „Ich werde nichts unter unmenschlichen Bedingungen durchziehen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 23. Januar 2021

Pause bis Ostern?

Das bedeutet die Lockdown-Verlängerung

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten haben getagt, diskutiert und entschieden: Der Lockdown wird bis 31. Januar verlängert, und damit bleiben auch die Einschränkungen im Breiten- und Freizeitsport erhalten, schließlich sind Fitnessstudios und Sportanlagen geschlossen. Doch welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf den regionalen Fußball? Auf den ersten Blick keine. In seiner Dezember-Sitzung hatte des Präsidium des Fußballverbandes Rheinland (FVR) den Spielbetrieb bis Ende Februar ausgesetzt. Rein theoretisch ist also möglich, dass nach dem Ende des Lockdowns ab Anfang Februar wieder trainiert und ab Ende Februar um Punkte gespielt werden darf. Realistisch ist diese Annahme jedoch nicht. Es ist kaum zu erwarten, dass nach dem Ende des scharfen Lockdowns direkt wieder die Abstandsregeln so gelockert werden, dass geregeltes Training möglich ist. Und das ist nach der langen Pause eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme des Spielbetriebs. Vielmehr ist wahrscheinlich, dass sich die Fußballer Schritt für Schritt wieder an normale Bedingungen herantasten müssen, beispielsweise über Training mit Abstand und/oder in Kleingruppen. Dazu kommt noch das drohende Zuschauerverbot. Ohne Besucher lehnen die Klubs bekanntlich Spiele ab. Unter dem Strich zeichnet sich deshalb nach der neuen Entscheidung ab, dass nicht vor Ostern (erstes April-Wochenende) komplette Spieltage ausgetragen werden können ...

Quelle: Rhein-Zeitung vom 08. Januar 2021

Corona macht sich auch den Sport zum Spielball

Wie das Virus den Kampf um Tore, Punkte und Siege zur Nebensache degradiert – Binnen Tagen nimmt die Krise Fahrt auf – Funktionäre als Getriebene

Es ist wie in der großen Politik an diesem 1. Oktober. Während Bernd Schneider als Spielausschussvorsitzender des Fußballverbandes Rheinland (FVR) beteuert, er habe angesichts der sich anbahnenden zweiten Pandemiewelle noch keine Sorgenfalten auf der Stirn, zieht der Fußballkreis Westerwald/Wied eigenmächtig die Corona-Reißleine. Föderalismus ist in diesen Zeiten überall – auch im Sport und erst recht im Fußball. Dabei geht es den Verantwortlichen im Westerwald nicht um ein Ausscheren von der vorgegebenen Linie. Was der Kreisvorsitzende Mike Leihbauer, sein Sachbearbeiter Jens Bachmann und ihr Vorstand an diesem Donnerstagabend vor allem wollen, ist Sicherheit. Niemand soll seine Gesundheit aufs Spiel setzen, weil er bei einem Spiel mitwirkt, in dem es um die Banalität von drei Punkten geht. Kernige Aussagen im bajuwarischsöderschen Stil sparen sich die Verantwortlichen, sie müssen sich nicht für kommende Wahlen positionieren. An diesem Tag glauben sie einfach auf das reagieren zu müssen, was die Kreisverwaltung in Neuwied angesichts steigender Fallzahlen mit dem eiligst angeordneten Verbot von Kontaktsport als Rahmen vorgibt. So begründen die Westerwälder auch das eigene Handeln. Ihrer Zeit sind sie mit dieser Konsequenz voraus, es soll noch 26 Tage dauern, ehe auch die Verbände reagieren und den Amateurfußball zum zweiten Mal in diesem vermaledeiten Pandemie-Jahr 2020 wieder herunterfahren.

Rückblende: Anfang des Jahres kann Corona dem Fußball noch nichts anhaben. In den Hallen wird munter gekickt, auch nach der Winterpause ist die Witterung ein größerer Gegner als das sogenannte neuartige Virus aus China. Doch im März überschlagen sich die Ereignisse dann auch im Sport, ehe am Freitag, dem 13., neben der Schließung der Schulen auch der Abpfiff für den Sport beschlossene Sache wird. Kein Fußball mehr, auch kein Handball, kein Tischtennis – Schluss, Aus, Ende! Was folgt, ist eine nie gekannte Leere. Und die Zeit der Spekulationen. Ähnlich wie Politiker, die versuchen, die richtigen Entscheidungen für eine ungewisse Zukunft zu treffen, stochern auch die Verantwortlichen des Sports im Dunkeln. Wer für Hallensportarten zuständig ist, hat es leichter in diesen Tagen. Es stehen nur noch zwei, drei Spieltage an, da fällt es nicht sonderlich schwer, den Abbruch der Saison zu verkünden und sich in Auf- und Abstiegsfragen großzügig zu zeigen. Diskussionen gibt es da keine. Beim Fußball ist die Lage eine andere. Die Rückrunde hat gerade erst begonnen, die Grundlage für eine Wertung scheint nicht gegeben zu sein. Die Hoffnung, die sich einige Tage halten soll: Irgendwann geht’s einfach weiter. Doch ein solches Happy End, das gibt es nicht. Von der Suche nach der „Lösung mit den wenigsten Nachteilen“ spricht Ende März Norbert Weise, der Rechtswart des Fußballverbandes Rheinland. Als Jurist weiß er, dass es längst nicht mehr um die Frage geht, wer in der nächsten Saison eine Klasse höher oder tiefer spielt. Vielmehr ist die Aufgabe, sich irgendwie mit einem Gegner zu arrangieren, der viel stärker ist als man selbst. Und dabei den Rahmen rechtlich so zu gestalten, dass es möglichst wenig Grund gibt, gegen die getroffenen Entscheidungen vorzugehen. Der Weg, den die Verantwortlichen beim FVR in den folgenden Tagen beschreiten, weicht von dem der Politik etwas ab. Präsident Walter Desch sucht den Dialog, klopft ab, wie die Stimmungslage bei den Vereinen ist, lässt am Ende sogar abstimmen, für welches Szenario sich die Basis entscheiden würde. Ein bisschen ist es wie bei den Gerichtsinszenierungen, die auf Basis der Romane Ferdinand von Schirachs großes TV-Publikum in Wallung bringen. Es gibt kein Richtig oder Falsch in diesem Spiel – aber die Frage wird trotzdem gestellt: Wie würdest du entscheiden? Die Funktionäre, längst selbst Getriebene der Pandemie, wissen sehr wohl: Sagen die Vereine jetzt A, B oder C, dann sind sie mit im Boot und können sich hinterher nicht beschweren, wenn’s schiefläuft. Am 23. April, knapp sechs Wochen nach der Unterbrechung der Saison, legt sich der FVR – nach einer zwischenzeitlichen Verlängerung der Pause „bis auf Weiteres“ – dann endgültig fest und plädiert selbst für einen Abbruch. Es soll der aktuelle Tabellenstand zählen und bei Punktgleichheit eine Quotientenregelung bemüht werden. Aufsteiger soll es geben, Absteiger hingegen nicht. Abgesegnet wird dieser Weg am 16. Mai durch den Beirat, das höchste Gremium des Verbandes. Nach der Entscheidung spricht Präsident Desch von „schwierigen Zeiten“, vor denen er seinen Verband sehe. Mit Blick nach vorne meint er: „Einen Start am 1. September fände ich schön. Aber ich bin skeptisch, ob wir in diesem Jahr überhaupt noch mal spielen.“

Zeitsprung: Die Sommerferien stehen bevor. Seit dem Abbruch der Corona-Saison 2019/20 sind zehn Wochen vergangen, Deutschland hat die Pandemie satt. Die Zahlen sind niedrig, keiner kennt mehr wen, der jemanden kennt, für den Corona kürzlich ein Problem war. Und so ist es Aufbruchsstimmung, die Walter Desch in die Offensive treibt. Der FVR-Präsident bittet zur Pressekonferenz und skizziert dort seine Pläne. Am 2. Juli kündigt er forsch an, dass der Ball schon am 8. August wieder rollen könne. Damit liegt er fast richtig, eine Woche später werden tatsächlich die Halbfinalspiele im Rheinlandpokal nachgeholt. 500 Zuschauer sehen am 15. August das 1:0 des FV Engers gegen die Eisbachtaler Sportfreunde, 350 sind es beim 2:1 des FC Karbach gegen Rot-Weiß Koblenz. Der Fußball ist zurück – auch bei den Amateuren. Zwischen den Zeilen klingt durch: Wir haben die Lage im Griff, wir haben das Spiel gewonnen. Doch die Zeiten sind trügerisch, und Corona ist der widerwärtigste Gegner aller Zeiten. Schon in der Vorbereitung auf den regulären Saisonstart, den sie beim FVR auf Anfang September terminieren, müssen die ersten Spieler und Trainer, teils ganze Mannschaften in Quarantäne. Schulbeginn, Reiserückkehrer, Unvernunft – es sind im Sport die gleichen Probleme, die allenthalben Sorgen bereiten. Wieder ist es der Kreis Westerwald/Wied, der in den Fokus gerät. Am letzten Septemberwochenende sorgt ein einziger Coronafall für Absagen in gleich drei unterschiedlichen Spielklassen, kurz darauf muss Oberligist Eisbachtal in Quarantäne. Der Fußball, das zeigt sich in diesen Tagen, macht Corona sichtbar. Jeder Fall schlägt durch und ist abzulesen an den Spielabsagen kreuz und quer durch die Ligen. Der FVR reagiert erst zögerlich, dann trotzig. Nach den Erfahrungen vom 1. Oktober mahnt er seine Kreise an, Absagen in großem Stil nicht eigenmächtig zu veranlassen, sondern abzusprechen. Noch am 22. Oktober teilt der Verband mit, ein Aussetzen der Saison sei für den FVR kein Thema, um fünf Tage später, am 27. Oktober, dann doch selbst die Corona-Reißleine zu ziehen. Zum Jahreswechsel liegen fünf Szenarien auf dem Tisch, wie es weitergehen könnte mit der Fußballsaison. Eine Entscheidung steht aus.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. Dezember 2020

Desch: Hinrunde bekommen wir in allen Ligen hin

FVR-Präsident ist nach der Aussetzung des Spielbetrieb bis Ende Februar optimistisch – Keine Saisonverlängerung über 30. Juni hinaus

Das Präsidium des Fußballverbandes Rheinland (FVR) hat genau wie der Regionalverband Südwest (für die Oberliga der Männer, die Frauen-Regionalliga und die Jugend-Regionalligen zuständig) beschlossen, den derzeit auf Grund der Corona-Pandemie ruhenden Spielbetrieb frühestens am Wochenende 27./28. Februar 2021 wiederaufzunehmen (wir berichteten). Voraussetzung dafür ist jedoch nach wie vor die aktuelle Verfügungslage von Bund und Ländern. „Die Politik entscheidet, wann wir wieder spielen dürfen“, sagt Verbandspräsident Walter Desch: „Wann das sein wird, das ist alles Spekulation. Aber wir haben eine klare Linie, wie wir vorgehen, wenn es wieder weitergeht.“ Die „klare Linie“ sind die fünf bei der Aussetzung des Spielbetriebs Anfang November vom FVR entworfenen Szenarien: Bei Szenario 1 ist eine Komplettrunde möglich, bei Szenario 2 wird nach abgeschlossener Hinrunde das Play-off-System (Auf- und Abstiegsrunde) angeschlossen und beendet, bei Szenario 3 und 4 könnte nach abgeschlossener Hinrunde die Rückrunde nicht beendet werden (im ersten Fall würde der Stand der Hinrunde zählen, im zweiten Fall würden alle ausgetragenen Spiele gewertet werden und die Quotientenregelung greifen), und bei Szenario 5 würde die Saison annulliert werden. Aufgrund der unterschiedlichen Staffelgrößen sind verschiedene Wege möglich, um die Saison in allen Ligen mit einer Wertung und somit mit Auf- und Absteiger abzuschließen. „Es wird keine Verpflichtungen von oben geben“, sagt Desch. Das heißt: Sollte in einer Liga eine Komplettrunde (wie zum Beispiel in kleineren unteren Männer-Klassen oder in Frauen- oder Jugendstaffeln) möglich sein, kann Szenario 1 dort durchaus greifen. Für die größeren Ligen – vor allem die 18 Mannschaften starke Rheinlandliga und die teils ebenfalls 18 Teams umfassenden Bezirksligen bei den Männern – kann Desch das Szenario 1 (Komplettrunde) jetzt schon ausschließen. „25 Spieltagen stehen dort noch aus, das werden wir nicht hinbekommen“, sagt Desch. Wie die Saison in den einzelnen Ligen zu Ende geführt werden soll, das sollen die Vereine mitentscheiden – frei nach dem Motto: „Jede Liga macht, was sie für richtig hält.“ Desch sagt: „Wir werden die Vereine einbinden, Ende Januar, Anfang Februar werden in den Verbandsklassen Videokonferenzen stattfinden, auch in den Kreisen ist das angedacht.“ Flexibilität ist das große Schlagwort, um die Saison mit einer Wertung zu beenden – und eine Annullierung der Runde zu vermeiden. Das ist für den FVR und Desch das große Ziel. Ebenfalls „höchste Priorität“ hat für ihn und seine Mitstreiter die Durchführung des Rheinlandpokals – auch wegen der damit verbundenen Sponsorengelder. Am 29. Mai 2021 findet das Endspiel der Männer in Koblenz statt, das steht mittlerweile fest. Auch die Kreispokal-Wettbewerbe, die ebenfalls gesponsert werden, haben großes Gewicht. Zwei Wettbewerbe, die natürlich mögliche Spieltermine unter der Woche für die Ligen blockieren könnten. Deshalb ist es nicht unwahrscheinlich, dass man – wenn es wieder losgeht – sich in den einzelnen Klassen nicht zu viele Spieltage vornimmt. Weniger könnte mehr sein, auch weil es natürlich Rückschläge geben kann (Corona, Schlechtwetter, Zuschauerverbot). Dass die Saison über den 30. Juni 2021 hinaus verlängert wird, das ist ausgeschlossen, das bekräftigt auch Desch: „Das würde nur wieder Probleme für die neue Saison 2021/22, die hoffentlich wieder normal verlaufen wird, bringen.“ Das heißt: Bis zum 13. Juni müssen die Runden in Rheinland- und Bezirksligen beendet sein, in den Kreisligen könnte noch bis zum 20. Juni gespielt werden. Die Zeit danach bis zum 30. Juni muss für eventuelle Aufstiegs- und Entscheidungsspiele frei sein. „Am 30. Juni müssen wir in den Ligen eine Wertung und somit Auf- und Absteiger haben“, bekräftigt Desch. Das „Bauchgefühl“ des FVR-Chefs sagt Folgendes zur Zukunft im Rheinland-Fußball: „Ich bin sehr optimistisch, dass wir in allen Ligen eine Halbrunde hinbekommen, in manchen kleinen Klassen sogar eine Komplettrunde.“ Ob der Re-Start am 28. Februar, was aufgrund der aktuellen Lage eigentlich unrealistisch ist, irgendwann im März oder erst nach Ostern im April erfolgt, für die Vereine wird es mindestens eine zweiwöchige Vorlaufzeit geben. Dass zwei Wochen Vorbereitung nach einer so langen Fußballpause sehr wenig sind, das weiß auch Desch: „Auch da wird es sachgerechte Entscheidungen geben. Ein Rheinlandligist muss mindestens vier Wochen Vorbereitung haben, das ist mir schon bewusst. Ob das bei jedem C-Klässler so sein muss, bezweifele ich.“ Eine weitere Thematik, die den Spielplan beeinflussen wird. Dass sein FVR mit seinen Spielleitern in Absprache mit den Vereinen gute Entscheidungen treffen wird, um die Saison vernünftig zu Ende und in die Wertung zu bringen, da ist sich Walter Desch übrigens sicher: „Wir werden das gut hinbekommen. Die Vereine haben Vertrauen in uns, sie wissen, was los ist.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 21. Dezember 2020

FVR-Prämisse: So lange spielen, wie es geht

Verbands-Spielausschussvorsitzender Bernd Schneider glaubt nicht, dass der Ball Ende Februar wieder rollt –
Ober- und Rheinlandliga haben bis zum 13. Juni Zeit

Der Fußballverband Rheinland (FVR) und der für den Spielbetrieb in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar zuständige Regionalverband Südwest haben am Donnerstagabend bekannt gegeben, dass sie den Spielbetrieb nicht vor dem 27. Februar wieder aufnehmen (wir berichteten). „Und ganz ehrlich“, sagt der FVR-Spielausschussvorsitzende Bernd Schneider, „werden wir mit gesundem Menschenverstand und realistischem Denken auch dann noch nicht wieder loslegen. Ich kann mir das in Anbetracht der aktuellen Pandemie-Situation nicht vorstellen.“ Trotzdem hat der Verband seinen Vereinen zumindest einen Anhaltspunkt gegeben. „Wir sind verpflichtet, für eine Planungssicherheit zu sorgen“, erklärt Schneider, der aber fest davon ausgeht, dass im kommenden Jahr ein neuer, späterer Termin ins Visier genommen werden muss, ab wann der Ball wieder rollen kann.

Hauptrunde muss komplett sein

Ein Blick auf die aktuellen Tabellen zeigt, dass im Frühjahr vor allem in den höheren Spielklassen eine große Terminnot droht. Aufgrund nachfolgender Aufstiegsspiele müssen die Runden in der Ober- und Rheinlandliga bis zum 13. Juni abgeschlossen sein. „Für die Bezirksligen und die Klassen darunter haben wir noch keine Zeitpläne aufgestellt“, sagt Schneider zum Stand der Dinge. Um eine wertbare Saison hinzubekommen, muss in der Oberliga die in zwei Zwölfer-Staffeln aufgeteilte Hauptrunde komplett absolviert sein. „Wenn auch nur eine Partie fehlt, ist keine Wertung möglich“, macht der Funktionär aus Wissen deutlich. Auch wenn im Frühling weiterhin davon ausgegangen werden muss, dass immer mal wieder Partien ausfallen – sei es aufgrund der Pandemie oder der Witterungssituation geschuldet – stehen die Karten gut, die Hauptrunde über die Bühne zu bekommen. Zwischen 16 (FV Engers) und 13 (Hassia Bingen, TuS Koblenz, FSV Salmrohr) Begegnungen stehen für die Mannschaften der Nord-Gruppe, in der sämtliche heimische Vertreter einsortiert sind, noch aus. Für eine aussagekräftige Rheinlandliga-Tabelle ist es notwendig, (mindestens) die Hinrunde zu beenden. Davon sind die Teams zwischen neun und elf Begegnungen entfernt – machbar mit der einen oder anderen Englischen Woche, ohne die Protagonisten auf dem Rasen über die Grenzen des Zumutbaren hinaus zu belasten. Für den FVR gibt es zwei Optionen: ein Abbruch der Saison, nachdem eine Halbserie absolviert ist, oder so viele Partien wie möglich zu absolvieren und dann im wahrscheinlichen Fall von unterschiedlichen Anzahlen absolvierter Begegnungen wie schon in der abgebrochenen Spielzeit 2019/20 die Quotientenregelung anzuwenden. Die Funktionäre aus Koblenz haben hier einen klaren Favoriten. Schneider: „Wir wollen so lange spielen wie es geht. Wie viele Partien es dann letzten Endes sein werden, ist momentan nicht abzuschätzen.“ Eines ist aber schon jetzt ausgeschlossen: Eine komplette Serie mit zum Beispiel 34 Spieltagen in der Rheinlandliga wird es nicht geben. Dafür hätte in etwa der FC Bitburg noch 28 Pflichtspiele vor der Nase – und das (im Idealfall) binnen 16 Wochen. Vorrangiges Ziel sei es dabei, die Mannschaften bei der Zahl bestrittener Begegnungen so dicht wie möglich beieinander zu halten, damit die Tabelle nach Anwendung der Quotientenregelung keine größeren Verschiebungen erfährt. Daher versuche man, bereits so früh wie möglich Nachholspiel-Altlasten aus 2020 zu beseitigen – sofern die Vereine zustimmen, möglicherweise schon während der zweiwöchigen Vorlaufzeit vor der eigentliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Feste Pokalpläne

Pokalsieger soll es im Fußballverband Rheinland, wenn es irgendwie geht, geben. „Wir wollen die Rheinland- und Kreispokalwettbewerbe durchziehen. Hierbei spielen auch Sponsorengelder eine Rolle“, sagt Schneider.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 19. Dezember 2020

FVR: Bald nur noch drei Kreise statt drei Bezirke?

Fußballverband will dem Schwund an Mannschaften Rechnung tragen

Der Fußball in Deutschland basiert seit jeher auf einer pyramidenartigen Ligenstruktur. Dieses durch Auf- und Abstieg verzahnte hierarchische System ermöglicht es theoretisch jedem Verein, in – gemessen an der Masse an Mannschaften – relativ kurzer Zeit bis in die Bundesliga aufzusteigen und schlussendlich Deutscher Meister zu werden. Nun wird selbst der ambitionierteste Kreisligist wohl kaum ernsthaft danach streben, irgendwann mal im Anschluss an den letzten Spieltag einer Saison einen Autokorso starten zu können, um den zu Tausenden am Straßenrand feiernden Fans die gewonnene Meisterschale zu präsentieren. Davon zu träumen ist aber natürlich erlaubt. Das Pyramidensystem bietet andere Vorzüge, die im (unterklassigen) Amateurbereich wichtiger sind als die Aussicht auf einen raschen Durchmarsch. Von entscheidender Bedeutung ist die regionale Eingrenzung anhand von Staffeln oder Gruppen. Denn je niederklassiger gespielt wird, desto weniger ist bei den Aktiven die Bereitschaft da, für ein Auswärtsspiel auch mal einen ganzen Tag unterwegs zu sein, so wie das hierzulande ab der Rheinlandliga aufwärts verstärkt der Fall ist. Grundvoraussetzung dafür, dass sich die Spielklassen wie eine Pyramide aufeinander aufbauen lassen, ist jedoch, dass genügend Mannschaften vorhanden sind. Und genau hier ist zumindest im Fußballverband Rheinland (FVR) schon seit Jahren eine rückläufige Entwicklung zu erkennen, die den Funktionären Kopfzerbrechen bereitet – und durch die sie sich mittlerweile auch gezwungen sehen zu handeln, wie Klaus Robert Reuter, der Vorsitzende des Fußballkreises Westerwald/Sieg, erzählt. So habe sich laut Reuter im FVR bereits eine entsprechende Kommission gebildet. Diese arbeitet allerdings nicht etwa an Lösungen, wie sich dieser Trend umkehren oder zumindest stoppen ließe, sondern sucht nach Möglichkeiten, wie dem Schwund an Mannschaften am ehesten Rechnung getragen werden kann.

Corona als Brandbeschleuniger

Die Coronakrise decke die Probleme der Vereine gnadenlos auf und beschleunige die Entwicklung hingehend zu immer weniger Mannschaften nur noch weiter, sagt Reuter, der sich keiner Illusion hingeben will, dass in den nächsten Jahren vielleicht doch noch eine unverhoffte Trendwende einsetzen könnte. „Ich sehe das ja allein in meinem Umfeld. Da wird inzwischen alles andere gemacht – Fahrrad gefahren, gewandert und sonst was – um sich fit zu halten.“ Wenn es im Fußball wieder losgehe, müsse man die Leute „erst mal wieder aktivieren“, denn die Gefahr sei groß, dass sich der eine oder andere in den Monaten der fußballlosen Zeit „an andere Dinge gewöhnt hat und nicht mehr bereit ist, sich bei Wind und Wetter auf den Platz zu stellen“. Dabei ist die zunehmende Abkehr vom Fußball schon seit Jahren Realität. „Wenn man sich allein die Altersstruktur auf den Spielberichten ansieht, erkennt man, dass viele, die in den letzten Jahren aus der Jugend kamen, auf der Strecke geblieben sind.“ Auch die Vereine werden sich in Zukunft vermehrt umschauen müssen, wie sie ihre Kosten decken. Dass infolge der Coronakrise bei den Unternehmen weitaus weniger Geld für Sportsponsoring zur Verfügung stehen wird, liegt auf der Hand. Die entsprechenden Einbußen betreffen letztlich nicht nur ambitionierte Klubs oder Spielgemeinschaften, die ihren Spielern „Gehälter“ zahlen. Selbst der erfolgloseste D-Ligist ist auf derlei finanzielle Unterstützung angewiesen, sei es für ordentliche Spielkleidung, genügend Trainingsutensilien, den Kasten Bier danach oder eine Saisonabschlussfahrt – allesamt nicht zu verachtende Anreize, die so manchen Spieler überhaupt noch bei der Stange halten. Die beängstigende Entwicklung lässt sich auch anhand von Zahlen belegen. Waren in der Spielzeit 2016/17 noch 115 Mannschaften in den Kreisligen Westerwald/Sieg an den Start gegangen, so sind es in dieser Saison nur noch 95 Teams – also 20 weniger, und das innerhalb von nur vier Jahren. Deshalb sahen sich Reuter und Co. im Sommer dazu gezwungen, die Kreisliga C von drei auf zwei Staffeln zu reduzieren, um in allen Klassen einen ordentlichen Spielbetrieb auf die Beine stellen zu können. „Hätten wir auf Biegen und Brechen versucht, wieder drei C-Staffeln zu machen, hätten in jeder Staffel nicht mal zehn Mannschaften gespielt“, verdeutlicht Reuter. Von einer pyramidenartigen Ligenstruktur ist man im Westerwald/Sieg-Kreis nunmehr weiter entfernt denn je. Zurzeit sieht das Konstrukt mit je zwei D-, C-, und B- sowie einer A-Klasse eher aus wie ein senkrecht gen Himmel ragender Wolkenkratzer mit Funkmast.

Jugend als Vorbild

Auf der Suche nach Lösungen, um sich wieder dem nach oben hin gleichmäßig zusammenlaufenden Ligen-Modell annähern zu können, hilft schon ein Blick auf den Nachwuchsbereich. Hier wird bereits seit einigen Jahren in Ermangelung an Masse bei den älteren Jahrgängen kreisübergreifend in einer „Sieg/Wied/Lahn“- Staffel gekickt. Dieses Modell hat sich bewährt und könnte auch bei den Erwachsenen Schule machen, um sowohl quantitativ als auch qualitativ stabile Ligen zu etablieren. Denn das sollte auch bei den Aktiven noch vor dem Bestreben, die Anfahrtswege möglichst gering zu halten, stets an erster Stelle stehen. „Über kurz oder lang wird das bei den Erwachsenen ähnlich aussehen“, taugt für Reuter ein kreisübergreifendes Modell als Vorbild, zumal die Entwicklungen im Jugendbereich ohnehin immer auch ein Spiegelbild dessen sind, wie es einige Jahre später bei den Senioren aussehen wird. Was den Seniorenfußball in seinem Kreis angeht, sieht der Vorsitzende aktuell zwar noch keine Notwendigkeit für gemeinsame Klassen mit den Nachbarkreisen. Doch lange könne man den Status quo nicht mehr aufrecht erhalten – so wie schon jetzt im Fußballkreis Rhein-Lahn, in dem die Strukturen schon seit Jahren diskutabel sind. Insgesamt 51 Mannschaften nehmen dort 2020/21 am Spielbetrieb teil, genau ein Drittel davon gehört dem Oberhaus an. Das ist entschieden zu viel, keine Spur von pyramidenartiger Einteilung. Stattdessen gibt’s somit eine breite Spitze und auf den untersten Ebenen immer weniger Teams. Das schreit förmlich nach einer gravierenden organisatorischen Änderung, weshalb der Rhein- Lahn-Vorsitzende Oliver Stephan schon vor zwei Jahren eine Art „Hilferuf“ abgesetzt habe, wie Reuter erzählt. Neben der Jugend hilft oft auch ein Blick in andere Verbände im DFB ein Stück weiter. Darüber sind sie sich auch der eingangs erwähnten Kommission, die intensiv an der Entwicklung im Rheinland arbeitet und der auch Reuter angehört, im Klaren. Deren Blick schweifte dafür ganz in den hohen Norden genauer gesagt nach Schleswig-Holstein, wo bereits seit zwei Jahren der Spielbetrieb im unteren Bereich des Ligenspektrums völlig losgelöst von jeweiligen Kreisgrenzen organisiert wird. „Wir haben uns mit denen auch schon in einer Videokonferenz ausgetauscht“, erzählt Reuter von der Herangehensweise, sich beim Vorreiter aus dem Norden gewisse Dinge abzuschauen und auf die eigenen Gegebenheiten anzupassen.

Wie läuft’s in anderen Sportarten?

Eine Lösung könnte aber auch vor der Haustür liegen. Nämlich in Sportarten, die ihren Spielbetrieb seit jeher mit weitaus weniger Mannschaften als der Fußball organisieren müssen. Im Tischtennis etwa wurden schon vor Jahren sogenannte „Regionen“ gebildet, in denen sich zum Beispiel Mannschaften aus dem südlichen Teil des Westerwaldes mit Rhein-Lahn-Vertretern messen. Oder im Handball, wo die in der Kreisliga angesiedelte Zweitvertretung der DJK Betzdorf in dieser Saison, sofern sie im neuen Jahr tatsächlich noch anlaufen kann, auf Gegner wie den HV Miehlen (Rhein-Lahn-Kreis), die TG Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) oder die HSG Sinzig (Kreis Ahrweiler) trifft. Wie genau das Ganze letztlich aussehen wird, ist aktuell aber noch Zukunftsmusik. Reuter lässt zumindest durchblicken, dass es künftig nicht mehr drei Bezirke mit insgesamt neun Kreisen, sondern vielleicht nur noch drei große Kreise geben könnte. Was den Ost-Bezirk angeht, der sich bekanntlich aus den Kreisen Westerwald/Sieg, Westerwald/Wied und Rhein-Lahn zusammensetzt, wäre es auch denkbar, dass sich die beiden erstgenannten zu einem „Fußballkreis Westerwald“ zusammenschließen, während sich das Rhein-Lahn-Gebiet eher in Richtung Koblenz orientiert. So oder so werde es „unumgänglich sein, historische Hemmnisse abzubauen“, bringt es Klaus Robert Reuter auf den Punkt. Und das am besten bis zum nächsten Verbandstag, der 2022 in Trier ansteht – und auf dem das, was die Entwicklungskommission bis dahin ausarbeiten will, erst einmal zur Abstimmung kommen und sich herausstellen muss, ob sich die Arbeit überhaupt gelohnt hat. „Wir wollen das gewissenhaft vorbereiten und den Vereinen dann auch frühzeitig präsentieren“, kündigt Reuter schon mal an.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 07. Dezember 2020

Doppeleinsätze führen nicht zu Spielverlusten

„Sprengung“ der in der Corona-Verordnung verankerten Kleingruppenregelung hat keine Bedeutung für das Sportrechtliche

Wer am gleichen Kalendertag einen Spieler in zwei Mannschaften einsetzt, der verstößt derzeit zwar gegen die Corona-Verordnung, hat rein sportlich gesehen aber keine Wertung am Grünen Tisch zu befürchten. Das hat Norbert Weise, der Rechtswart des Fußballverbandes Rheinland (FVR), jetzt gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Der Westerwald/Sieg-A-Ligist VfL Hamm hatte in Person seines Trainers Stefan Hoffmann gegen die 2:8-Niederlage im Spiel gegen die DJK Friesenhagen Protest eingelegt, weil der Gegner in der 82. Minute Kai Schwarz einwechselte, der drei Stunden zuvor schon in der D-Klasse-Partie der DJK-Reserve gegen SG Mittelhof-Niederhövels III (11:2) auf dem Platz gestanden hatte. „Bei unserem Protest geht es uns nicht um die Punkte, sondern darum, eine Wirkung zu erzielen, dass alle Vereine bei dieser Sache sensibilisiert sind und alle gleichermaßen auf die Einhaltung achten“, betont Hamms Trainer Stefan Hoffmann. Auch wenn die Kreisspruchkammer unter dem Vorsitz von Ralf Lichtenthäler (Fluterschen) den Fall erst gar nicht verhandelte, weil die Hämmscher die notwenige Protestgebühr in Höhe von 26 Euro nicht entrichteten, hätte ein Urteil den Protest ebenfalls zurückgewiesen, wie Lichtenthäler erklärt. Denn: Die am 20. August durch den FVR in die Postfächer der Vereine geschickte Regelung, nach der ein Doppeleinsatz an einem Tag zum Verlust der Begegnung führt, widerrief der Verband am 3. September. Da hieß es, dass das zweimalige Auflaufen am gleichen Tag in einer oberen und unteren Mannschaft zwar weiterhin verboten sei, weil die rheinland-pfälzische Corona-Verordnung es mit ihrer festen Kleingruppenregelung verbietet, die Vereine allerdings bei einer Nichteinhaltung kein Urteil zu befürchten haben. „Es ist somit nichts passiert, was die Vereine nicht gewusst hätten“, sagt Ralf Lichtenthäler. Sein Beisitzer in der Kreisspruchkammer, Michael Gerhards, sieht in dieser Anpassung eine Regelung „im Sinne der Vereine“. „Viele hatten vor der Saisonunterbrechung große Schwierigkeiten, ausreichend Spieler zusammenzubekommen.“

Weise klärt Auslegungsproblem auf

Soweit herrschen geklärte Verhältnisse. Was einen mancherorts in Interpretationsschwierigkeiten bringt, ist die Tatsache, dass laut den aktuell gültigen Durchführungsbestimmungen des FVR die Corona-Verordnung des Landes Rheinland- Pfalz in der jeweils gültigen Form zu beachten sei. Weil dieser Hinweis in den Durchführungsbestimmungen steht, sehen mehrere Trainer und Vereinsverantwortliche als Konsequenz bei einem Verstoß nicht nur eine drohende Ordnungsstrafe durch die Behörden, sondern auch eine sportrechtliche Sanktion als angebracht an. FVR-Rechtswart Weise klärt dazu auf: „Beim Punkt der Doppeleinsätze bestand in unserer Präsidiumssitzung im September durchaus Diskussionsbedarf. Wir sind schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass wir einen Verstoß gegen die behördlichen Anordnungen vom Sportrecht fernhalten. Deshalb ist die Passage in unseren Durchführungsbestimmungen, sich an die geltenden Corona-Verordnungen des Landes zu halten als Hinweis auszulegen.“ „Die Corona-Verordnung hat die Vorgabe gemacht, dass wir den Spielbetrieb Anfang November komplett stoppen mussten. Sie sollte jetzt in diesen Zeiten über allem stehen. Es geht um die Eindämmung des Virus und die Senkung des Infektionsrisikos, das sind keine Bagatellen“, schildert Stefan Hoffmann seine Meinung hierzu. Ähnlich sehen sie es bei der SG Westerburg/Gemünden/Willmenrod, deren Geschäftsführer Nils Heinen FVR-Rechtswart Norbert Weise bereits im Oktober in einem Schreiben auf die Situation im Westerwald hingewiesen hat: „Aktuell wird die Fairness von einigen wenigen Vereinen mit Füßen getreten. Dadurch gefährden diese Vereine unser aller Gesundheit und die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs“, bezog er sich auf die Missachtung der Regelung zur Einhaltung fester Kleingruppen. „Die beste Lösung wäre angesichts der aktuellen Lage natürlich, so verfahren viele Vereine auch aktuell, einen Doppeleinsatz zu untersagen. Wenn dies von FVR-Seite wirklich überhaupt nicht sanktionierbar ist, würde uns allen helfen, wenn der Verband zumindest eine eindringliche Empfehlung an die Vereine herausgibt, den Doppeleinsatz zu unterlassen“, äußerst sich Heinen weiter, der sich von einer entsprechenden Aufforderung eine abschreckende Wirkung verspricht. Dazu habe sich das FVR-Präsidium beraten, aber Rechtswart Weise glaubt, dass ein entsprechender Hinweis zum jetzigen Zeitpunkt von den Vereinen „möglicherweise nur in den Ordnern abgeheftet“ werden und schon nicht mehr präsent sein könnte, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird.

Weber: Keine Wiederholung

Weil das Thema inzwischen aber doch einigermaßen hohe Wellen schlägt, kann erwartet werden, dass die Zahl der Fälle sinken dürfte, wenn der Ball wieder rollt und die bis Ende Oktober geltende Regelung zur Einhaltung fester Kleingruppen wieder greift. Darauf deuten auch die Worte von Andreas Weber, Abteilungsleiter der SG Alsdorf/Kirchen/Freusburg/Wehbach, hin. Die Spielgemeinschaft setzte am 11. Oktober gegen den SSV Weyerbusch aufgrund personeller Engpässe aus Verletzungsgründen in Person von Marius Reifenrath einen Akteur sowohl in der ersten Mannschaft als auch im Vergleich der Reserveteams beider Vereine ein. Weber versichert, die Verantwortlichen hätten sich vor dem Anpfiff beim Staffelleiter Wolfgang Hörter rückversichert: „Wir haben die schriftliche Genehmigung vorliegen, dass wir Doppeleinsätze vornehmen dürfen. Daher waren und sind wir uns keiner Schuld bewusst. Wir werden einen Doppeleinsatz in Zukunft aber nicht wiederholen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 27. November 2020

Bachmann: Corona hat uns mal so richtig ausgebremst

Für Bezirksliga-Staffelleiter ist so schnell nicht an Fußball zu denken

Nicht nur Fußballer vermissen ihren Sport, auch Funktionäre wie Jens Bachmann sehnen sich in der Corona-Krise nach Normalität. Doch die sieht der Staffelleiter der Bezirksliga Ost, der zugleich auch als Schiedsrichter und Kreissachbearbeiter des Kreises Westerwald/Wied tätig ist, noch lange nicht.

Wie erlebt der Fußballfan Jens Bachmann die Zeit ohne Spiele, wie der Schiedsrichter Jens Bachmann und wie der Staffelleiter und Kreissachbearbeiter Jens Bachmann?
Die fußballfreie Zeit ist zunächst einmal schlicht und ergreifend ungewohnt und eine völlig neue Erfahrung. Die gewohnten Abläufe fallen komplett weg: Ergebnisse nachschauen, Spielberichte kontrollieren, Spielverlegungen bearbeiten, sich auf ein eigenes Spiel als Schiedsrichter vorbereiten, die Emotionen auf dem Platz, Anfragen von Vereinsvertretern beantworten. Alles weg! Es sind gerade die vielen persönlichen Gespräche mit vertraut gewordenen Personen, die mir fehlen. Von daher kann man schon sagen: Corona hat uns mal so richtig ausgebremst.

Die Winterpause hat durch den Beschluss des FVR-Präsidiums nun begonnen. Wie sehen Sie diese Entscheidung?
Die Entscheidung ist natürlich richtig und wie vermutlich die meisten bin auch ich der Meinung, dass sie überfällig war. Der Lockdown wird uns in irgendeiner Form sicherlich auch in den Dezember hinein begleiten. Wir haben nach wie vor über 20 000 Neuinfektionen, und die Corona-Karte in Rheinland- Pfalz ist rot. Da ist an Fußball nicht zu denken – leider!

Welche Faktoren für den Re-Start sind jetzt aus Ihrer Sicht entscheidend?
Natürlich müssen erst einmal die Infektionszahlen massiv nach unten gehen, bevor wir auch nur eine Sekunde über einen Re-Start nachdenken können. Weiterhin muss aus meiner Sicht gewährleistet sein, dass alle Mannschaften im Vorfeld eine ausreichende Vorbereitungszeit erhalten. Und es ist unabdingbar, dass wir wieder Zuschauer auf den Fußballplätzen begrüßen dürfen. Viele Vereine werden das ansonsten finanziell nicht verkraften.

Ab wann sind Ihrer Einschätzung nach Fußballspiele wieder möglich?
Ich persönlich bin der Meinung, dass man sich bei der Beantwortung dieser Frage ruhig einmal aus der Deckung trauen darf: Es ist mir ein Rätsel, wie ich in der Bezirksliga Ost im Januar in Wallmenroth, Gemünden oder Müschenbach ein Spiel stattfinden lassen soll, um nur mal drei Beispiele zu nennen. Selbst auf Kunstrasen ist es in dieser Zeit schwierig, allein deshalb, weil es immer mehr Gemeinden gibt, die ihre Kunstrasenplätze bei kalter Witterung aus Angst vor Beschädigung sperren. Man muss daher einfach die Realität anerkennen. Im Übrigen entscheidet über die Wiederaufnahme des Sportbetriebs zunächst einmal die Politik. Wenn das Geschehen weiter so dynamisch bleibt, rechne ich weiterhin mit einer langen (Winter-)pause.

Der Verband skizziert fünf Möglichkeiten. Welchen Favoriten haben Sie persönlich?
Am besten wäre es natürlich, die Runde komplett auszuspielen, auch deshalb, weil man hier bei einer schlechten Phase von vier oder fünf Wochen die größte Möglichkeit hat, das Ruder wieder rumzureißen. Das ist bei den anderen skizzierten Varianten nur bedingt machbar. Klar ist aber auch, dass dies im Moment ein reiner Wunschgedanke ist.

Ist Ihrer Meinung nach eine normale Saison mit Hin- und Rückrunde überhaupt noch denkbar?
Da fehlt mir wirklich der Glaube! In der Bezirksliga Ost hat beispielsweise Ellingen noch 25 Spiele zu absolvieren, etwaige Pokalspiele nicht eingerechnet. Wie soll das gehen? Wir können im Amateurbereich nicht eine Englische Woche an die andere reihen. Das wird zwangsläufig zu Verletzungen führen und dies wiederum irgendwann zu Stress auf der Arbeitsstelle. Das geht einfach nicht! In der Kreisliga A Westerwald/Wied sieht es nicht besser aus. Drei Mannschaften haben erst vier (!) Spiele absolviert. Selbst wenn wir die Saison in den Juni hinein verlängern, wäre ein Mammutprogramm zu bewältigen.

Welches Gefühl haben Sie bei den Varianten drei und vier, in denen die Saison vorzeitig beendet wird und entweder nur die Hinrunde gewertet oder alternativ die Quotientenregel angewendet wird?
Die Quotientenregel war am Ende der letzten Saison eine gute Option, da uns der Abbruch ja völlig unvorbereitet getroffen hatte und auf die damalige Situation adäquat reagiert werden musste. Das hat unterm Strich gut funktioniert, wobei es auch damals extrem knappe Fälle gab. In dieser Saison wissen wir, was uns möglicherweise blüht, Corona begleitet uns ja jetzt schon eine lange Zeit. Sollte die Saison tatsächlich vorzeitig beendet werden müssen, wäre es aus meiner Sicht besser, die Hinrundentabelle zu werten und anhand dieser Ergebnisse den Auf- und Abstieg vorzunehmen.

Bei vielen Verantwortlichen aus den Vereinen klingt durch, dass sie Variante zwei, in der die Rückrunde als Play-off-System gespielt wird, durchaus spannend fänden. Wie würde dieses Play-off-System aus Ihrer Sicht gestaltet werden?
Wenn sich die Möglichkeit abzeichnet und wir genügend Zeit bekommen, kann ich dieser Idee einiges abgewinnen. Ich teile die Meinungen der Vereinsvertreter, dass dies zu äußerst attraktiven Spielen führen könnte. Die konkrete Ausgestaltung wäre recht einfach: Die Hinrundentabelle wird halbiert, die „oberen“ Mannschaften spielen den Aufstieg aus, die „unteren“ den Abstieg. Da hat ja jedes Spiel praktisch einen „Allesoder-Nichts-Charakter“. Wenn wir dann noch Zuschauer hätten, könnte diese Variante auch eine echte Entschädigung sein – finanziell und emotional.

Wenn die Zeit drängt, wäre auch ein K.o.-System denkbar. Ist dieser Ansatz zu radikal oder in Ihren Planungen auch eine Möglichkeit?
K.o.-Spiele sind dem Pokal, Hallenrunden, Turnieren und anderen Sportarten vorbehalten. In der Meisterschaft macht das aus meiner Sicht keinen Sinn. In meinen persönlichen Planungen spielt das daher keine Rolle.

Den Kreisen soll freie Hand gegeben werden bei der Umsetzung der Modelle. Welchen Sinn macht das aus Ihrer Sicht?
Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich ein Freund eines geregelten Spielbetriebs bin. Dies gilt für mich auf Kreis- und Verbandsebene gleichermaßen. Ich kann damit wenig bis gar nichts anfangen.

Spielt am Ende jeder Kreis seine eigene Variante?
Ich persönlich hoffe das nicht. Aber auch hier bin ich Realist und weiß, dass es vermutlich so kommen wird, wenn es schon angeboten wird. Da wäre doch die Variante zwei mit Play-offs verbandsweit die weitaus schönere Sache.

Welche Besonderheiten ergeben sich für die Bezirksliga Ost, in der Mannschaften aus drei Fußballkreisen und vier Landkreisen spielen?
Das war schon eine ganz besondere Herausforderung im Oktober.Training hier erlaubt, da nicht, hier Zuschauer, dort keine, dann komplettes Spielverbot in Neuwied, während im Westerwald und im Rhein-Lahn-Kreis munter weitergekickt wurde. Durch die zusätzlichen Fälle im Kreisgebiet wurde es dann am Ende ziemlich unübersichtlich, und es war absehbar, dass es so nicht weitergehen kann. Diese Situation gilt es für den weiteren Saisonverlauf zu vermeiden. Alle Mannschaften müssen unter normalen Bedingungen trainieren können, insbesondere dann, wenn es tatsächlich zu Play-off-Spielen kommen sollte. Und ich wiederhole mich gerne: Amateurfußball ohne Zuschauer ist auf Dauer nicht durchführbar!

Quelle: Rhein-Zeitung vom 21. November 2020

Play-offs hoch im Kurs – doch reicht die Zeit?

Trainer bewerten die vom Fußballverband aufgezeigten Szenarien zur Saison-Fortsetzung

Drei Wochen nach der Unterbrechung des Spielbetriebs hat das Präsidium des Fußballverbandes Rheinland (FVR) nachgelegt und klargemacht, dass es in diesem Jahr keine Spiele mehr geben kann. Damit wolle man den Vereinen „Klarheit und Planungssicherheit“ geben, heißt es. Allein das war sicher keine große Überraschung, allenfalls eine logische Nachbesserung, nachdem am 27. Oktober noch gesagt wurde, der Spielbetrieb sei „bis auf Weiteres“ ausgesetzt und könne eventuell mit zweiwöchigem Vorlauf noch im Dezember wieder aufgenommen werden. Da einen Tag später die Entscheidung der Politik folgte, auch den Trainingsbetrieb zu verbieten, waren die Hoffnungen auf Spiele noch vor dem Jahreswechsel zunichte gemacht. Vom Blick auf die nach wie vor hohen Corona-Fallzahlen ganz zu schweigen. Die Frage, die sich alle Fußballer im Amateurbereich stellen, lautet: Wie geht es weiter? Hierzu stellt der FVR fünf Möglichkeiten in den Raum und gibt seinen Kreisen die Freiheit, dass sie die Anwendung der Szenarien „im Rahmen der weiteren Fortführung der Saison (...) im Einvernehmen mit den spieltechnischen Ausschüssen selbst festlegen“ können. Doch wie sind diese Modelle einzuschätzen? Welche der Varianten (siehe unten „Wie geht es weiter?“) zu favorisieren? Wir haben bei den Trainern heimischer Teams vom Verbandsoberhaus bis auf Kreisebene nachgefragt.

Rheinlandliga

Volker Heun (SG Malberg/Elkenroth/Rosenheim/Kausen):


Ich finde es gut, dass den Mannschaften durch die Entscheidung, in diesem Jahr nicht mehr zu spielen, wenigstens ein bisschen Planungssicherheit gegeben worden ist. Wie es weitergeht, hängt nun nicht mehr vom Verband, sondern von anderen Leuten ab. Ich persönlich denke schon, dass es im Frühjahr Lockerungen geben wird und bin optimistisch, dass die Entscheidungen auf sportlichem Weg herbeigeführt werden können. Am besten wäre es natürlich, man könnte schon im Januar weiterspielen. Die Variante mit Play-offs finde ich nicht schlecht, auch eine erneute Anwendung der Quotientenregelung wäre in Ordnung, dann aber diesmal mit Absteigern.

Thomas Kahler (VfB Wissen):

„So wie im Frühjahr bin ich immer noch der Meinung, dass wenn eine Saison nicht vernünftig zu Ende gespielt werden kann, man sie annullieren sollte, als hätte sie also nie stattgefunden. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung schon beim letzten Mal ziemlich allein dastand. Aber nur diese Variante ist für mich die richtige Form von Gerechtigkeit. Was eine Wiederaufnahme der aktuellen Saison angeht, müsste es auf jeden Fall mehrere Wochen Vorlauf für eine vernünftige Vorbereitung geben. Viele Vereine haben mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, weil die Vorbereitungszeit vor dem Saisonstart gemessen an der Dauer der Zwangspause einfach zu kurz war. Sollte es diesmal ausreichend Zeit dafür geben, würde es wohl erst im März mit der Runde weitergehen. Und ich glaube weder, dass bis dahin wieder alles gut ist, noch dass dann genügend Zeit bleibt, um die Saison vernünftig zu Ende zu spielen. Wie gesagt: Man sollte einfach einen Haken dahinter machen und nächsten Sommer mit derselben Staffeleinteilung von vorne starten.

Torsten Gerhardt (SG Neitersen/Altenkirchen):

„Ich bin froh, dass wir nun Gewissheit haben und es frühestens Mitte Januar wieder losgeht, sodass man sich zumindest mit einer Planung der Wettkampfvorbereitung beschäftigen kann. Bei den aufgezeigten Möglichkeiten wäre mir die normale Durchführung einer Hin- und Rückrunde am liebsten, weil es einfach die sportlich fairste wäre und man von einer normalen Saison sprechen könnte. Die anderen Varianten sind mir genau in dieser Reihenfolge am sympathischsten. Eine normale Hinrunde mit anschließenden Play-offs ist mir auf jeden Fall lieber als ein Abbruch nach der Hinrunde, eine Quotenregelung oder einer gänzlichen Annullierung. Ich halte es für schwierig, dass wir in der Rheinlandliga ab Mitte Januar noch 25 Spieltage ohne Unterbrechung durchgeführt bekommen, von daher wäre das Play-off-Modell mit deutlich weniger Spielen und der dann hoffentlich gegeben Zuschauerfreigabe eine gute Alternative, bei der sich auch kein Verein benachteiligt fühlen müsste.“

Bezirksliga Ost

Jörg Mockenhaupt (SG Weitefeld-Langenbach/Friedewald):


„Am besten wäre es, wenn man die Saison irgendwie durchbekommen würde. Aber das ist bei der Anzahl an ausstehenden Spielen und der Möglichkeit, dass immer wieder mal Spiele ausfallen, ziemlich utopisch. Durch Play-offs wäre immerhin die Anzahl an Spielen geringer. Außerdem wäre diese Variante interessant, weil es das so noch nie gegeben hat. Für wahrscheinlich halte ich eine Wertung der Hinrunde, auch wenn dann manche Teams mehr Heim- und andere mehr Auswärtsspiele bestritten hätten. Am wenigsten begeistern würde mich die Anwendung der Quotientenregelung, bei der dann einige Mannschaften schon gegen stärkere Gegner gespielt haben würden als andere. Bezogen auf die Tabellensituation unserer Mannschaft wäre es das Beste, wenn das Ganze gestrichen und noch mal neu angefangen wird. Aber als Sportler ziehe ich das dann doch als allerletzten Ausweg in Erwägung.“

Torsten Judt (SG Wallmenroth/Scheuerfeld):

„Natürlich wäre es schön, im Januar wieder anzufangen. Allerdings stellt sich dann auch die Frage nach dem Wetter, das uns mit zwei Naturrasenplätzen vor Probleme stellen kann. Play-offs wären unheimlich interessant, vor allem für die Zuschauer – womit wir schon beim nächsten Thema wären, denn ohne Zuschauer macht keine der aufgeführten Varianten einen Sinn. Es müsste gewährleistet sein, dass vor Zuschauern gespielt werden kann. Welche Möglichkeit auch am Ende gewählt wird, sollte es diesmal aber auf jeden Fall Absteiger und nicht wie beim letzten Mal nur Aufsteiger geben. Zwei, drei Wochen Vorlauf wären in Ordnung. Die Voraussetzungen wären dann für jeden gleich, außerdem haben die Spieler zumindest von der Bezirksliga aufwärts im Moment ja auch keinen Stillstand und tun alle was für ihre Fitness.“

Christian Weißenfels (SG Ellingen/Bonfeld/Willroth):

Um die Saison komplett zu Ende zu spielen, fehlt mittlerweile die Zeit. Eine Englische Woche nach der anderen, das funktioniert im Amateurfußball nicht. Die Variante mit den Play-offs ist mein Favorit, weil ich glaube, dass man mit einem solchen Format sowohl für die Spieler als auch für die Zuschauer neue Reize setzen würde, die alle anspornen, was gerade in der aktuellen Situation wichtig wäre. Wenn es im März wieder weitergehen kann, würde dieses Modell auch zeitlich gut funktionieren. Dann würde man noch alle Spiele der Hinrunde inklusive der Nachholspiele austragen können, und anschließend hätte in den Play-offs jeder noch mal die Chance, sich gut zu präsentieren.

Kreisliga A Westerwald/Sieg

Stefan Hoffmann (VfL Hamm):


„Diese Spielzeit wird bis zum Ende unter „Corona-Bedingungen“ gespielt werden. Da diese allen Vereinen insbesondere im Winter die Grenzen aufzeigen, sollte in keinem Fall zu früh mit dem offiziellen Spielbetrieb angefangen werden. Hier hat der Sport seinen Beitrag zu leisten, die Gesundheit steht über jeglichen Auf- und Abstiegsregelungen. Daher schließe ich alle genannten Möglichkeiten aus. Lediglich die Varianten drei und vier spiegeln ansatzweise die Realität wider, denn in diesen geht man unter dem Strich nur von einer abgeschlossenen Hinrunde aus. Eine „halbe Rückrunde“ würde jedoch zwangsläufig zu dem Versuch führen, frühestmöglich zu beginnen und dadurch den Betrieb erneut zu gefährden. Man sollte frühestens ab Mitte März, besser noch ab Anfang April maximal die Hinrunde zu Ende spielen und diese dann als Endtabelle werten.

Ingo Neuhaus (SSV Weyerbusch):

„So sehr wir uns das alle gewünscht haben, halte ich es für ausgeschlossen, dass die Saison sauber und fair zu Ende gespielt werden kann. Bei einem Wiederbeginn frühestens im Januar hat man neben den ganzen Corona-Maßnahmen, die es weiter geben wird, auch noch das Wetter vor der Brust. Ein Play-off-System wäre mal etwas völlig anderes und eine tolle Variante. Natürlich nicht im „Best-of-Three“ oder „Best-of-Five“ wie beim Eishockey, sondern mit einer Aufstiegs- und Abstiegsrunde der Teams aus der oberen beziehungsweise der unteren Tabellenhälfte. Das wäre sehr interessant für alle, die Spieler würden alles geben. Wenn nur die Hinrunde gewertet würde, weil die Rückrunde nicht beendet werden kann, wäre wieder sehr viel Luft bis zum Sommer hin, deshalb halte ich diese Möglichkeit generell für bedenklich. Sollte es aber dazu kommen, sollten die ausgetragenen Spiele der Rückrunde nicht annulliert, sondern wieder der Quotient herangezogen werden. Eine Annullierung der ganzen Saison halte ich für undenkbar, das kann niemand wollen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 19. November 2020

Im Detail

Wie geht es weiter?

Der Fußballverband Rheinland (FVR) hat fünf Szenarien für die seit 27. Oktober aufgrund der angespannten Coronalage unterbrochene Spielzeit 2020/21 skizziert. Diese seien abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie und sollen mit den damit verbundenen Auflagen „stetig überprüft und diskutiert werden“, wie es in einer entsprechenden Mitteilung seitens des FVR heißt. Klar ist seit Dienstagabend, dass in diesem Jahr der Ball nicht mehr rollt. Darüber hinaus bleibe das wichtigste Ziel, dass die Wertung der Saison 2020/21 auf rein sportlicher Basis geschehe. Aus diesem Grund solle zunächst die Hinrunde einheitlich beendet werden, damit jede Mannschaft einmal gegen jede andere Mannschaft gespielt habe, sodass ein vergleichbares und einheitliches sportliches Ergebnis vorliege. Ausgefallene Spiele seien dementsprechend zunächst nachzuholen. Die verschiedenen Szenarien des FVR für den weiteren Fortgang der Saison im Überblick:

Möglichkeit 1:

Die Austragung der kompletten Doppelrunde (Hin- und Rückrunde) 2020/2021; Auf- und Abstieg gemäß Auf- und Abstiegsregelungen; Voraussetzung ist der Wiederbeginn im Januar 2021 und keine Unterbrechung des Spielbetriebs bis Juni 2021.

Möglichkeit 2:

Die Hinrunde wird abgeschlossen und die Rückrunde wird im Play-off-System gespielt; Auf- und Abstiegsregelungen werden durch den Beirat angepasst.

Möglichkeit 3:

Die Hinrunde kann abgeschlossen, aber die folgende Rückrunde nicht beendet werden; die absolvierten Spiele der „halben Rückrunde“ werden annulliert; die Endtabelle der Hinrunde 2020/21 bildet die Abschlusstabelle der Saison 2020/21; Auf- und Abstiegsregelungen werden durch den Beirat angepasst.

Möglichkeit 4:

Die Hinrunde kann abgeschlossen werden, aber die folgende Rückrunde nicht beendet werden; die „halbe Rückrunde“ wird wie ausgetragen gewertet; es wird die Quotientenregelung für die Abschlusstabelle 2020/21 herangezogen; Auf- und Abstiegsregelungen werden durch den Beirat angepasst.

Möglichkeit 5:

Die Saison 2020/21 wird annulliert; alle Mannschaften starten in der Saison 2021/2022 grundsätzlich wieder in der gleichen Staffel; Änderungen werden durch den Beirat angepasst.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 19. November 2020

Kein Fußball mehr in diesem Jahr

Rheinland und Südwesten gehen in die Winterpause

Jetzt ist es amtlich: Spiele unter dem Dach des Fußballverbandes Rheinland (FVR) und des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes (SWFV) wird es wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht mehr geben. Die Präsidien haben beschlossen, den Amateur-Pflichtspielbetrieb erst 2021 fortzusetzen. „Dies vor dem Hintergrund, dass eine Aufnahme des Trainingsbetriebes nach aktuellem Stand frühestens ab dem 1. Dezember erfolgen kann – alle Spieler sind zu diesem Zeitpunkt allerdings mindestens vier Wochen ohne Mannschaftstraining“, heißt es in der FVR-Presseerklärung. Laut FVR könnte der Ball bei den Amateuren am Wochenende 15. bis 17. Januar 2021 wieder rollen – vorausgesetzt, die Corona-Lage macht es möglich. Der Südwesten terminierte seine Winterpause offiziell bis zum 6. Januar. Was die Fortsetzung und Wertung der Saison angeht, nennt der FVR fünf Szenarien. Die Ideallösung wäre, die Saison als komplette Hin- und Rückrunde mit den bekannten Auf- und Abstiegsregelungen. Möglich ist auch, dassdie Hinrunde abgeschlossen und die Rückrunde in einem Play-off- Modus gespielt wird. Szenario drei sähe vor, nur die Hinrunde zu werten, so die Spiele der Rückrunde nicht komplett absolviert werden können. Auf- und Abstieg regelt der Beirat. Variante vier: Eine nicht komplett gespielte Rückrunde wird wie ausgetragen gewertet, dann greift die Quotientenregelung. Die unbeliebteste Variante wäre die Annullierung der Saison 2020/21.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 18. November 2020

Manche Spieler würden auf die Winterpause verzichten

Fußball: Trainer, Funktionäre und Aktive skizzieren ihre Vorstellungen zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Wettkampfpause

Wie geht es weiter in den Fußballligen nach dem Monat November? Kann der Ball noch in diesem Jahr wieder rollen oder ist die Aussetzung der Runden schon gleichbedeutend mit dem Beginn einer langen Winterpause? Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland, warf – die Witterungsfrage einschließend – kürzlich im Interview mit unserer Zeitung die Frage in den Ring, ob es überhaupt eine Winterpause geben muss. „Wenn wir wieder spielen dürfen, setzen wir den Spielbetrieb sofort wieder an, auch wenn wir wissen, dass es in dieser Jahreszeit schwierig wird, komplette Spieltage austragen zu können. Aber das muss man dann wesentlich flexibler gestalten“, so eine der herausstechenden Aussagen des Funktionärs aus Alterkülz. Wie stehen Spieler und Trainer dazu?

Enis Caglayan (Spielertrainer der SG Gebhardshainer Land/Steineroth):

„Ich erachte es vor dem Hintergrund von Verletzungen als schwierig, den Spielbetrieb im Dezember wieder aufzunehmen. Schon nach der langen Pause im Frühjahr gab es überdurchschnittlich viele Verletzungen, was durchaus mit den eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten zusammenhängen kann. Natürlich werden die Jungs mehr oder weniger sporadisch individuell trainieren, aber der Fußballer an sich ist in der Regel ein Faulpelz, und Lauftraining bringt fußballspezifisch nicht viel. Richtungswechsel zum Beispiel sind schwierig zu simulieren. Einen früheren Start im neuen Jahr halte ich für sinnvoll, wobei drohende Wintereinbrüche natürlich eine Rolle spielen. Vor allem die Westerwälder Mannschaften könnten unter den Trainingsbedingungen leiden. Insgesamt sind wir uns alle einig, dass es Wichtigeres gibt als Fußball, jedoch wäre es schade, wenn der komplette Amateurfußball ausgeschaltet werden würde.“

Yannik Becker (Kapitän des VfB Linz):

„Ich bedaure es zutiefst, dass wieder alles abgebrochen wurde. Ich habe Berichte gelesen, in denen stand, dass das Infektionsrisiko beim Fußball sehr, sehr gering sei. Die Bedingungen in der Kabine und beim Duschen hätte man sicherlich durch gewisse Regularien richten können. Unsere Mannschaft hat einen Trainingsplan für die kommenden Wochen erhalten, um sich fit zu halten. Demnach stünde einem Wiedereinstieg im Dezember nichts im Wege, worüber ich mich sehr freuen würde. Bezüglich der Winterpause muss ich sagen, dass ich mich, falls möglich, dafür aussprechen würde, diese ausfallen zu lassen. So wenig Fußball wie in diesem Jahr, habe ich glaube ich noch nie gespielt, sodass eine Winterpause nicht nötig ist. Der Körper ist recht ausgeruht und ich will unbedingt, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Da die Hallensaison sowieso schon abgesagt wurde, würde ich den ganzen Winter durch spielen wollen, um alle abgesagten Spiele nachzuholen.“

Daniel Korzilius (Staffelleiter Kreisligen C und D Westerwald/Wied):

„Ich habe das Gefühl, dass wir eine komplette Halbserie, die für eine Wertung der Saison notwendig ist, durchbekommen. Danach wird man sehen müssen, was darüber hinaus machbar ist. Aber eine komplette Runde durchzupeitschen, geht kaum. In unserer A-Klasse hätten manche Teams noch 20 Spiele vor sich. Im Dezember Begegnungen anzusetzen, halte ich für komplett unrealistisch. Gerade in der D-Klasse wird man keine Mannschaft motivieren können, zum Beispiel am 15. Dezember noch einmal zu spielen. Schon als der Kreis Neuwied den Spielbetrieb wieder freigegeben hat, wollte mehr als die Hälfte der C-und D-Ligisten nicht spielen. Aus rein sportlicher Sicht halte ich es für denkbar, die Winterpause zu verkürzen und vielleicht Mitte Januar wieder einzusteigen. Das wird für die Vereine, die nur Rasenplätze zur Verfügung haben, jedoch ein großes Problem.“

Philipp Euteneuer und Ansgar Brenner (Jugendleiter der SG 06 Betzdorf):

„Im Dezember kommen einige Probleme auf uns zu: Wenn ich an unsere beiden Rasenplätze in Betzdorf denke, wird dort nicht viel zu machen sein, und auch generell wird es zu vielen Ausfällen aufgrund unbespielbarer Plätze kommen. Außerdem ist es nicht verantwortlich, einen D- oder E-Jugendlichen bei den kalten Temperaturen auf den Platz zu schicken. Nachholspiele nach der Winterpause sind auf Kreisebene problemlos unter der Woche abzuwickeln, aber ich kann nicht unter der Woche mit einem 15-Jährigen nach Wittlich fahren, wenn dort um 19.30 Uhr ein Spiel beginnt und er am Tag darauf morgens in die Schule muss. Das funktioniert nicht. Egal, wie man es macht: Unter den momentanen Gegebenheiten ist es schwierig, einen machbaren Weg zu finden. Es ist wichtig, vor allem den Kontakt zu den Jugendspielern zu halten, damit sie sich im Kopf weiterhin mit dem Sport beschäftigen. Ich vertrete die Meinung, dass es richtig ist, die Spiele derzeit auszusetzen, die Duschen, Kabinen und Sportlerheime dichtzumachen. Aber lasst den Kindern und Jugendlichen das Training. Nach einem gewöhnungsbedürftigen Alltag bleibt so zumindest etwas Normalität erhalten, zumal das Infektionsrisiko beim Fußball kaum vorhanden ist.“

Stefan Bischoff (Trainer der SG Puderbach/Urbach-Dernbach/Daufenbach/Raubach):

„Was auf keinen Fall passieren darf, ist ein weiterer Abbruch der Saison, weil der Verband sonst seine Glaubwürdigkeit verliert. Ich will immer so viel Fußball spielen wie es geht, aber Spiele nur auf Kosten der Gesundheit der Spieler durchzukloppen, ist in der Kreisliga nicht möglich und irgendwann auch Wettbewerbsverzerrung. Eine komplette Halbserie wird ziemlich sicher zustande kommen, und dann darf sich kein Verein beschweren oder rausreden. Alle kannten die Situation nämlich schon vor Saisonbeginn. Auch wenn wir nicht mehr die strengen Winter von früher haben, gilt es zu beachten, dass die Spieler nach Training oder Spielen irgendwann nicht mehr erst zu Hause duschen können. Dann stehen wir vor der Problematik, dass die Corona-Infektionen nicht auf, sondern neben dem Platz – zum Beispiel in der Kabine oder in der Dusche – entstehen. Ich bin dafür, dass der Ball rollt, aber nur da, wo und so lange es Sinn macht.“

Thomas Nauroth (Vorsitzender des VfB Wissen):

„Die Gesundheit aller steht an erster Stelle. Aus diesem Grund sollte der Verband mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs so lange warten, bis eine deutliche Besserung des Infektionsgeschehens eintritt. Noch im Dezember wieder loszulegen, macht für mich keinen Sinn, auch weil Spiele ohne Zuschauer sowohl aus finanzieller Sicht, als auch nach dem, was die Spieler empfinden, nichts bringen. Ich wäre dafür, falls es die Situation zulässt, den Januar zu einer vierwöchigen Vorbereitung zu nutzen und dann Anfang Februar die Restrunde zu beginnen.“

Quelle: Rhein-Zeitung vom 10. November 2020

Lasst nicht zu lange Spinnennetze an Tornetzen wachsen!

Gedanken zur Unterbrechung im Fußball speziell und im Sport generell – Vorschlag: Winterpause verkürzen, um Puffer zu schaffen und keinen zu verlieren

Die Fußballer haben Winterpause. Das ist zwar noch nicht in Stein gemeißelt, aber machen wir uns nichts vor nach dem erneuten Aussetzen der Saison und den folgenden Verboten seitens des Bundes und der Länder: Es wird so kommen. Jetzt dreht sich die Welt in den nächsten Wochen auch ohne Fußball, Handball, Tischtennis, Tennis, Volleyball, Basketball, Eishockey, Hockey, Schwimmen oder Leichtathletik weiter. Keine Frage. Es gibt Bereiche in unserer Gesellschaft, die mehr daran zu knabbern haben als Sportvereine in der Eifel, im Hunsrück und im Westerwald, an Rhein, Lahn oder an der Mosel. Da wir uns hier im Sport befinden und der Fußball nun mal besonders im Fokus steht und mir durchaus am Herzen liegt, ist mein Vorschlag an die Entscheider in Verbänden und Kreisen, die richtigerweise die Saison jetzt unterbrochen haben: Verkürzt die Winterpause! Oder, um im Bild auf dieser Seite zu bleiben: Lasst nicht zu lange zu viele Spinnennetze an den Tornetzen wachsen! Gehen wir mal davon aus, dass man im November gar nicht trainieren darf und im Dezember vermutlich noch nicht wie gewohnt: Das wären zwei volle Monate. Ich nehme mal als Beispiel eine Mannschaft, die ich seit siebeneinhalb Jahren ganz gut kenne: Am 6. Dezember hatte sie 2019 das letzte Spiel, am 20. Januar 2020 das erste Training nach der Winterpause. 45 Tage Pause waren das, eineinhalb Monate. Es war zunächst eine kleine Aufgalopp-Woche für ein Hallenturnier, das am 26. Januar stattfand. Bis Mitte März ging es weiter, dann kam der Abbruch. 2021 wird es generell keine Hallenrunde geben. Die Freiluftsaison in der Oberliga für soll am 6. Februar weitergehen, in der Rheinlandliga und den Bezirksligen ist der Start am 20. beziehungsweise 28. Februar. Die Kreisligen legen Ende Februar oder erst Mitte März wieder los – in viereinhalb (!) Monaten. Ein früherer Beginn brächte Puffer für Nachholspiele. In der Rheinlandliga und den Bezirksligen hätten noch acht Spieltage bis Winter angestanden, im neuen Jahr 17. Eine kürzere Pause mit Spielplan-Entzerrung könnte die Verletzungsgefahr in ansonsten wohl englischen Wochen reduzieren. Die könnten „fette“ Probleme bereiten. Denn eine lange Corona-Winterpause kann körperlich mehr schaden als eine im Sommer, in der der innere Schweinehund beim Training in Eigenregie nicht so laut gebellt hat, wie er es wohl in der kälteren Jahreszeit tun wird. Was spricht also dagegen, im neuen Jahr zeitiger mit dem Training und den Spielen loszulegen, wenn die Pause sowieso schon länger gewesen ist als sie es in den Jahren zuvor war? Das Wetter vielleicht, klar. Gefühlt wurde es aber auf den Höhen erst später schlechter, eher Richtung regulärer Beginn Ende Februar und März. Wintervorbereitungen sind nicht die schönsten, waren sie noch nie. Aber die Aussicht, dass es schnell mit den Spielen wieder losgeht, könnte auch in den dunkleren Monaten die Perspektive erhellen. Sicherlich stellen die Temperaturen andere Herausforderungen an alle als im Sommer, aber soziale Kälte ist auch nicht sonderlich erwärmend. Und sollte es das Wetter wirklich gar nicht gut mit einem meinen, könnte man bei Spielen flexibel reagieren, Heimrechte tauschen. Was würde – noch mal auf besagte Mannschaft heruntergebrochen – dagegen sprechen, statt im Januar daheim gegen Immendorf und Oberwinter (das wären die nächsten, irgendwann nachzuholenden Heimspiele gewesen) dorthin zu fahren und dann im Mai daheim gegen sie zu spielen? Nicht viel, wenn es darum geht, uns in einem Teilbereich des Lebens so früh es geht wieder etwas zurückzuholen. Und um diese Perspektive geht es doch, nicht nur im Fußball. Man könnte auch auf Gespanne auf Bezirks- oder Kreisebene verzichten, um Vereine zu entlasten, Anfahrtswege anpassen, einfach flexibel sein, um Kosten zu drücken – und um wieder seinem Hobby nachgehen zu können. Weil: Es geht bei all dem momentan gar nicht so sehr ums Spiele verlieren, sondern ums Menschen verlieren. Im Fußball, im Sport allgemein, im Leben vielleicht ebenfalls – denn dass Sport auch hier ein Ventil ist, steht außer Frage. Wenn ich das eine aber nicht mehr habe, suche ich mir ein anderes. Auch so können Probleme entstehen, gerade dort, wo Sport eines der wenigen Dinge ist, die verbinden. Davon abgesehen kappe ich mit einem Sportverbot Bereiche, die durchaus gut für das körperliche Wohlbefinden sein sollen. Was, wenn wir uns, um gesund zu bleiben, mit Verboten krank machen? Das muss beileibe nicht nur der Sport sein, das kann auch ein gutes Essen sein, ein schönes Konzert. Nur in einem gesunden Körper – oder wie heißt das? Und wenn wir uns schon nicht durchringen können, wieder früher zu spielen, dann müssen wir es schaffen, dass wir trainieren dürfen. So schnell wie möglich. Von mir aus wieder unter Auflagen. Vereine sämtlicher Sportarten oder Fitnessstudios haben viele vorgegebene „Leitplanken“ gesetzt und umgesetzt, an denen sie sich im Trainingsbetrieb sicher entlang hangeln können. Sollten die Zahlen runtergehen wie gewünscht, sollten wir das zuallererst den Kindern so schnell wie nur machbar wieder ermöglichen. Im Kleinen, für die Kleinen, die ja auch weiter in die Schule und Kitas gehen müssen. Warum sollen sie sich nicht beim Training austoben dürfen? Es müssen in der Jugend ja nicht zwingend Wettkämpfe sein, weil den Mädchen und Jungs das reine Trainieren, der Spaß am Spiel, etwas gibt. Mehr als den Älteren. Bei allen Entscheidungen, die nicht leicht zu treffen sind, steht die Gesundheit an oberster Stelle, darüber darf es keine zwei Meinungen geben. Sozialverhalten, Miteinander, sich nicht isolieren, nicht spalten – es spielt aber noch viel mehr mit rein, was in Zukunft nicht nur im Sport, aber auch dort immer wichtiger werden sollte. Das sollten wir nicht länger aufs Spiel setzen, als es sein muss. Im Fußball gerne durch eine kürzere Winterpause.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 31. Oktober 2020

Fußballern steht lange Winterpause bevor

Unterbrechung der Saison ist auch im Sinne des Wettbewerbs

Als sich der Fußballverband Rheinland (FVR) am Dienstagabend dazu durchgerungen hatte, den Spielbetrieb der Saison 2020/21 bis auf Weiteres auszusetzen, war das wohl die einzige Chance, eine dauerhafte Wettbewerbsverzerrung zu verhindern. Und das in einer Spielzeit, die im Idealfall irgendwann ein sportlich ernstzunehmendes Ende findet. Denn klar ist: Nach dem Abbruch der Vorsaison nur mit Aufsteigern können die Klassen nicht weiter aufgebläht werden. Es wird auch wieder Mannschaften geben müssen, die absteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten für alle halbwegs gleiche Voraussetzungen gelten. Doch genau das war seit Wochen schon nicht mehr der Fall. Los ging es im Kreis Neuwied, wo die Corona-Ampel früh auf Rot umschaltete, was zur Folge hatte, dass der folgende Spieltag im Fußballkreis Westerwald/Wied komplett abgesetzt wurde. Die Mannschaften sollten dann nur eingeschränkt trainieren, was aber schnell wieder rückgängig gemacht wurde – wohl auch, weil viele den Weg über die Kreisgrenze suchten und ihre Einheiten kurzerhand dorthin verlegten, wo noch alles erlaubt war. Zudem wurden im Kreis Neuwied Zuschauer auf den Plätzen ausgegrenzt, sodass etwa in der Kreisliga A am vergangenen Wochenende sechs der sieben Spiele ohne Publikum ausgetragen wurden, aber eines mit. Das 2:0 zwischen Horressen und Puderbach konnten 150 Zuschauer verfolgen, weil Horressen ja zum Westerwaldkreis zählt, wo die Restriktionen erst verspätet einsetzten. Etwas anders gestaltete sich die Lage im Kreis Altenkirchen, wo bis zum gestrigen Donnerstag nur die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld nahezu die gleichen Regelungen aufgestellt hatte, wie sie in den Nachbarkreisen Westerwald und Neuwied galten. Das führte mitunter dazu, dass etwa B-Ligist SG Bruchertseifen/Eichelhardt am vergangenen Sonntag sein ursprünglich in Eichelhardt angesetztes Heimspiel kurzfristig nach Bruchertseifen, also in die VG Hamm verlegte, um vor Zuschauern spielen zu können. Nur vier Kilometer liegen zwischen den beiden Sportplätzen. Das wird kaum jemanden, der sich das Spiel in Eichelhardt angesehen hätte, davon abgehalten haben, nach Bruchertseifen zu fahren – was die Maßnahmen gewissermaßen ad absurdum geführt hätte. Auch wenn inzwischen in der Region flächendeckend einheitliche Regelungen getroffen worden sind, so ist deren Umsetzung nun für die Fußballer hinfällig, weil die Vereine mit der Unterbrechung der Saison de facto in die Winterpause geschickt wurden – zumal am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten nachlegten und den gesamten Amateursportbetrieb von Montag an bis Ende November einstellten. Damit dürfen Vereine auch nicht mehr trainieren, was ihnen etwa der FVR noch gestattet hätte. Am Mittwoch gab auch der Fußball-und Leichtathletikverband Westfalen bekannt, wie er mit der verschärften Corona-Situation umzugehen gedenkt. Eine vorübergehende Unterbrechung der Spielzeit war nach den neuesten Beschlüssen der Regierung ohnehin alternativlos, doch auf eine Aussetzung des Spielbetriebs etwa für den Rest des Jahres wollte man sich auch jenseits der Landesgrenze zunächst nicht festlegen. „Vorerst bis zum Ende der Gültigkeitsdauer der neuen Coronaschutzverordnung“, wie der Verband mitteilt, gelte die Zwangspause. Was es freilich nicht wahrscheinlicher macht, dass auch die Mannschaften der SG Mudersbach/Brachbach oder der Sportfreunde Siegen in diesem Jahr noch mal gegen einen Ball treten werden.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. Oktober 2020

Verbände fahren Amateurfußball wieder runter

In Rheinland-Pfalz wird die Saison bis auf Weiteres ausgesetzt – Reaktion auf Corona

Der Fußball ruht – schon wieder. Und viele, die diesen Sport lieben, dürften erleichtert sein. Nicht mal zwei Monate ist es her, dass der Spielbetrieb nach der langen Zwangspause wieder auf Vollbetrieb hochgefahren wurde, da mussten die Verantwortlichen im Fußballverband Rheinland (FVR) einsehen, dass Corona doch stärker ist als der unbedingte Wille, den Menschen auf den Sportplätzen ein bisschen Normalität zu schenken. Noch vor wenigen Tagen hatte Verbandspräsident Walter Desch verkündet, ein Aussetzen der Saison sei kein Thema. Jetzt also die Kehrtwende: Das Präsidium hat am Dienstagabend „aufgrund der aktuellen Entwicklung der Covid-19-Pandemie“ die Unterbrechung des Spielbetriebs bis auf Weiteres beschlossen. Davon betroffen ist der komplette Pflichtspielbetrieb in sämtlichen Klassen für Männer, Frauen, Jugend und Ü-Teams, wie der FVR mitteilt. Eine eventuelle Fortsetzung des Spielbetriebs werde mit mindestens zwei Wochen Vorlauf angekündigt. Test- und Freundschaftsspiele sowie Training bleiben erlaubt, wobei der Verband auf die jeweils gültige behördliche Verfügungslage verweist. Damit sind die Verantwortlichen auf dem Koblenzer Oberwerth dem Wunsch der Mehrheit der Kreisvorsitzenden gefolgt – sechs von neun waren dem Vernehmen nach gegen die Fortsetzung der Saison. Die gleiche Entscheidung der Nachbarn im Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) folgte nur ein paar Stunden später. Der Fußballkreis Bad Kreuznach hatte sich bereits zuvor eine Auszeit bis zum 8. November verordnet, der gesamte Verband folgte dann am späten Dienstagabend. Auch der übergeordnete Regionalverband Südwest, zuständig etwa für die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, hat seine Vereine befragt, eine Antwort, wie es weitergeht, erwarten diese noch diese Woche. „Wir können auch hier nur auf die Vernunft der Funktionäre hoffen“, sagt Patrick Reifenscheidt, Sportlicher Leiter der Eisbachtaler Sportfreunde. „Ohne Zuschauer können wir nicht spielen, das lässt sich nicht finanzieren. Als Verein müssen wir ab einem gewissen Punkt die Reißleine ziehen.“ Das hatten zuletzt bereits die Hunsrücker Oberligisten TSV Emmelshausen und FC Karbach getan. Sie sagten das Derby, zu dem 500 Zuschauer zugelassen waren, wegen Sicherheitsbedenken ab. Lieber gar nicht spielen als in Corona-Zeiten falsch oder ohne Zuschauer spielen – das ist die Not der Klubs. Der Sinneswandel im FVR lässt sich wohl auch auf die eindeutigen Signale seitens der Vereine zurückführen. Insbesondere viele Rheinlandligisten mit ihren weiten Auswärtsfahrten waren sich einig, dass es ein „Augen zu und durch“ nicht länger geben kann. Einer dieser Vereine, der am Wochenende ohne Zuschauer spielen musste, ist die SG Neitersen. „Wir haben das einmal mitgemacht, aber so können wir unseren Fußball doch nicht bis März oder April gestalten“, sagt der Vorsitzende Marco Schütz. Letztlich sei es wie in der Bundesliga, wo Klubs wie Schalke 04 bereits nach zwei, drei Geisterspielen der finanzielle Kollaps drohte. „Das Eis ist auch bei Amateuren dünn.“ Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung im Jugendbereich, in dem mit ansteigenden Corona-Zahlen auch die Sorgen wachsen. „Eltern melden ihre Kinder vom Training und von den Spielen ab“, berichtet Bernd Kohlhaas von der SG Müschenbach/Hachenburg. „Und es werden von Stunde zu Stunde mehr.“ Auch darauf haben die Funktionäre in Rheinland-Pfalz mit ihrer Entscheidung reagiert.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 28. Oktober 2020

Aussetzen der Saison ist für den FVR kein Thema

Fußballverband will seinem Auftrag nachkommen

Als sich sein Verband Mitte Mai dazu durchgerungen hatte, die Corona-Saison 2019/20 abzubrechen, da wagte Walter Desch einen Blick nach vorne. „Einen Start am 1. September fände ich schön. Aber ich bin skeptisch, ob wir in diesem Jahr überhaupt noch mal spielen“, sagte der Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR) damals in einem Interview mit unserer Zeitung. Inzwischen hat sich gezeigt: Es wurde und wird wieder Fußball gespielt, auch sind vielerorts mehr als die von Desch im selben Gespräch erhofften „100 gut um den Platz verteilten Zuschauer“ möglich. Doch es ist auch klar: Die zweite Welle der Pandemie bricht gerade über unsere Region herein, was der Fußball schon zu spüren bekam, noch ehe die ersten Corona-Ampeln die Farbe wechselten. Nach dem ersten größeren Ausbruch im Kreis Neuwied, der Anfang Oktober gar eine kurzfristige Generalabsage im Fußballkreis Westerwald/Wied zur Folge hatte, sowie diversen positiven Testergebnissen und Quarantänemaßnahmen quer durch die Vereine und Spielklassen ist nun im Kreis Westerwald/Sieg die nächste Stufe erreicht: Rund um Altenkirchen bleiben am Wochenende Zuschauer außen vor, auch gelten strenge Regeln für den Trainingsbetrieb. Doch der Fußball soll weiter rollen, was nicht überall auf Verständnis stößt. „Die Frage, die ich mir stelle, ist, wie lange sich der Verband das noch ansehen will“, sagt etwa Marco Schütz vom Rheinlandligisten SG Neitersen/Altenkirchen, der am Sonntag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen den SV Windhagen spielen muss. „Einmal kannst du das machen, aber auf Dauer geht das ganz bestimmt nicht“, warnt der erfahrene Funktionär, für den die Verbannung der Zuschauer von den Sportplätze keine Lösung in der Corona- Problematik ist. Doch wie könnte der richtige Weg aussehen? Eine Antwort hat der Fußballverband Rheinland jetzt gegeben. „FVR hält Spielbetrieb aufrecht“, ist eine Mitteilung überschrieben, die der Verband am Donnerstagnachmittag herausgab. Gleich im ersten Satz stellt Präsident Desch als Unterzeichner fest: „Der Fußballverband Rheinland (FVR) wird seinen Spielbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht unterbrechen. Die unterschiedlichen Verfügungen in den Kreisen bedingen kein flächendeckendes Aussetzen des Spielbetriebs. Auch die Regelungen von Zuschauerzahlen fallen ausschließlich in die Verantwortung politischer Gremien.“ Frei übersetzt könnte man sagen: Sport ist Sport und Politik ist Politik – dann weiß das Coronavirus jetzt, woran es sich in den kommenden Wochen und Monaten zu halten hat. Wie vertrackt die Lage ist zeigen die Beispiele vieler Mannschaften, die in den vergangenen Tagen ihre politische Verwaltungseinheit verließen, um jenseits ihrer Kreisgrenze zu trainieren. Was auf dem eigenen Platz (aus Gründen) verboten war, war ein paar Kilometer weiter erlaubt. Über Sinn und Unsinn lässt sich trefflich streiten, wenngleich hinter den Entscheidungen der Vereine oft sportliche Notwendigkeiten stehen – oder das, was man kurzfristig als notwendig erachtet. Denn klar ist: Mannschaften, die oberhalb der Spielklassen des FV Rheinland angesiedelt sind, etwa in der im Regionalverband Südwest angesiedelten Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, müssen auswärts durchaus zu spielen antreten, auch wenn sie auf ihrem eigenen Platz nicht mal trainieren dürfen. Corona macht es auch in diesem Lebensbereich den Menschen nicht leicht. Für den FVR ist jetzt unter anderem geregelt, „dass das Ausscheiden aus dem Spielbetrieb nach zweimaligem Nichtantreten nicht automatisch erfolgt“, wie der Verband mitteilt. „Es gilt der Grundsatz, dass da, wo es möglich ist, auch gespielt wird.“ Der FVR begreife es nach wie vor als seinen Auftrag, den Spielbetrieb, wo immer und wann immer möglich, zu organisieren und damit sicherzustellen. Einige Vereine hätten Bedenken, die meisten Vereine wollten nach wie vor spielen und würden eine Unterbrechung des Spielbetriebs, ohne eine entsprechende, behördliche Verfügung, nicht akzeptieren, heißt es in Deschs Schreiben von Donnerstagnachmittag. Und weiter: „Solange die aktuell geltenden Verfügungen Training und Wettkampf im Fußball nicht untersagen, wird der FVR daher keine Maßnahmen ergreifen, die seinen Vereinen die Möglichkeit nimmt, Trainings- oder Wettkampfsport auszuüben.“ Grundlage der Entscheidung des FVR ist eine Studie, die die DFL und der niederländische Fußballverband in Auftrag gegeben haben. Darin heißt es, dass es „für den Fußball im Freien bislang keinerlei Nachweise für ein Infektionsgeschehen“ gebe. Eine Vorabveröffentlichung der wichtigsten Ergebnisse eines aktuellen Gutachtens von Prof. Dr. Tim Meyer bestätige diese Feststellungen. „Natürlich wird und kann der Fußballverband Rheinland keinen Verein zwingen, Fußball zu spielen“, betont Desch. „Mit dem Aussetzen des Ausschlusses aus dem Spielbetrieb wird den Vereinen zumindest aber die Sorge genommen, bei zweimaliger Absage eines Spiels für den Rest der Saison automatisch gar nicht mehr antreten zu dürfen.“ Klar sei dem Verband, dass die unterschiedliche Verfügungslage in den Kreisen ein großes Problem bleibe. „Der wichtigste Grundsatz dazu lautet, dass immer die Verfügungslage desjenigen (Land-)Kreises gilt, wo das jeweilige Spiel stattfinden soll“, heißt es seitens des FVR. Wie lange das so bleibt, kann derzeit wohl niemand vorhersagen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 24. Oktober 2020

Kreise sollen Absetzungen mit dem Verband abstimmen

FVR bezieht Stellung zu seiner Strategie bei Spielabsagen

Mit der zweiten Coronawelle kam in den zurückliegenden Wochen auch eine Absagenflut: Die steigenden Infektionszahlen hinterlassen erwartungsgemäß auch ihre Spuren im Mannschaftssport. Absagen aufgrund von Coronafällen, Erstkontakten, Kontaktsportverboten und Quarantänemaßnahmen haben die Spielpläne in den Fußballligen gehörig auseinandergefleddert. Der Fußballverband Rheinland (FVR) bezieht gegenüber unserer Zeitung nun Stellung zu wichtigen Fragen rund um Absagen, Entscheidungsgewalten und die Perspektiven. Durch Erstkontakte zu Corona-Infizierten, Kontaktsportverbote und Quarantäne-Maßnahmen hat die Anzahl der Spielabsagen in den zurückliegenden Wochen extrem zugenommen. Übersteigt die Summe bislang die Befürchtungen? Da auch Experten kaum Prognosen wagen, sind auch wir gezwungen, „auf Sicht“ zu fahren, und versuchen, aus der jeweiligen Situation das Bestmögliche für unsere Vereine herauszuholen – natürlich immer unter der Prämisse, dass die Gesundheit der Menschen oberste Priorität genießt. Was die bisherigen Absetzungen angeht, sehen wir noch keinen Anlass zur Sorge – es war ja zu erwarten, dass auch der Fußball nicht von Auswirkungen der Corona-Pandemie verschont bleibt. Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass die Gefahren einer Infektion außerhalb des Spielfeldes lauern: Mehrere wissenschaftliche Studien deuten übereinstimmend darauf hin, dass sich ein Verbot von Fußball im Freien weder zielführend hinsichtlich der Eindämmung von Infektionszahlen auswirkt noch hinsichtlich der Zuordnung von Fußball zu den Kontaktsportarten zutreffend ist. Der FVR hat sich gegenüber den Gesundheitsämtern in seinem Verbandsgebiet und den betreffenden Ministerien in Rheinland- Pfalz entsprechend positioniert.

Nachdem zuletzt alle Spiele mit Mannschaften aus dem Kreis Neuwied aufgrund der zahlreichen Neuinfektionen im Kreis abgesetzt worden waren, hat der Kreis nun das Kontaktsportverbot wieder aufgehoben. Ist diese Freigabe für den FVR ein entscheidendes Kriterium, die Spiele der Neuwieder Vereine an diesem Wochenende wieder zuzulassen? Bei uns gilt nach einer Quarantäne oder Spielverbot eine Drei-Tages- Frist, damit sich die Vereine wieder auf den geregelten Spielbetrieb einstellen können. Deshalb können die Spiele am Wochenende ausgetragen werden.

Kontaktsportverbote werden seitens der Behörden lediglich für den Austragungsort der Spiele beziehungsweise Trainingseinheiten erlassen, nicht aber grundsätzlich gegen die Vereine. Diese hätten somit die Möglichkeit, in einem anderen Kreis zu trainieren und dort zu spielen. Wie steht der FVR der Variante gegenüber, die Auswärtsspiele dieser Mannschaften stattfinden zu lassen, was seitens der Verordnungen grundsätzlich erlaubt wäre? Natürlich werden wir dies zulassen – hier kann es durchaus vorkommen, dass eventuell einmal das Heimrecht getauscht wird, um die Spielausfälle und die anschließenden Nachholspieltage wegen der daraus resultierenden Belastung so gering wie möglich zu halten. Die Auswärtsspiele der Mannschaften aus dem Kreis Neuwied in den zurückliegenden Wochen wurden abgesetzt, weil zu dieser Zeit ein Kontaktsportverbot für den Kreis Neuwied galt und sich die Teams nicht entsprechend hätten vorbereiten können.

Im Sommer hieß es vor Saisonbeginn, dass der FVR und die zuständigen Behörden gemeinsam über Entscheidungen beratschlagen, was Absagen angeht. Wie hat sich diese Zusammenarbeit bislang bewährt? Hinsichtlich des Endspiels um den Rheinlandpokal sind alle Beteiligten einer Einladung des FVR gefolgt. Hier wurde eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden. Vom bevorstehenden Spielverbot im Kreis Westerwald/Wied wurde der FVR erst am Tag der Entscheidung der Task Force durch den Fußballkreis informiert. Hier hat der FVR seine Fußballkreise inzwischen auch dahingehend sensibilisiert, dass flächendeckende Spielabsetzungen im Vorfeld mit der Verbandsführung abzustimmen sind. Darüber hinaus ist unser Abteilungsleiter Sport- und Spielbetrieb, Dennis Gronau, im ständigen Austausch mit den Behörden und den Vereinen.

Zuletzt wurde eine sehr konsequente Absetzungsstrategie gefahren. Wird diese so strikt fortgesetzt oder kann man sich vorstellen, die Kriterien etwas zu lockern, zum Beispiel, wenn Spieler nach einem Kontakt mit einem Infizierten einen negativen Test vorweisen können, zumal eine Studie des DFB besagt, dass die Ansteckungsgefahr für Spieler bei einem Spiel gleich null wäre? Wir haben versucht, solange wie möglich keine Spiele abzusetzen. Wenn aber behördliche Anordnungen zu beachten sind und möglicherweise Ansteckungsgefahr für Spieler und weitere Beteiligte besteht, gehen wir auf Nummer sicher und setzen ab. Darüber hinaus erwarten wir die Veröffentlichung der genannten Studie von Prof. Tim Meyer spätestens für nächste Woche. Sollte – wovon auszugehen ist – diese eine Ansteckungsgefahr auf dem Platz praktisch ausschließen, werden wir uns natürlich noch stärker dafür einsetzen, dass weiterhin Fußball gespielt werden darf. Dabei müssen sich indes alle Beteiligten darauf verlassen können, dass außerhalb des Spielfeldes die Hygienestandards konsequent umgesetzt werden. Denn die Beobachtung, dass man sich auf dem Spielfeld sehr wahrscheinlich nicht anstecken kann, bedeutet nicht, dass dies auch außerhalb des Spielfeldes gilt. Deshalb hat unser Verband mit der erneuten Freigabe des Spielbetriebs zum 15. Juli alle Mitgliedsvereine mit Muster-Hygieneplänen versorgt und setzt sich intensiv für deren Umsetzung und Einhaltung ein.

Viele Aktive tun sich schwer zu verstehen, warum etwa in Nordrhein-Westfalen selbst in Corona-Risikogebieten der Spielbetrieb weiter andauert und auch die U 21-Nationalmannschaft ihr EM-Qualifikationsspiel bestritt, nachdem ein Tag vor der Partie ein Spieler aus dem Team positiv getestet worden war. Wie bezieht der FVR zu diesem Quervergleich Stellung? Mit solchen „Quervergleichen“ tun wir uns gleichermaßen schwer. Auch der Schlingerkurs in Sachen Beherbergungsverbot stellt die Sportschule des FVR vor große Herausforderungen. Hier wünschen wir uns, bei allem Verständnis für die Dynamik, welche die Pandemie in den zurückliegenden Tagen entwickelt hat, verlässlichere Planungsgrundlagen.

Gibt es eine Grenze, bei der sich der FVR konkret die Frage stellt, ob der Spielbetrieb noch fortgesetzt werden kann? Sicherlich gibt es Grenzen, aber diese haben wir noch nicht definiert. Wir werden versuchen, den Spielbetrieb solange wie möglich aufrechtzuerhalten. Und wir appellieren an die Spieler, die Vereine und Zuschauer, die Hygiene-Maßnahmen zu befolgen – hier liegt der Schlüssel, ob wir weiterspielen können oder den Spielbetrieb möglicherweise unterbrechen oder gar beenden müssen.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 17. Oktober 2020